Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Wenn zurzeit die radikalen Rechten des Westens in Liebe zu Russland entbrennen und Wladimir Putin im Gegenzug den rechtsradikalen Parteien Europas mit Propaganda und Geld aufhilft, dann ist das nur die Rückkehr zu einer alten Tradition. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war das zaristische Russland ein Bollwerk gegen Liberalismus, Demokratie und Säkularisierung gewesen und hatte allen Gegnern dieser dekadenten Tendenzen des Westens Unterstützung gewährt. Dann kam die Oktoberrevolution. Das Band der Sympathie zwischen den Reaktionären des Westens und Ostens löste sich aber selbst in der Zeit der Sowjetunion nie vollständig, zumal diese unter Stalin auf einen nationalistischen Kurs einschwenkte. In der Weimarer Republik gab es – auch im Umfeld der NSDAP – Nationalbolschewisten, welche die rücksichtslose Herrschaftsausübung der Kommunisten nachahmen wollten und ein Bündnis Deutschlands mit der Sowjetunion gegen den Westen befürworteten. In diesen Kreisen wurde damals schon die Idee einer Querfront propagiert, die rechte und linke Feinde des westlichen Liberalismus zusammenschließen sollte. Obwohl Hitler halb verklemmt die diktatorische Kraft der Bolschewisten ebenfalls bewunderte, war er doch ein wütender Gegner eines Bündnisses mit der Sowjetunion. Denn solche Pläne widersprachen, wie er im Kapitel Ostorientierung oder Ostpolitik ausführt, seinem wesentlichen Ziel: der Eroberung von Lebensraum im Osten. (Als er später, allein aus taktischem Kalkül, vorübergehend seinen Pakt mit Stalin schloss, hatte die Propaganda alle Mühe, dieses unnatürliche Bündnis zu rechtfertigen.)

Wer bis zu diesem vorletzten Kapitel von Mein Kampf vorgedrungen ist, der wundert sich nicht mehr darüber, dass Hitler in ihm ganz unverschämt seine Kriegspläne offenbart und rechtfertigt. Deutschland könne in Zukunft nur als „Weltmacht“ überleben: „Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein.“ Es sei aber noch keine, dazu fehle es den Deutschen an Raum. Deutschland müsse also unter nationalsozialistischer Führung „neue[n] Grund und Boden“ erwerben. Und dies könne nur durch Krieg geschehen:

So wie unsere Vorfahren den Boden, auf dem wir heute leben, nicht vom Himmel geschenkt erhielten, sondern durch Lebenseinsatz erkämpfen mußten, so wird auch uns in Zukunft den Boden und damit das Leben für unser Volk keine völkische Gnade zuweisen, sondern nur die Gewalt eines siegreichen Schwertes.

Selbst ein Nationalist, der vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ausgeht, müsste da einwenden: Ist es denn nicht Unrecht, anderen Nationen gewaltsam ihr Land zu entreißen? Einen brutalen, egoistischen Nihilisten wie Hitler ficht ein solcher Gedanke nicht an, denn für ihn gibt es nur das Recht des Siegers. Wenn’s den Deutschen nutzt, so dürfen sie nach Hitler unbedenklich schwächere Völker unterwerfen, vertreiben und ausrotten.

Wo aber soll der vermisste Raum erobert werden? Der Führer kennt nur eine Richtung:

Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft.
Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken.

Hitler war ganz frei von der Russlandschwärmerei manch anderer Rechter. Die Sowjetunion war für ihn nicht nur ein Feind, weil sie von Kommunisten beherrscht wurde. Nein, er verachtete auch die Russen selbst als minderwertig. Sie waren seiner Ansicht nach ein Geschlecht von Sklaven, das stets von fremder Hand beherrscht werden musste.

Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig geben zu wollen. Indem es Rußland dem Bolschewismus überantwortete, raubte es dem russischen Volk jene Intelligenz, die bisher dessen staatlichen Bestand herbeiführte und garantierte. Denn die Organisation eines russischen Staatsgebildes war nicht das Ergebnis der staatspolitischen Fähigkeit des Slawentums in Rußland, als vielmehr nur ein wundervolles Beispiel für die staatenbildende Wirksamkeit des germanischen Elements in einer minderwertigen Rasse. […] Seit Jahrhunderten zehrte Rußland von diesem germanischen Kern seiner oberen leitenden Schichten. Er kann heute als fast restlos ausgerottet und ausgelöscht angesehen werden. An seine Stelle ist der Jude getreten. So unmöglich es dem Russen an sich ist, aus eigener Kraft das Joch der Juden abzuschütteln, so unmöglich ist es dem Juden, das mächtige Reich auf die Dauer zu erhalten.

Hitler verfolgte also im Osten zwei miteinander verknüpfte Ziele, die sich ganz aus seinem Denken in Bahnen des Bluts ergaben. Er wollte zum einen den Kommunismus vernichten, den er als Griff der Juden nach jener Weltherrschaft verstand, von der er selbst träumte. Ziemlich unverhohlen kündigt er wieder einmal die Ausrottung der Juden an:

[…] der unerbittliche Weltjude kämpft für seine Herrschaft über die Völker. Kein Volk entfernt diese Faust anders von seiner Gurgel als durch das Schwert. Nur die gesammelte, konzentrierte Stärke einer kraftvoll sich aufbäumenden nationalen Leidenschaft vermag der internationalen Völkerversklavung zu trotzen. Ein solcher Vorgang ist und bleibt aber ein blutiger.

Der Sieg über den Bolschewismus sollte aber die Russen nicht befreien, sondern sie unter ein neues, germanisches Joch zwingen. Denn nach Meinung Hitlers waren die rassisch minderwertigen Slawen gar nicht in der Lage, einen eigenen Staat zu erhalten und zu verteidigen:

[…] das Ende der Judenherrschaft in Rußland wird auch das Ende eines russischen Staates selbst sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassentheorie sein wird.

In der Tat wurde die Menschheit Zeuge einer Katastrophe, welche die irrwitzige Verkehrtheit der völkischen Rassentheorie bewies. Unter ungeheuren Opfern besiegten die slawischen und jüdischen Bürger der Sowjetunion die brutalen Horden von germanischen Übermenschen, die mordend in ihre Heimat eingefallen waren. Und deren Führer wählte am Ende, verkrochen in einer Höhle unter Berlin, den Fluchtweg in den Tod.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Termine der Woche

Am Mittwoch (29. März) lese ich als Gastautor wieder einmal bei den traditionsreichen, sich aber auch stets verjüngenden Surfpoeten in Berlin. Mit dabei sind die Stammautoren Tube, Ruth Herzberg, Meikel Neid, Konrad Endler und DJ Joe Carrera. Residenz der Surfpoeten ist der Klub der Republik, los geht es um 21 Uhr.

Am Donnerstag (30. März) lese ich in Berlin, wenn das neue Buch Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen vorgestellt wird. Heike Kleffner und Matthias Meisner versammeln in dem von ihnen herausgegebenen Band Beiträge von Aktivisten, Politikern, Schriftstellern, Journalisten, Künstlern und Bürgern, die sich mit den ganz eigentümlichen sächsischen Verhältnissen befassen. Ich durfte eine erweiterte Fassung meiner Abhandlung „Die Rückkehr der Döner-Nazis“ beisteuern. An Lesung und Diskussion nehmen auch der Autor İmran Ayata sowie die Politiker Katja Kipping (Die Linke), Martin Dulig (SPD) und Marco Wanderwitz (CDU) teil. Die Veranstaltung findet aus Gründen in der Thüringischen Landesvertretung (Mohrenstraße 64) statt. Um 19 Uhr geht’s los.

Termine der Woche

Am Donnerstag (23. März) bin ich wieder einmal zu Gast bei den Brauseboys, der Lesebühne im wunderbaren Berliner Wedding. Die Stammautoren heißen Robert Rescue, Volker Surmann, Frank Sorge, Heiko Werning und Thilo Bock. Los geht es um 20:30 Uhr im LaLuz.

Am Freitag (24. März) fahre ich nach Leipzig, wo zur Buchmesse das literarische Leben tobt. Ich bin erstmals zu Gast bei der „Spätschoppen-Lesung“ der Galerie ARTAe, wo ich gemeinsam mit dem großartigen Jürgen Roth lese. Ich stelle mein aktuelles Buch „Das Lachen im Hals“ (edition AZUR) vor, lese aber auch andere Texte. Ein feuchter und fröhlicher Abend steht zu erwarten. Da die Plätze streng limitiert sind, sollte man sich besser vorab anmelden. Los geht es um 20 Uhr.

Termine der Woche

Am Mittwoch (15. März) gibt’s eine neue Ausgabe meiner Berliner Lesebühne Zentralkomitee Deluxe – zum zweiten Mal an unserem neuen Auftrittsort, der Baumhaus Bar am Schlesischen Tor. Neue Geschichten lesen zusammen mit mir die Stammautoren Noah Klaus, Christian Ritter und Piet Weber, als Gäste mit dabei sind außerdem Yusuf Rieger und Blockflöte des Todes. Los geht es – wie ab sofort immer – um 20 Uhr. Tickets gibt’s am Einlass.

Am Donnerstag (16. März) präsentiert meine Dresdner Lesebühne Sax Royal ein brandneues Programm in der Scheune. Es lesen mit mir: Max Rademann, der Dresdner Neustadtphilosoph und Erzgebirgschronist, Roman Israel, der nach Berlin verschlagene Oberlausitzer Erzähler, Stefan Seyfarth, der Rap-Poet der ganz alten Dresdner Schule, sowie als besonderer Gast der großartige Liedermacher Bruno Kolterer. Als Kardiologe heilt er beruflich Kinderherzen, als Liedermacher bricht er die Herzen der Hörer mit traurigschönen und zugleich lustigen Liedern. Los geht es um 20 Uhr, Karten gibt es im Vorverkauf oder ab 19:30 Uhr am Einlass.

Am Freitag (17. März) lese ich wieder gemeinsam mit den Kollegen Udo Tiffert und Max Rademann als Lesebühne Grubenhund in Görlitz. Neue Geschichten gibt es aber nicht nur von den Stammautoren, sondern auch vom Gastautor Peter Berg von der Lesebühne Kreis mit Berg aus Halle. Los geht es um 19:30 Uhr im Kino Camillo, Karten gibt es am Einlass.

Am Sonntag (19. März) mache ich mich auf den Weg nach München, wo ich wieder einmal Gast der wundervollen Lesebühne Schwabinger Schaumschläger sein darf. Neben den Stammkräften Michi Sailer, Moses Wolff und Christoph Theussl sind als Gäste auch noch Daniel Schlick, Steffen Haas und Darryl Kiermeier mit dabei. Los geht es um 19:30 Uhr im zauberhaften Vereinsheim.

Am Montag (20. März) lese ich dann sogleich nochmals in München bei der Show „Blickpunkt Spot“. Moderator des Abends ist Bumillo, die weiteren Gäste heißen Moritz Neumeier, Stefan Noelle und Kaleb Erdmann. Los geht es wieder um 19:30 Uhr im Vereinsheim.

Am Dienstag (21. März) bin ich erstmals Gast der Münchner Lesebühne Stützen der Gesellschaft. Ich lese gemeinsam mit den Stammautoren Alex Burkhard, Sven Kemmler, Fee und Frank Klötgen. Das Ganze findet ab 20:30 Uhr im Fraunhofer Theater statt.

Aus meiner Fanpost (24): Zensur in Deutschland

Betreff: Die rechten Versager – Feuilleton von Michael Bittner ( 24.02.2017 )

Wer sind eigentlich die wahren Versager?
Da werden Milliarden von deutschen Steuergeldern nach Griechenland gepumpt. In ein Agrar-Land, was nie in der Lage sein wird, auch nur Bruchteile der ,,Hilfen“ zurückzuzahlen. Ein Hohn für jeden normal denkenden Menschen!
Es wurden unkontrolliert ,,Flüchtlinge“ in Deutschland aufgenommen, welche neben zusätzlicher Kriminalität Krankheiten mitbrachten.
Die Betonung liegt auf UNKONTROLLIERT!
Sogenannte Rechte haben davor gewarnt!
Die Bundesregierung ist nicht in der Lage, abgelehnte Asylbewerber in einem verträglichen Zeitrahmen abzuschieben. Der Steuerzahler kommt für die Zeche auf!
Kritikern dieser verfehlten Politik soll die Parteienfinanzierung entzogen werden, da die etablierten Parteien um ihre Vormachtstellung fürchten.
Nun noch die Doppelzüngigkeit mit der Türkei.
Die Bundesregierung hält sich vornehm zurück, um den Flüchtlingsdeal nicht platzen zu lassen Die Bundestagswahl läst grüßen!
Alles im Namen der Demokratie!
Wer, Herr Bittner, stellt sich bzw. ist zu blöd?
Hätte ein Rechtsalternativer es gewagt, unsere Demograten als Faschisten zu betiteln, so wie Sie es mit der AfD tun, würde sich mit großer Sicherheit der Staasschutz eingeschaltet haben.

*.*. F*** (62), O***

 

Sehr geehrter Herr F***,

vielen Dank für Ihre kritische Nachricht! Ich beginne mal mit dem Schluss Ihres Briefes: „Hätte ein Rechtsalternativer es gewagt, unsere Demograten als Faschisten zu betiteln, so wie Sie es mit der AfD tun, würde sich mit großer Sicherheit der Staasschutz eingeschaltet haben.“ Sie machen Spaß, oder? Sie haben noch nie gehört, wie einer der Rechtsalternativen politische Gegner „Linksfaschisten“ genannt hat? Kommen Sie, das nehme ich Ihnen nicht ab.

Ansonsten beruht Ihre Mail auf einem Missverständnis. Sie haben politische Auffassungen zur europäischen Währungspolitik und zur Flüchtlingspolitik, die ich nicht teile. (Ihre Ansicht, dass die Türkei-Politik Deutschlands heuchlerisch ist, teile ich.) Aber ich halte Ihre politischen Auffassungen nicht für faschistisch und spreche Ihnen auch nicht das Recht ab, diese zu vertreten oder die AfD zu wählen.

Für faschistisch halte ich nicht Menschen, die von meiner Meinung abweichen. Ich halte vielmehr ein möglichst großes Meinungsspektrum für demokratisch. Für faschistisch halte ich Leute, die ihre politischen Gegner „bis aufs Messer bekämpfen“ (Alexander Gauland), das bestehende demokratische „System“ (Bernd Höcke) zerschlagen wollen und auf ein „neues 1933“ (Götz Kubitschek) hoffen.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner

 

Shr geehrter Herr Dr. Bittner,
danke für Ihre Antwort!
Ich habe nicht erwartet, das Sie argumentativ auf meine Zeilen eingehen!
Warum auch. Sie sind freier Autor und erschreiben sich mit Ihren Publikationen Ihren Lebensunterhalt.
Folglich werden Sie nicht riskieren, sich eine Zensur ( die es ja im demokratischen Deutschland nicht gibt ) oder Schlimmeres einzuhandeln!
Undemokratisch und meinungsfeindlich finde ich es auch, das meine Anmerkungen nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und veröffentlicht werden, Ihre jedoch schon!
Gleichzeitig zeigt mir diese Vorgehensweise, welche Angst man vor der Meinung des Volkes hat.
Um noch einmal auf die Asylpolitik und die Politik der EU, die momentanen Themen schlechthin, einzugehen, hier ein Zitat von
ERNST MORITZ ARNDT:
,, Ein Volk, das sich einem Fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und am Ende damit sich selbst“
Denken Sie darüber nach!
Mit freundlichen Grüßen

*. *. F***

 

Sehr geehrter Herr F***,

schade, dass Sie meine Argumente zwar gelesen haben, nun aber in keiner Weise auf meine Antwort eingehen. Hätten Sie es getan, hätte sich vielleicht ein Gespräch entwickeln können.

Da Sie Ernst Moritz Arndt zitieren, will ich das auch tun: „Verflucht aber sei die Humanität und der Kosmopolitismus, womit ihr prahlet! Jener allweltliche Judensinn, den ihr uns preist als den höchsten Gipfel menschlicher Bildung!“ Finden Sie an diesen Worten des tapferen Arndt auch Gefallen? Dann wären Sie zu bedauern.

Ihren Wunsch, in der Öffentlichkeit Gehör zu finden, erfülle ich gerne, indem ich Ihre Briefe (ohne Namensnennung) demnächst auf meiner Homepage im Netz veröffentliche.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner

Link zum Text (30): Die rechten Versager

Mit nichts Geringerem als einem „vollständigen Sieg“ dürfe sich die Alternative für Deutschland zufriedengeben, verkündete unlängst ihr Vorkämpfer Björn Höcke. Erst wenn die Partei die Alleinherrschaft errungen habe, sei ihr Ziel erreicht. Nun scheint zurzeit die absolute Mehrheit aber noch nicht zum Greifen nah, im Gegenteil, die Umfrageergebnisse werden immer trüber. Derweil feiern andere rechtsradikale Parteien in Europa Wahlerfolge. Sind die Deutschen etwa immun gegen die Verlockung? Nein, ich fürchte, die Rechtsalternativen stellen sich bloß zu blöd an. Gab’s denn nicht in Deutschland mal einen, der seine Partei tatsächlich zum vollständigen Sieg führte? Der hat sogar ein Buch geschrieben, in dem die neuen Rechten nachlesen könnten, wie es klappt. Sie sind wohl zu faul, aber ich helfe gerne.

WEITERLESEN BEI DER SÄCHSISCHEN ZEITUNG

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Selbst aus einem Buch wie Mein Kampf lässt sich lesend Trost schöpfen. In den Kapiteln, in denen Hitler seine außenpolitische Strategie verkündet, zeigen sich nämlich schon deutlich die Denkfehler, die später die Niederlage des Nationalsozialismus verursachten. Tröstlich ist daran die Erkenntnis: Rassistischer Wahn verblendet. Wer aber verblendet in die Welt blickt, sieht nicht klar und wird unweigerlich irgendwann falsch handeln. Solche Irrtümer aber geben den Feinden des Rassismus die Möglichkeit, die Rassisten zu besiegen.

Das Kapitel Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege beginnt in ungewöhnlich sachlichem Ton. Fast glaubt man, die Worte eines zwar nationalistischen, aber doch vernünftigen Politikers zu lesen, der sich überlegt, welche Bündnispartner geeignet wären, um Deutschland nach dem verlorenen Krieg wieder zu europäischer Geltung zu verhelfen. Hitler schlägt ein Bündnis mit England und Italien vor. England wolle vor allem seine „Welt-Hegemonie“ verteidigen, sei aber in Europa an einem Gleichgewicht interessiert, weshalb es nichts gegen eine Erholung Deutschlands einwenden werde. Vielmehr blickten die Engländer schon misstrauisch auf die Stärke der Franzosen. In Italien sieht Hitler vor allem wegen des Siegs der Faschisten einen geeigneten Bündnispartner. Hitlers Vorstellungen waren durchaus exzentrisch und stießen bei den deutschen Rechten auf Ablehnung. England war als ehemaliger Kriegsgegner verhasst, Italien als Dieb und Unterdrücker Südtirols. Doch um des erhofften Bündnisses willen forderte Hitler den Verzicht auf Kolonien, um England nicht zu provozieren, und den Verzicht auf die Deutschen in Südtirol, um Italien nicht zu verärgern. Dieser merkwürdige Mangel an Folgerichtigkeit bei einem Mann, der sonst stets das gemeinsame Blut zur Hauptsache erklärte, belegt schon früh, dass Hitler keine Bedenken hatte, für seine Pläne auch Deutsche zu opfern.

Hitler gibt sich anfangs Mühe, wie ein abgebrühter Machtmensch zu klingen. Nicht Überzeugungen oder Neigungen seien für die Außenpolitik entscheidend, allein auf den Nutzen komme es an, verkündet der Machiavelli aus Braunau:

Völkerschicksale werden fest aneinandergeschmiedet nur durch die Aussicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer Erwerbungen, Eroberungen, kurz einer beiderseitigen Machterweiterung.

Die Voraussetzung zur Aneinanderkettung von Völkerschicksalen liegt niemals in einer gegenseitigen Hochachtung oder gar Zuneigung begründet, sondern in der Voraussicht einer Zweckmäßigkeit für beide Kontrahenten.

Selbst Partner hören für Hitler nicht auf, „Kontrahenten“ zu sein, denn alle Politik ist ihm ja nichts als Kampf ums Dasein. Sogar „verwandtschaftliche Verhältnisse unter den Völkern“ vermögen es angeblich in keiner Weise, „Rivalitäten auszuschalten“. Eine erstaunliche These im Buch eines Mannes, der sonst eigentlich alles aus Rassenverhältnissen ableitete.

Es dauert jedoch nur ein paar Seiten, bis beim Schriftsteller Hitler wieder alle Sicherungen durchbrennen. Wie immer ist es „der Jude“, der den Führer außer Rand und Band bringt. Alle Rechten, die seine Pläne zum Bündnis mit England und Italien ablehnen, erklärt er zu Opfern jüdischer Propaganda oder Nutznießern jüdischer Bestechung. Dass nur Erwägungen der gegenwärtigen Zweckmäßigkeit die Bündnispolitik bestimmen sollen, ist beim Erbfeind Frankreich auch gleich wieder vergessen: „Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich.“ Warum aber? Da muss doch wieder der Blutwahn als Erklärung herhalten:

Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der von den Juden getragenen Börse und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. […] Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes, wie der eisig kalten Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardisierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.

Und auch das faschistische Italien wird nicht nach seinem Nutzen als Bündnispartner beurteilt, sondern aus ideologischer Warte:

Der Kampf, den das faszistische Italien gegen die drei Hauptwaffen des Judentums, wenn auch vielleicht im tiefsten Grunde unbewußt (was ich persönlich nicht glaube) durchführt, ist das beste Anzeichen dafür, daß, wenn auch auf indirektem Wege, dieser überstaatlichen Macht die Giftzähne ausgebrochen werden. Das Verbot der freimaurerischen Geheimgesellschaften, die Verfolgung der übernationalen Presse, sowie der dauernde Abbruch des internationalen Marxismus und umgekehrt die stete Festigung der faszistischen Staatsauffassung werden im Laufe der Jahre die italienische Regierung immer mehr den Interessen des italienischen Volkes dienen lassen können, ohne Rücksicht auf das Gezische der jüdischen Welthydra.

Hitlers Bündnisstrategie endete bekanntlich in einer Katastrophe. Die Briten, auf deren Unterstützung oder zumindest Neutralität Hitler schon hoffte, weil es sich ja um „germanische“ Brüder handelte, wiesen alle Avancen ab. Von einer Clique adliger und industrieller Faschisten abgesehen, stieß Hitler im Vereinigten Königreich auf keinerlei Sympathie. Sein widerlicher Charakter, sein rücksichtsloses Verhalten und sein Rassenwahn schreckten auch Konservative ab. Sogar der Beschwichtigungspremier Neville Chamberlain bezeichnete Hitler nach einem Besuch treffend als den „ordinärsten kleinen Hund, den ich jemals gesehen habe“. Mit dem faschistischen Bruderstaat Italien kam zwar ein Bündnis zustande, doch entpuppte es sich im Krieg als militärisch nutzlos und sogar belastend. Dennoch hielt Hitler, seiner eigenen Theorie zuwider, aus ideologischer Sympathie am Duce Mussolini fest, der im Gegenzug den nationalsozialistischen Antisemitismus übernahm. So schaufelte sich Hitler politisch sein eigenes Grab. Darüber könnte man sich allerdings nur freuen, wenn Hitler nicht noch Millionen Unschuldige mit ins Grab gezerrt hätte.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Neuerscheinung: „Die Emanzipation des Fleisches und ihre Gegner. Literarischer Sensualismus zwischen Romantik und Vormärz“

Um das Jahr 1800 betritt eine Gruppe junger Autoren das literarische Feld, die später unter dem Namen Frühromantik in die Literaturgeschichte eingehen wird. Durch gezielte Provokationen erringen die Dichter und Kritiker die Aufmerksamkeit des Publikums, machen sich aber auch viele Feinde in den Reihen der Spätaufklärung. Gerade die Ideen zur Aufwertung der Sinnlichkeit und Weiblichkeit, wie sie besonders in Friedrich Schlegels Roman Lucinde zum Ausdruck kommen, sorgen für skandalöses Aufsehen und polemische Debatten. Wenige Jahre später ist vom frühromantischen Aufbruch nur noch wenig geblieben. Im Kampf gegen die Napoleonische Fremdherrschaft propagiert die gereifte romantische Bewegung Patriotismus und eine Rückkehr zum Christentum – erotische Dichtungen stehen nun im Verdacht, französische Unmoral zu verbreiten. Während die Autoren der romantischen Bewegung sich von ihrer eigenen Jugend distanzieren, nimmt der Dichter Heinrich Heine in den zwanziger und dreißiger Jahren die Idee des Sensualismus programmatisch wieder auf. Seinem Vorbild folgt eine Avantgarde um den jungen Schriftsteller Karl Gutzkow, die bald unter dem Namen Junges Deutschland bekannt wird. Gutzkows Roman Wally, die Zweiflerin, der aufs Neue die freie Liebe und die Emanzipation der Frau diskutiert, erregt einen Skandal wie einst Schlegels Lucinde. Die Jungdeutschen eignen sich frühromantische Ideen dabei nicht nur an, sie instrumentalisieren sie auch im literaturpolitischen Kampf gegen die Spätromantik. Und spätromantische Autoren wie Ludwig Tieck und Clemens Brentano sehen sich gezwungen, auf die Provokation durch die jungen Konkurrenten zu reagieren und sich dabei auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die 2015 an der TU Dresden als Dissertation angenommene Arbeit ist ein Beitrag zur Literaturgeschichte des Sensualismus wie auch zum komplexen Verhältnis von Romantik und Vormärz. Methodisch kombiniert die Arbeit Ansätze der Literatursoziologie Pierre Bourdieus mit einer zeitgemäßen Ideengeschichte.

Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag Thelem erhältlich.

Termine der Woche

Am Donnerstag (2. März) darf ich wieder einmal bei einer der schönsten Lesebühnen Berlins mitlesen, den Couchpoetos. Die Stammautoren sind Sarah Bosetti, Daniel Hoth, Karsten Lampe, Aidin Halimi, Jan von im Ich und Ingo Starr. Ich bin gespannt, denn die Couchpoetos haben jüngst einen neuen Ort für sich erobert, das Lovelite Berlin in Friedrichshain. Los geht es um 20:30 Uhr. Tickets kann man auch im Vorverkauf erwerben.

Am Montag (6. März) moderiere ich in Dresden auf Einladung der Sächsischen Akademie der Künste ein Gespräch der Diskussionsreihe „Jetzt! Zur Zeit“. Ich spreche mit der Publizistin Carolin Emcke und dem Dichter Durs Grünbein über die gegenwärtigen Erfolge der Rechtspopulisten, den Streit um kulturelle Identitäten und die Rolle der Intellektuellen in diesen Auseinandersetzungen. Das Gespräch beginnt um 18:30 Uhr, der Eintritt ist frei.