Link zum Text (45): Affige Grenzen

Vor einer Weile schaute ich mir im Fernsehen eine Dokumentation über das Leben japanischer Schneeaffen an. Diese Makaken sind bekannt dafür, im Winter im Gebirge ausgiebige Bäder in den vulkanisch beheizten warmen Quellen zu nehmen. Stundenlang räkeln sich die Affen genüsslich in dem heißen Wasser – aber nicht alle: Es sind die Mitglieder der ranghöheren Familien der Horde, denen das Bad vorbehalten ist. Während sie es sich gut gehen lassen, rieselt der Schnee auf die rangniederen Tiere, die rings um die warme Quelle auf den frostigen Felsen sitzen. Äffische Grenzschützer achten am Beckenrand darauf, dass nur die richtigen Tiere ins Wasser gelangen, unbefugte Affen werden von den Wächtern durch Gebrüll und Bisse verjagt. Ob den privilegierten Affen manchmal Bedenken kommen angesichts der Gewalt und der Ungerechtigkeit, für die sie verantwortlich sind?

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Kommentare
  1. Frans Bonhomme

    Wer allgemein die Abschaffung von Grenzen fordert, fordert die Schleifung des Sozialstaates, und damit die Abschaffung der Sozialen Gerechtigkeit.

    Ich zitiere mal Werner Patzelt:

    „Das Herz der SPD schlägt für eine postnationale, kosmopolitische Politik, die den wohlhabenden und kulturellen Eliten unseres Landes auch rundum einleuchtet. Der Sozialstaat, das Hauptinstrument einer auf soziale Gerechtigkeit ausgehenden Politik, funktioniert aber nur als territorialer Nationalstaat.“

    und weiter:

    „…dass gerade eine linke Migrationspolitik sich an den sozial Schwachen in Deutschland orientieren muss.“

    „Das aber heißt: Migration muss begrenzt, Migranten müssen rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden. Sobald sich das als Grundverständnis linker Migrations- und Integrationspolitik durchgesetzt haben sollte, könnte die SPD wieder stark und kanzlerfähig werden.“

    http://wjpatzelt.de/2017/11/23/was-soll-die-spd-jetzt-tun-und-warum/

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    • Michael Bittner

      Es ist rührend und komisch zugleich, wie die Rechten plötzlich ihr Herz für die Armen, ja gar für die soziale Gerechtigkeit entdecken (oder zumindest so tun müssen), um erfolgreich die einheimischen gegen die fremden Habenichtse ausspielen zu können. Und am Niedergang des Sozialstaates muss natürlich die Zuwanderung schuld haben, damit man über die entsolidarisierende Sparpolitik kein Wort verlieren muss.

      Eine Politik, die alle Grenzen sofort und für alle öffnen will, halte ich übrigens auch für illusorisch. Nicht minder illusorisch ist allerdings die Vorstellung, man könne Waren und Kapital weltweit frei wandern lassen, die Wanderungsbewegungen von Menschen, die aus der ökonomischen Ungleichheit entstehen, aber restlos blockieren.

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  2. Frans Bonhomme

    Welches Land wird denn aktuell von Deutschland gezwungen, Freihandel mit Deutschland zu seinem Schaden zu treiben? Handel treibt man, weil es für beide Seiten Vorteile hat, und weil es Wohlstand schafft. Und genau das wirkt Wanderungsbewegungen entgegen. Ich hege den Verdacht, dass Linke generell einer fundamentalen Missdeutung der Natur internationalem Handels erlegen sind.

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    • Michael Bittner

      Diese Position scheint mir doch etwas naiv. Meinen Sie, die armen Länder Afrikas hätten eine Position, in der sie wirklich faire Handelsverträge mit dem Westen durchsetzen könnten? Mal ganz abgesehen davon, dass in diesen Ländern zumeist korrupte Diktatoren an der Macht sind, die sich leicht von westlichem (oder neuerdings chinesischem) Geld beeinflussen lassen.

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      • Frans Bonhomme

        Genau, und dort muss man ansetzen. Diese Verträge müssen fair gestaltet werden. Das Problem mit den Diktatoren ist leider nicht so leicht zu lösen. Die militärischen Versuche scheinen es noch schlimmer gemacht zu haben (Irak, Libyen, …), zumal der Westen da ja dort humanitäre und geostrategische Interessen vermischt, oder vielleicht auch die humanitären Gründe zur Maskierung der geostrategischen Interessen nutzt, wenn Sie so wollen (schwer zu beweisen). In Syrien wurden ja auch externe Kämpfer gesponsert, wie man so hört, ohne das das groß diskutiert wird. Selbstverständlich haben wir da, speziell in Syrien, Verantwortung. Trotzdem muss dort Frieden her und die Menschen müssen dort leben können. Und das macht mich eigentlich wütend: man hat dort scheinbar 4 Jahre den IS gewähren lassen, in der Hoffnung, dass dieser erstmal Assad beseitigt, und dafür die Zivilbevölkerung geopfert. Deutschland macht zwar offiziell nicht mit, hält aber auch schön international die Klappe…..

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        • Michael Bittner

          Auch hier stimme ich ganz zu. Die Idee, man könne gewaltsam Regime auswechseln und Demokratien nach westlichem Vorbild am Reißbrett entwerfen, ist katastrophal gescheitert. Die – gewiss nicht immer befriedigende – Alternative wäre: finanzielle und ideelle Unterstützung von zumindest halbwegs demokratischen oder wenigstens stabilen und zivilisierten Regierungen, in letzterem Fall mit Einsatz für den Schutz demokratischer Opposition. Und eine Erweiterung der Entwicklungshilfe von bloßen Almosen zur echten Aufbauhilfe.

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  3. Frans Bonhomme

    Und um das mal klarzustellen: ich finde den derzeitigen „Migrationsdruck“ auf Deutschland ganz gut, weil so nämlich mal das Problem auf die Tagesordnung kommt und nicht bequem ignoriert werden kann. Aber gelöst werden muss es in den Ländern (bis auf Ausnahmen wie z.B. Klimawandel oder Krieg) wo die Wanderungsbewegungen entstehen. Diese Ländern brauchen eine funktionsfähige Wirtschaft bzw. meistens erstmal ein funktionierendes Government.

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    • Michael Bittner

      Ich stimme Ihnen zu. Besser wäre es, die Probleme, die zur Flucht führen, ließen sich vor Ort lösen. Aber das eine schließt das andere nicht aus: Es hat in der Geschichte der Menschheit stets Wanderungsbewegungen gegeben, von ärmeren oder kriegerisch verheerten Regionen in Gebiete des Wohlstands und Friedens. Ich empfehle einen Besuch im „Auswandererhaus“ in Bremerhaven, wo man Näheres über die 6 Millionen (!) Deutschen erfahren kann, die bis zum Ersten Weltkrieg ihre Heimat, größtenteils aus wirtschaftlichen Gründen, verließen und nach Amerika und Australien auswanderten.

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      • Frans Bonhomme

        Ich stimmen Ihnen auch zu, aber ich sehe aber eine faktische Obergrenze, und die liegt dort, wo hier (in D.) die Stabilität gefährdet wird, sei es durch Behördenversagen, sei es durch Zulauf für rechte Parteien. Keiner kennt diese Grenze genau, und sie lässt sich auch nur indirekt beeinflussen. Natürlich kann man z.B. Ausländerfeindlichkeit eindämmen usw., aber das geht nur zu einem gewissen Grad. Jedenfalls bin ich hier für einen sachlichen Dialog, und der wird auch geführt (es ist eben nur so das in den Zeiten von online Medien das alles auf den möglichst niedrigst möglichen Niveau abläuft).

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