Termine der Woche

Am Freitag (2. Dezember) feiert Stadtluft Dresden seine Premiere, eine Mischung aus Buch und Magazin mit ungewöhnlichen Geschichten aus und über Dresden. Macher sind der Journalist Peter Ufer, der Fotograf Amac Garbe und der Grafiker Thomas Walther. Zur Präsentation der ersten Ausgabe lese ich mit Durs Grünbein und Peter Ufer um 15 Uhr in der Motorradmanufaktur Hookie (Großenhainer Straße 137).

Am Montag (5. Dezember) gibt es brandneue Geschichten, Lieder und fortschrittliche Komik bei unserer Lesebühne Zentralkomitee Deluxe in Berlin. Ort des Geschehens ist die schicke Fahimi Bar in Kreuzberg. Mit mir lesen und singen Tilman Birr, Noah Klaus, Piet Weber, Christian Ritter sowie der wunderbare Gast Moses Wolff von der Lesebühne Schwabinger Schaumschläger aus München. Los geht es um 20 Uhr.

Zitat des Monats November

Hallo Herr Bittner, mit Freuden habe ich gelesen, dass Sie Dresden verlassen. Hoffentlich machen Sie Ihren Vorsatz auch wahr und es bleibt nicht nur bei einem leeren Versprechen. Wäre schrecklich, wenn wir Sie hier noch länger ertragen müssten!

S. Fritsche

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Die Fans, die den neu gewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit dem Ruf „Hail Victory!“ begrüßten, mögen eine Minderheit unter seinen Anhängern sein. Dass aber ein Kandidat mit einem zumindest faschistoiden Wahlkampf in einer der ältesten Demokratien der Welt überhaupt siegen kann, stimmt doch nachdenklich. Die alte Weisheit, nach der immer möglich bleibt, was einmal wirklich war, ist heute so wahr wie früher. Darum scheint es mir auch nicht unnütz, mich jetzt in den zweiten Teil meines Leseabenteuers zu stürzen, indem ich den zweiten Band von Mein Kampf aufschlage. Das erste Kapitel mit dem Titel Weltanschauung und Partei ist kurz, aber macht doch bereits klar: Die Chance, dass dieses Buch noch gut ausgeht, ist eher gering.

Wie sehr Hitler den Marxismus verabscheut, haben wir im ersten Band des Buches schon zur Genüge erfahren. Aber was hält Hitler eigentlich von Karl Marx selbst? Im ersten Band behauptet Hitler einmal, er habe Das Kapital intensiv studiert und dabei durchschaut – eine Stelle, bei der auch der ernsteste Leser schmunzeln muss. Nun lesen wir:

Karl Marx war wirklich nur der eine unter den Millionen, der aus dem Sumpfe einer langsam verkommenden Welt mit dem sicheren Blick des Propheten die wesentlichen Giftstoffe erkannte, herausgriff, um sie nun, einem Schwarzkünstler gleich, in eine konzentrierte Lösung zu bringen zur schnelleren Vernichtung des unabhängigen Daseins freier Nationen dieser Erde. Dieses alles im Dienste seiner Rasse.
Seine marxistische Lehre ist der kurzgefaßte geistige Extrakt der heute allgemein gültigen Weltanschauung. Schon aus diesem Grunde ist auch jeder Kampf unserer sogenannten bürgerlichen Welt gegen sie unmöglich, ja lächerlich, da auch diese bürgerliche Welt im wesentlichen von all diesen Giftstoffen durchsetzt ist, und einer Weltanschauung huldigt, die sich von der marxistischen im allgemeinen nur mehr durch Grade und Personen unterscheidet. Die bürgerliche Welt ist marxistisch, glaubt aber an die Möglichkeit der Herrschaft bestimmter Menschengruppen (Bürgertum), während der Marxismus selbst die Welt planmäßig in die Hand des Judentums überzuführen trachtet.

Es gibt Schurken, die in ihrer Bosheit doch immerhin abgründig und faszinierend sind. Hitler zählt nicht dazu. Seine Bösartigkeit ist stumpf und langweilig. Deswegen überrascht es nicht, dass auch seine Worte zu Karl Marx enttäuschen. Der Gegner kommt weder als Person noch als Denker in den Blick. Marx ist jüdisch, damit ist klar: Er ist überhaupt kein Individuum, sondern nur ein weiteres Exemplar des Typus „der Jude“. Da Marxismus und Judentum für Hitler identisch sind, kommt er noch zu der bemerkenswerten Feststellung, Marx habe bereits den Marxismus gelehrt. Der alte Marx selbst sah das etwas anders: „Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin“, soll er nach dem Zeugnis von Friedrich Engels gesagt haben.

All die braven deutschen Bürger, die sich mit Hitler anfreundeten, weil er versprach, sie gegen den Bolschewismus zu verteidigen, hätte Mein Kampf auch schon eines Besseren belehren können. Die bürgerliche, liberale Demokratie war für Hitler ebenfalls marxistisch, also verjudet. Er verheimlichte auch keine Sekunde, dass er die Demokratie nur als Mittel zur Machtergreifung benutzen, dann aber umgehend zerstören wollte. Wie alle Faschisten verband er dieses Bekenntnis mit der Heuchelei, es handle sich um bloße Selbstverteidigung gegen den Feind. Wie alle Faschisten stellte er die Wahrheit auf den Kopf und unterstellte den marxistischen Juden und verjudeten Marxisten jene Pläne zur „Welteroberung“, die er selbst verfolgte:

In einer Zeit aber, in welcher die eine Seite, ausgerüstet mit allen Waffen einer, wenn auch tausendmal verbrecherischen Weltanschauung zum Sturm gegen eine bestehende Ordnung antritt, kann die andere ewig nur Widerstand leisten, wenn sich dieser selber in die Formen eines neuen, in unserem Falle politischen Glaubens kleidet und die Parole einer schwächlichen und feigen Verteidigung mit dem Schlachtruf mutigen und brutalen Angriffs vertauscht.

Als Hitler einige Jahre später wirklich angriff, tat er dies bekanntlich mit den Worten, von nun an werde zurückgeschossen.

Welche Bedeutung Hitler dem „politischen Glauben“ beimaß, tritt in diesem Kapitel besonders deutlich hervor. Unverhohlen erhebt er die katholische Kirche zum Modell für die Organisation der NSDAP. Die Mitglieder sollen mit „bedingungslosem Glauben“ für die „Parteidogmen“ kämpfen, in denen sich die „höchste Wahrhaftigkeit“ ausdrücke. Um dem „politischen Glaubensbekenntnis“ zum Sieg zu verhelfen, brauche es freilich noch einen ganz besonderen, auserwählten Mann, der hervortritt,

um mit apodiktischer Kraft aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf aufzunehmen für ihre alleinige Richtigkeit, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.

Keine Frage, Hitler hielt sich nicht nur für den Messias, sondern auch für den Papst des Nationalsozialismus. Vielleicht verordnete er sich deswegen selbst ein Zölibat, das er erst aufgab, als es für seine Mission keinerlei Hoffnung mehr gab.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Link zum Text (24): Das linke Jammertal

Die wachsende soziale Ungleichheit ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Und eben die soziale Gleichheit war stets die wesentliche Idee der Linken. Wie kann es sein, dass linke Parteien trotzdem abschmieren? Womöglich liegt’s daran, dass diese Parteien in den letzten Jahrzehnten den Eindruck erweckt haben, nur noch den Gewinnern der Globalisierung eine Heimat zu bieten, den Jungen und Gebildeten, den international Erfahrenen und technisch Versierten.

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Termine der Woche

Am Mittwoch (16. November) lese ich beim Havel Slam in Potsdam. Der findet wie immer im gemütlichen Waschhaus statt. Los geht es um 20 Uhr.

Am Donnerstag (17. November) präsentiert unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal wie jeden Monat ein neues Programm in der Scheune. Mit dabei sind nicht nur die Stammautoren Stefan Seyfarth, Max Rademann, Roman Israel und ich, sondern auch ein wunderbarer Gast: Udo Tiffert, die poetische Stimmer der Lausitz. Los geht es um 20 Uhr. Tickets kann man sich schon im Vorverkauf besorgen, aber auch am Einlass ab 19:30 Uhr gibt es noch unbegrenzt Karten.

Am Sonntag (20. November) veranstaltet der Dresdner Atticus e.V. die zweite Ausgabe seiner Gesprächsreihe „Tacheles“. Zu Gast sind der Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Werner J. Patzelt und ich. Mit den beiden Moderatoren Eric Hattke und Marcus Thielking sprechen wir über die Idee zur Kolumne „Besorgte Bürger“ in der Sächsischen Zeitung, aber auch über Themen wie demokratische Diskussionskultur, politische Korrektheit und Fremdenfeindlichkeit, die nicht erst seit dem Auftauchen von PEGIDA die Stadt Dresden wie ganz Deutschland beschäftigen. Das Gespräch findet um 18 Uhr im Stadtmuseum Dresden statt. Unter der Adresse tacheles@atticus-dresden.de kann man Plätze reservieren, aber auch eigene Fragen für die Diskussion einreichen.

Link zum Text (23): Beleidigte Beleidiger

Nachdem ich jüngst dafür eintrat, Zuwanderer nach ihrem individuellen Handeln zu beurteilen und nicht bloß als austauschbare Exemplare einer vermeintlich gleichförmigen „Kultur“, erhielt ich einen erzürnten Brief von einem Anhänger der Pegida: „Wie behandeln und beurteilen bitte Sie, die Medien und die Politik in immer diskriminierender Weise ALLE Menschen en bloc, die sich montags zum Protest treffen? Ich erspare mir, diese Verunglimpfung zu wiederholen. Wo ist hier die angemahnte individuelle Betrachtung und Beurteilung persönlichen Handelns?“

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Termine der Woche

Am Montag (7. November) um 20 Uhr findet eine neue Ausgabe der Lesebühne Zentralkomitee Deluxe statt – an neuem Ort, nämlich in der Fahimi Bar! Vor der drohenden Apokalypse am Dienstag gibt’s noch einmal fortschrittliche Komik mit Tilman Birr, Noah Klaus, Christian Ritter, Piet Weber und mir sowie der Gastautorin Lisa Danulat. Kommt rum und amüsiert euch mit uns, wir können eh nüscht ändern!

Sollte der Weltuntergang wider Erwarten ausbleiben, findet vom 6. bis zum 13. November wieder Literatur Jetzt! statt, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur. Es wird in diesem Jahr nicht von unserem Livelyrix e.V. allein, sondern gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum organisiert. Das Motto dieses Jahres lautet „Wir müssen reden“ und das Festival beschäftigt sich dementsprechend mit allen Aspekten der Sprache und Verständigung. Zu Gast sind namhafte Autoren wie Herta Müller, Lukas Bärfuss, Bov Berg u.v.m. Ich werde zwei Veranstaltungen beim Festival Literatur Jetzt! moderieren:

Zum einen die traditionelle Nacht der Lesebühnen mit Autoren aus dem Feld der satirischen und komischen Literatur. Sie findet mit den wunderbaren Kollegen Christian Bartel, Elis, Jacinta Nandi und Anselm Neft am Donnerstag (10. November) um 20 Uhr in der scheune statt. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Zum anderen den Poetry Slam am Freitag (11. November) um 21 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum. Mit dabei sind tolle Poetinnen und Poeten: der Poetry-Slam-Pionier Bas Böttcher, die außerordentlich talentierte junge Berliner Autorin Zoe Hagen, der politisch versierte Kaleb Erdmann aus Frankfurt am Main und die zurzeit in Wien beheimatete, bayrische Poetin Franziska Holzheimer. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Link zum Text (22): Das Elend der Kultur

Eine wahre Seuche, die unsere Gesellschaft befallen hat, ist die Mode, nicht mehr über einzelne Menschen, sondern nur noch über „Kulturen“ zu reden. Wir schauen nicht mehr auf das Individuum und sein persönliches Handeln, sondern glauben, schon alles über Menschen zu wissen, wenn wir sie nur einer bestimmten „Kultur“ zugeordnet haben. So können wir ganze Gruppen kollektiv entschuldigen oder verdammen.

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Termine der Woche

Am Dienstag (1. November) lese ich erstmals als Gastautor bei der Lesebühne Liebe für alle in Hamburg. Die Stammautoren sind Katrin Seddig, Ella Carina Werner, Piero Masztalerz und Anselm Neft. Los geht es um 20:30 Uhr im Grünen Jäger (Neuer Pferdemarkt 36).

Am Donnerstag (3. November) bin ich sodann Gastautor bei der Lesebühne Couchpoetos in Berlin. Die Stammautoren dort sind Sarah Bosetti, Daniel Hoth, Karsten Lampe und Jan vom Im Ich. Als weitere Gäste sind auch noch Temye Tesfu und Uli Hannemann mit dabei. Der Spaß beginnt um 20:30 Uhr im traditionsreichen Kaffee Burger.

Am Sonnabend (5. November) lese ich beim Kantinenlesen, dem von Dan Richter organisierten Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen. Mit dabei sind auch noch die Kollegen Ruth Herzberg, Falko Hennig und Jakob Hein. Der heitere literarische Ringelreihn hebt an um 20 Uhr in der Alten Kantine auf dem Gelände der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.