Gedanken zum Streik der Lokführer

Ist es nicht seltsam, wie gerade jene, die sonst immer den freien Wettbewerb preisen, nun anlässlich des Bahnstreiks aufgeregt fordern, es dürfe keinen Wettbewerb zwischen Gewerkschaften geben? Warum eigentlich? Weil ein solcher Wettbewerb ausnahmsweise mal einer um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen wäre, ein Wettlauf nach oben also und keiner nach unten. Die Gewerkschaft, die ihre Mitglieder besser vertritt, würde ihn gewinnen. Nicht nur die Lokführer, sondern alle Beschäftigten würden schließlich von einem solchen Sieg profitieren. Dass die Deutschen, diese unverbesserlichen Neidhammel und Untertanen, sich von der Bild-Zeitung willig vom Gegenteil überzeugen lassen – geschenkt. Aber dass selbst die SPD mit Hilfe eines Gesetzes noch die letzten aktionsfähigen Gewerkschaften entmachten will, ist ein neuer Tiefpunkt der Erbärmlichkeit in der an Tiefpunkten reichen Geschichte dieser Partei. Der letzte machtvolle Kämpfer für die Rechte der Arbeiter ist Sachse und CDU-Mitglied. Kann man die trostlose Lage der Linken in Deutschland treffender bezeichnen?

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Kommentare
  1. Hugo

    Danke für diese mediale Mitteilung, stehe ich also doch nicht alleine mit meinen Gedanken da. Ich finde es erschreckend, wie wenig sich mit den Streikenden solidarisiert wird. Prinzipiell können einem die Ziele des Streiks ziemlich gleich sein; dass er überhaupt stattfindet, ist doch der wichtige Punkt. Ich habe das Gefühl, einer großen Anzahl Mitbürgern ist der problemfreie Weg auf Arbeit wichtiger als dieses vor mehr als 100 Jahren erkämpfte Recht.

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  2. Johanna Ehrhardt

    Es fällt mir deutlich leichter, mit streikenden Kita-Erziehern zu sympathisieren, als mit Lokführern und Piloten. Da geht es auch um ein Stück Anerkennung und Menschenwürde. Große Worte und ein vages Gefühl der Ungerechtigkeit. Warum werden die vertreten, denen es arbeitstechnisch eh schon gut geht? Interessant wird es, wenn ich den Gedanken inhaltlich weiterspinne: Wären in Zeiten der Globalisierung nicht auch globale Gewerkschaften angebracht? International gegen Kinderarbeit, gefährlichen Bergbau, etc.? Ich gestehe, dass ich mich mit der Materie zu wenig auskenne. Übrig bleiben meist die Fragen.

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