Link zum Text (25): Sündenbock im Sachsenspiegel

Nicht weniger als 84 Prozent der Sachsen fürchten eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Eine Mehrheit der Sachsen hält die Gesellschaft für ungerecht. Eine Mehrheit ist auch der Meinung, wir lebten nicht in einer echten Demokratie, weil die Wirtschaft und nicht die Parlamente das Sagen hätten. Wie schaffen es die Rechten, aus dem Gefühl der Entfremdung eine Angst vor Überfremdung zu machen?

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Kommentare
  1. Pedroleum

    Danke für die interessanten Gedanken.

    Allerdings als interessanteres Beispiel für das Erstarken rechtspopulistischer Parteien trotz eines durchschnittlich hohen Lebensstandards empfinde ich die Schweiz und Österreich. Dort gab es im Gegensatz zu den ehemaligen Staaten/Gebieten des Ostblocks keine Abschottung, in der Schweiz eigentlich auch keine Krise, die mir bekannt ist (kenne mich da aber nicht sonderlich gut aus). Dennoch sind in diesen beiden Ländern rechtspopulistische Parteien seit einiger Zeit sehr stark. Erklärungsmuster, die auf Ostdeutschland gerne angewendet werden und auf die Vergangenheit unter der Herrschaft der Kommunisten und die anschließenden Transformationsprozesse verweisen, greifen hier jedoch nicht.

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    • Michael Bittner

      Ja, das ist richtig. Die von manchen Linken vertretene These „Sozialabbau führt zu Armut führt zu Neid und Angst führt zu Fremdenfeindlichkeit führt zu rechten Wahlerfolgen“ ist nicht ganz falsch, aber zu simpel. Das müsste man genauer untersuchen als in einer kleinen Kolumne wie meiner möglich. Autoritäre und rassistische Einstellungen sind auch nach historischer Erfahrung eher in den Mittelschichten als unter Arbeitern zu finden. Worauf ich hinauswollte, war eher Folgendes: Es gibt ein verbreitetes Unbehagen im Kapitalismus, das aber nicht zur linken Solidarisierung führt, sondern in rechte Kulturkämpfe umgeleitet wird. Hier tragen vielleicht auch die Linken selbst schuld, die eine eigene Identitätspolitik betrieben haben, also die Menschen nicht mehr als Bürger oder Arbeiter angesprochen haben, sondern gruppenweise als „black community“, „gay community“ etc. pp. Ich hoffe, in Zukunft noch näher über all dies nachdenken und schreiben zu können.

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