Nachtigall an der Autobahn

Der Feldweg endet doch,
ich habe mich verhofft.
Der Himmel ist so offen blau,
er weiß nichts von der grauen Grenze,
vor der ich stehen bleiben muss.
Gitter, Zäune, Planken schützen
die Schneise, die von Deutschen auf Befehl
durchs Land geschlagen ward.

Auf dem Beton geben sie Gas,
die Insassen des Blechs,
und röhren wie die Hirsche überm Sofa.
Sie haben freie Fahrt als freie Bürger bis
zum nächsten Nadelöhr,
durch das sie nicht passen werden.
Da verendet manche Reise in der Tragödie
des Polizeiberichts: Durch diese Rettungsgasse
konnte keiner kommen.

Im Rennen gelten keine Bedenken.
Alle wollen überholen und rechts
sind die Wege so verlockend frei.
Ein jeder hofft, beim Tod des Nächsten
nur der Gaffer mit dem guten Bild zu sein.
In diesen Augen bin ich nun nicht mehr
als Randgestalt, wie das flüchtige Tier,
kaum eines Blickes wert.

Da hör ich dich, verborgen im Grün, doch
unverkennbar: Der wegen seines schönen Gesangs
jedem aus Literatur und Musik bekannte Vogel.
Hier aber, am Rand des ungestörten Lärms,
brüllst selbst du, zartester der Vögel,
wie ein Hausmeister im Rausch.
Du schreist die Kehle dir zur Wunde
vergebens. Du wirst das rasende Volk
zu keinem Lied bekehren.

Lass uns lieber beide schweigen.

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