Aus meiner Fanpost (9): Im Gespräch mit PEGIDA (3)

Vorbemerkung: In einer Kolumne in der Sächsischen Zeitung hatte ich über den Dalai Lama gescherzt, der gerade zu der Erkenntnis gelangt ist, er werde wohl nicht wiedergeboren und könne damit als Letzter seiner Art in die Geschichte eingehen – eine Abschaffung der Wiedergeburt, die ich noch absurder fand als die Lehre von der Wiedergeburt selbst.

Hallo Michael,
den buddhismus kann man so richtig schön lächerlich machen ,gelle? jetzt, wo man der EINEN wahren religion in den a…. kriechen muss, um schön im mainstream zu schwimmen und sie ja nicht kritisieren darf, wenn man nicht erschossen oder geköpft werden will, jetzt ist es in, jegliche verunglimpfung an anderen religionen lustig zu finden. was wäre geschehen ,wenn sie statt des buddhismus den islam als „absurden glauben“ bezeichnet hätten? würden sie niemals tun, gelle? so eine heuchelei, schämen sie sich! und überhaupt, ICH finde atheismus absurd, aber ich würde dies niemals öffentlich so schreiben, es ist einfach ungezogen, so wie viele ihrer beiträge in der wochenendbeilage.

Sehr geehrte Frau K*****,

danke für Ihre kritische Nachricht! Sie schreiben nicht genau, welchen Text Sie meinen, aber ich vermute, es geht um meine Kolumne über den Dalai Lama? Wenn Sie den Text genau lesen, werden Sie feststellen, dass ich nicht den Buddhismus überhaupt, sondern nur die Lehre der Wiedergeburt als absurd bezeichnet habe. Aber vielleicht ist auch das für Sie ein Ärgernis. Ich bin immer etwas ratlos, wenn ich so wütende Nachrichten wie jetzt von Ihnen bekomme. In so erregtem Ton schreiben mir immer nur religiöse Menschen, Tierschützer oder PEGIDA-Anhänger. Ich bin froh, dass wir in einem Land leben, in dem verschiedenste Auffassungen geäußert werden können und man sich auch Späße über Religionen erlauben darf. Über den Islam, der mir wesentlich unsympathischer als der Buddhismus ist, habe ich natürlich auch schon satirische Texte veröffentlicht. Warum wollen Sie selbst keinen Spaß über den Atheismus machen? Ich würde Sie dazu ermuntern. Wenn Sie aber Satire generell als „ungezogen“ und Grund zum „Schämen“ empfinden, dann offenbaren Sie meiner Ansicht nach einen Mangel an Humor, Toleranz und Gelassenheit, der dem Buddhismus wie auch dem Dalai Lama ganz fremd ist.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.

Hallo herr bittner,

so einfach isses nich. satire ist wunderbar und gerne dürfen sie über alles scherzen. einen glauben als „absurd“ zu bezeichnen, ist das lustig? humorvoll? hm, seh ich nicht. die lehre von der wiedergeburt ist nun mal das kernstück an religiosität im buddhismus, viele andere teilllehren handeln ja nurmehr von der selbstdisziplinierung, das hat dann nichts mit glauben zu tun. also ,sie haben schon das getroffen ,was den „glauben“ ausmacht. wenn sie genauso über den islam spotten, dann hätte ich doch gerne mal den link zu einem solchen artikel, bitte! das würde mich doch glatt wieder versöhnen mit ihrer schreibweise, vorrausgesetzt, sie tun sich auch da keinerlei zwang an.
zum schämen finde ich es nämlich, überall mit zweierlei maß zu messen, über die einen wird geschimpft, sie werden hinterfragt, mit spott bedacht usw., die anderen benennt man nicht, schaut weg ,entschuldigt ihr tun oder kehrt es unter den teppich usw.
danke, dass sie mir so rasch antworteten!
frohes schaffen weiterhin ;), Anja K*****

Sehr geehrte Frau K*****,

einen bestimmten Glaubenssatz als „absurd“ zu bezeichnen, mag nicht lustig sein, aber Satire und Humor sind auch nicht dasselbe. Satire muss durchaus nicht heiter, sondern kann auch böse und verletzend sein, das genau macht ihr Wesen aus. Satire, die niemandem weh tut, wäre gar keine. Wenn mir die Vorstellung absurd erscheint, ich könnte als Hornochse wiedergeboren werden, dann sehe ich keinen Grund, das nicht auch äußern zu dürfen. Genau so kann jeder Buddhist meinetwegen die Vorstellung absurd finden, das Universum sei durch einen Urknall entstanden oder Gott habe seinen Sohn zu einem Besuch auf die Erde geschickt. Das Messen mit zweierlei Maß finde ich genauso schlecht wie Sie.

Einen satirischen Beitrag von mir aus der taz, der sich (auch) mit Islamismus befasst, finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.

hallo herr Bittner,

ach, ne, ist das jetzt ein witz? sie wissen doch sicher, dass islamismus NICHTS, aber auch gar NICHTS mit dem islam zu tun hat. den IS zu kritisieren ist ja voll korrekt, ey.

also noch mal die frage: haben sie je den ISLAM so satirisch aufs korn genommen? wagen sie das? so vielleicht die 72 jungfrauen, die den dschihadisten erwarten, wenn er als märtyrer in den tod geht? die im übrigen als perfekte gebrauchsgegenstände “ Nicht-menstruierend / nicht-urinierend / nicht-stuhlend und ohne Kinder“ sind…..oder die polygamie der moslems? oder die verschleierung der frau? (gerade in den letzten sehr heißen tagen vielen mir im frankfurter raum die vielen jungen frauen auf, die brav neben einem sehr leicht bekleideten mann hertrotteten, selbst streng verhüllt, kein haar zu sehen, nicht arm noch bein. wenn sie zum gemäßigten islam gehörten, waren aber – welch glück- sandalen erlaubt und auch handschuhe musste nicht sein….

sind sie da doch mal „böse und verletztend“ und vor allem zeigen sie MUT!
freundliche grüße,
Anja K*****, Altenberg, Sachsen

Sehr geehrte Frau K*****,

nach Ihrer zweiten Mail hatte ich schon den Eindruck, Sie wären eine vernünftige Frau, mit der man über Meinungsverschiedenheiten diskutieren könnte. Ihr Rückfall in den PEGIDA-Modus belehrt mich nun leider doch eines Besseren.

Wie kommen Sie darauf, mir zu unterstellen, ich hätte mich noch nie über den Aberglauben, die Gewaltverherrlichung und die Frauenverachtung lustig gemacht, die im Islamismus florieren und deren Wurzeln natürlich auch im Islam selbst zu suchen sind? Aber ich vermute, Sie wären mit weiteren Belegen für das Gegenteil auch nicht zufrieden, weil ich Ihnen immer noch nicht unflätig und bösartig genug gegen „den Islam“ eiferte, der für Sie offenbar mit dem Islamismus identisch ist. Ich gestehe: Mit Tatjana Festerling kann ich es in dieser Hinsicht nicht aufnehmen, bei ihr sind Sie besser aufgehoben. Fällt es Ihnen eigentlich nicht auf, wie sich Ihre Stimme im Hass so verzerrt, als wären Sie selbst eine Gotteskriegerin? Wie Sie in Ihrem Hohn über verschleierte Frauen genauso frauenverachtend klingen wie ein Islamist?

Aber ich glaube, wir reden aneinander vorbei und alle weitere Diskussion ist zwecklos. Ich wünsche Ihnen den Mut, auch einmal Ihre eigenen Schwächen zu hinterfragen, damit Sie nicht für immer in einem so verbitterten Charakter gefangen bleiben müssen, der Ihren Blick genauso beschränkt wie eine vergitterte Burka.

Mit freundlichem Gruß, Michael Bittner.

Ach Herr Bittner, ich habe es schon befürchtet, wenngleich nicht erwartet. Sie haben ja Ihre drei Schubladen, in die unliebsame Kritiker schnell entsorgt werden. Das erspart die Auseinandersetzung.  Sich selbst auf die Schliche kommt man damit nicht. Und der Verbitterte (oder „Verbittnerte“) bin sicher nicht ich. Sie waren sicher nie „Charlie“ und bleiben halt ein mäßig begabter journalistischer Wadenbeißer.
Und damit genug der Unterhaltung. Anja K*****

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Kommentare
  1. Jana Schikora

    Vieen Dank Herr Bittner für Ihre erhellenden Beiträge, ich wurde letzten Montag mit der vollen Frauenverachtung eines stolzen und blonden Pegida-Anhängers beschenkt. O-Ton…er würde gern in die Bremer Straße eine Bombe schmeißen…Als ich ihn auf das Grundgesetz verwies…unsere Verfassung…die uns Meinungsfreiheit garantiert, aber auch Volksverhetzung benennt…war diese ihm „egal“….Ich bleibe wachsam…Mit herzlichen Grüßen

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