Alternative für Hipster

Die Alternative für Deutschland möchte stärkste Partei in Deutschland werden, um das herrschende System umzustürzen. Will sie dieses Ziel erreichen, muss die Botschaft der Partei natürlich in alle deutschen Landstriche getragen werden. So macht die Alternative für Deutschland vor der anstehenden Wahl in Berlin Werbung auch in Friedrichshain-Kreuzberg. Das scheint durchaus sinnvoll, bedenkt man, dass in diesem Stadtviertel ja ohnehin traditionell die Alternativen zuhause sind. So heißt es denn auch auf der örtlichen Facebook-Seite der AfD:

Eine echte Alternative für einen alternativen Bezirk.

Hier im Szenekiez zeigt die AfD auf ihren Plakaten nicht ihre zerknitterten Funktionäre, sondern attraktive junge Menschen, wie sie auch in Friedrichshain-Kreuzberg zuhause sein könnten. Doch sind neben den hübschen Visagen auch noch Statements abgedruckt, die bekunden, dass diese jungen Menschen zugleich besorgte Bürger sind. So sagt etwa ein junger Mann mit schafsmäßigem Hipsterbart:

Mein marokkanischer Dealer kriegt sein Leben komplett vom Staat finanziert. Irgendwas ist in Deutschland oberfaul und deshalb wähle ich die Alternative.

Sehen wir einmal davon ab, dass ein Dealer, der vollständig von Sozialhilfe abhängig ist, weil er seine Drogen offenbar verschenkt, nicht allzu häufig vorkommen wird. Von diesem kleinen Mangel an Realitätssinn abgesehen, kann man der AfD nicht viel vorwerfen. Immerhin kämpft sie wirklich um alle Wähler, sogar um solche, die dem Parteiprogramm der AfD zufolge als Kriminelle verfolgt werden sollen. Ob sie bei den Menschen aber auch Erfolg mit ihrem Werben haben wird? Die AfD spekuliert, dass es in Friedrichshain-Kreuzberg wohl viele Konsumenten von Marihuana geben mag. Dies dürfte zutreffen. Aber wollen diese Menschen deswegen von fremden Politikern auch gleich als Kiffer angesprochen werden? Es wohnen gewiss auch viele Bürger in Berlin, die dem Hobby der Masturbation zugetan sind. Würden sich diese Leute für eine Partei begeistern, die sie etwa folgendermaßen anspräche: „Liebe Wichser! Nervt euch beim Wedeln das langsame Internet? Dann wählt AfD, wir verlegen kostenlos Breitband für euch! P.S.: Was ihr treibt, ist allerdings weiterhin Sünde wider den Fortbestand des deutschen Volkes.“ Aber wer weiß, das Volk ist seltsam dieser Tage! Es wäre der AfD vielleicht sogar dankbar für solch offene Worte.

Die AfD wirbt in Berlin auch nicht nur um Kiffer, sondern überhaupt um alle Gruppen, mit denen sie andernorts fremdelt. So äußert auf einem anderen Plakat ein schwules Paar:

Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist.

Wahrscheinlich hat deswegen ein Abgeordneter der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer Weile schon einmal vorgeschlagen, alle Schwulen nach der Machtübernahme in Schutzhaft zu nehmen.

Auch die Frauen, bekanntermaßen ebenfalls eine Minderheit, wenigstens unter den Mitgliedern der AfD, werden umworben. Eine dralle Blondine erklärt:

Damit es auf dem nächten Karneval der Kulturen nicht wieder zu Übergriffen auf Frauen kommt, wähle ich diesmal die AfD. Das mit der Armlänge Abstand haut einfach nicht hin!

Ganz sicher nie wieder zu Übergriffen beim Karneval der Kulturen käme es natürlich, wenn man den Karneval der Kulturen abschaffte, der ja ohnehin nur den gescheiterten Multi-Kulti-Wahnsinn feiert, mit dem die AfD endgültig Schluss machen wird.

Wer aber irrigerweise annimmt, die AfD stehe Zuwanderern feindlich gegenüber, den belehrt ein viertes Plakat eines Besseren. Da sagt uns eine anscheinend türkischstämmige Frau, die in vorbildlicher Weise auf das Kopftuch verzichtet:

Ich möchte, dass mein Sohn richtig deutsch sprechen lernt, weil das die Voraussetzung ist, zu einem guten Beruf. Die AfD nimmt das Schulwesen ernst und deshalb wähle ich sie.

Offenbar, um auf die Migranten zuzugehen, hat die AfD in diese zwei Sätze gleich mehrere Sprachfehler eingebaut. Dies jedenfalls ist die einzig schlüssige Erklärung für die Fehler, wenn man nicht annehmen will, dass die Werbetexter der AfD selbst Probleme mit der deutschen Sprache haben.

Wer diese Plakate gesehen hat, der wird kaum noch daran zweifeln, dass kiffende Hipster, ängstliche Homosexuelle, zornige Frauen und türkische Muttis die AfD in Berlin zum Sieg tragen werden. Nur eine Gefahr droht: Sollten auch die Stammwähler der AfD, also frustrierte Frührentner, seelisch verkrüppelte Wirtschaftsprofessoren und Burschenschaftler mit chronischem Samenstau, Wind von dieser Kampagne kriegen, dann bleiben die vielleicht aus Ärger am Wahltag zuhause. Und die nationale Revolution fällt erst einmal aus.

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Kommentare
  1. Horst

    Die AfD will / wollte Schwule in Schutzhaft nehmen? Da hätte ich dann doch gerne mal eine Quelle.

    Ansonsten: Berliner mögen es doch gerne etwas kauzig im Kiez, da liegt die AfD nur im Trend mit ihrer Wahlwerbung. Zum Vergleich die Grünen:

    „Freilandhaltung auch für Großstadtmenschen“. Soll der Wähler da an Obdachlose und Wohnungsnot denken? Hoffentlich doch nicht an die Freilandgefängnisse der maoistischen Roten Khmer, die die gesamte Stadtbevölkerung aufs Land zum Reisanbau umgesiedelt hat. Viele Grüne Abgeordnete waren früher ja in K-Gruppen, da kommt ein echt ungutes Gefühl auf.

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    • Achim

      Was soll der brunzdumme Hinweis auf die Wahlplakate der Grünen? Man muss sich schon sehr anstrengen, um hierin die Androhung von Umerziehungslagern o.ä. zu sehen. Klar waren manche (unter den heute Aktiven dürften allerdings es nicht mehr viele sein) Grüne früher K-mäßig unterwegs, aber ich unterstelle ihnen mal, dass mit dem Wechsel zu den Grünen bei den meisten auch ein Sinneswandel im Spiel war.

      P.S. Komischer Editor. Ich sehe z.B. nicht, wenn ich Passagen markiere. Und wenn ich in eines der Headerfelder klicke, verschwindet die Beschriftung…

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      • Horst

        Tut mir leid das Sie Schwierigkeiten mit dem Editor und dem Sarkasmus hatten. Im nächsten Leben wird vermutlich alles besser.

        Aber mal aus Interesse: Woran denken Sie denn bei Freilandhaltung für Großstädter?

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  2. Deprifrei-Blog

    Ich habe den Eindruck,dass die AfD zweigleisig fährt. Im Parteiprogramm steht, dass sie für die Muslime offen stehe, aber andererseits den Islam ablehnt. Er wird als nicht reformierbar dargestellt. Anderseits besucht Meuthen die muslimische Ahmadiyya Gemeinde zum Austausch. Ich frage mich, wenn man etwas nicht für reformierbar hält, warum man dann Muslime besucht. Die Erklärung kann nur sein, dass sie dann behaupten können, dass sie nix gegen Muslime haben und den Dialog doch suchen. Auf mich wirkt dies nach Heuchelei.

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