Aus meiner Fanpost (24): Zensur in Deutschland

Betreff: Die rechten Versager – Feuilleton von Michael Bittner ( 24.02.2017 )

Wer sind eigentlich die wahren Versager?
Da werden Milliarden von deutschen Steuergeldern nach Griechenland gepumpt. In ein Agrar-Land, was nie in der Lage sein wird, auch nur Bruchteile der ,,Hilfen“ zurückzuzahlen. Ein Hohn für jeden normal denkenden Menschen!
Es wurden unkontrolliert ,,Flüchtlinge“ in Deutschland aufgenommen, welche neben zusätzlicher Kriminalität Krankheiten mitbrachten.
Die Betonung liegt auf UNKONTROLLIERT!
Sogenannte Rechte haben davor gewarnt!
Die Bundesregierung ist nicht in der Lage, abgelehnte Asylbewerber in einem verträglichen Zeitrahmen abzuschieben. Der Steuerzahler kommt für die Zeche auf!
Kritikern dieser verfehlten Politik soll die Parteienfinanzierung entzogen werden, da die etablierten Parteien um ihre Vormachtstellung fürchten.
Nun noch die Doppelzüngigkeit mit der Türkei.
Die Bundesregierung hält sich vornehm zurück, um den Flüchtlingsdeal nicht platzen zu lassen Die Bundestagswahl läst grüßen!
Alles im Namen der Demokratie!
Wer, Herr Bittner, stellt sich bzw. ist zu blöd?
Hätte ein Rechtsalternativer es gewagt, unsere Demograten als Faschisten zu betiteln, so wie Sie es mit der AfD tun, würde sich mit großer Sicherheit der Staasschutz eingeschaltet haben.

*.*. F*** (62), O***

 

Sehr geehrter Herr F***,

vielen Dank für Ihre kritische Nachricht! Ich beginne mal mit dem Schluss Ihres Briefes: „Hätte ein Rechtsalternativer es gewagt, unsere Demograten als Faschisten zu betiteln, so wie Sie es mit der AfD tun, würde sich mit großer Sicherheit der Staasschutz eingeschaltet haben.“ Sie machen Spaß, oder? Sie haben noch nie gehört, wie einer der Rechtsalternativen politische Gegner „Linksfaschisten“ genannt hat? Kommen Sie, das nehme ich Ihnen nicht ab.

Ansonsten beruht Ihre Mail auf einem Missverständnis. Sie haben politische Auffassungen zur europäischen Währungspolitik und zur Flüchtlingspolitik, die ich nicht teile. (Ihre Ansicht, dass die Türkei-Politik Deutschlands heuchlerisch ist, teile ich.) Aber ich halte Ihre politischen Auffassungen nicht für faschistisch und spreche Ihnen auch nicht das Recht ab, diese zu vertreten oder die AfD zu wählen.

Für faschistisch halte ich nicht Menschen, die von meiner Meinung abweichen. Ich halte vielmehr ein möglichst großes Meinungsspektrum für demokratisch. Für faschistisch halte ich Leute, die ihre politischen Gegner „bis aufs Messer bekämpfen“ (Alexander Gauland), das bestehende demokratische „System“ (Bernd Höcke) zerschlagen wollen und auf ein „neues 1933“ (Götz Kubitschek) hoffen.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner

 

Shr geehrter Herr Dr. Bittner,
danke für Ihre Antwort!
Ich habe nicht erwartet, das Sie argumentativ auf meine Zeilen eingehen!
Warum auch. Sie sind freier Autor und erschreiben sich mit Ihren Publikationen Ihren Lebensunterhalt.
Folglich werden Sie nicht riskieren, sich eine Zensur ( die es ja im demokratischen Deutschland nicht gibt ) oder Schlimmeres einzuhandeln!
Undemokratisch und meinungsfeindlich finde ich es auch, das meine Anmerkungen nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und veröffentlicht werden, Ihre jedoch schon!
Gleichzeitig zeigt mir diese Vorgehensweise, welche Angst man vor der Meinung des Volkes hat.
Um noch einmal auf die Asylpolitik und die Politik der EU, die momentanen Themen schlechthin, einzugehen, hier ein Zitat von
ERNST MORITZ ARNDT:
,, Ein Volk, das sich einem Fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und am Ende damit sich selbst“
Denken Sie darüber nach!
Mit freundlichen Grüßen

*. *. F***

 

Sehr geehrter Herr F***,

schade, dass Sie meine Argumente zwar gelesen haben, nun aber in keiner Weise auf meine Antwort eingehen. Hätten Sie es getan, hätte sich vielleicht ein Gespräch entwickeln können.

Da Sie Ernst Moritz Arndt zitieren, will ich das auch tun: „Verflucht aber sei die Humanität und der Kosmopolitismus, womit ihr prahlet! Jener allweltliche Judensinn, den ihr uns preist als den höchsten Gipfel menschlicher Bildung!“ Finden Sie an diesen Worten des tapferen Arndt auch Gefallen? Dann wären Sie zu bedauern.

Ihren Wunsch, in der Öffentlichkeit Gehör zu finden, erfülle ich gerne, indem ich Ihre Briefe (ohne Namensnennung) demnächst auf meiner Homepage im Netz veröffentliche.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner

Link zum Text (30): Die rechten Versager

Mit nichts Geringerem als einem „vollständigen Sieg“ dürfe sich die Alternative für Deutschland zufriedengeben, verkündete unlängst ihr Vorkämpfer Björn Höcke. Erst wenn die Partei die Alleinherrschaft errungen habe, sei ihr Ziel erreicht. Nun scheint zurzeit die absolute Mehrheit aber noch nicht zum Greifen nah, im Gegenteil, die Umfrageergebnisse werden immer trüber. Derweil feiern andere rechtsradikale Parteien in Europa Wahlerfolge. Sind die Deutschen etwa immun gegen die Verlockung? Nein, ich fürchte, die Rechtsalternativen stellen sich bloß zu blöd an. Gab’s denn nicht in Deutschland mal einen, der seine Partei tatsächlich zum vollständigen Sieg führte? Der hat sogar ein Buch geschrieben, in dem die neuen Rechten nachlesen könnten, wie es klappt. Sie sind wohl zu faul, aber ich helfe gerne.

WEITERLESEN BEI DER SÄCHSISCHEN ZEITUNG

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Selbst aus einem Buch wie Mein Kampf lässt sich lesend Trost schöpfen. In den Kapiteln, in denen Hitler seine außenpolitische Strategie verkündet, zeigen sich nämlich schon deutlich die Denkfehler, die später die Niederlage des Nationalsozialismus verursachten. Tröstlich ist daran die Erkenntnis: Rassistischer Wahn verblendet. Wer aber verblendet in die Welt blickt, sieht nicht klar und wird unweigerlich irgendwann falsch handeln. Solche Irrtümer aber geben den Feinden des Rassismus die Möglichkeit, die Rassisten zu besiegen.

Das Kapitel Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege beginnt in ungewöhnlich sachlichem Ton. Fast glaubt man, die Worte eines zwar nationalistischen, aber doch vernünftigen Politikers zu lesen, der sich überlegt, welche Bündnispartner geeignet wären, um Deutschland nach dem verlorenen Krieg wieder zu europäischer Geltung zu verhelfen. Hitler schlägt ein Bündnis mit England und Italien vor. England wolle vor allem seine „Welt-Hegemonie“ verteidigen, sei aber in Europa an einem Gleichgewicht interessiert, weshalb es nichts gegen eine Erholung Deutschlands einwenden werde. Vielmehr blickten die Engländer schon misstrauisch auf die Stärke der Franzosen. In Italien sieht Hitler vor allem wegen des Siegs der Faschisten einen geeigneten Bündnispartner. Hitlers Vorstellungen waren durchaus exzentrisch und stießen bei den deutschen Rechten auf Ablehnung. England war als ehemaliger Kriegsgegner verhasst, Italien als Dieb und Unterdrücker Südtirols. Doch um des erhofften Bündnisses willen forderte Hitler den Verzicht auf Kolonien, um England nicht zu provozieren, und den Verzicht auf die Deutschen in Südtirol, um Italien nicht zu verärgern. Dieser merkwürdige Mangel an Folgerichtigkeit bei einem Mann, der sonst stets das gemeinsame Blut zur Hauptsache erklärte, belegt schon früh, dass Hitler keine Bedenken hatte, für seine Pläne auch Deutsche zu opfern.

Hitler gibt sich anfangs Mühe, wie ein abgebrühter Machtmensch zu klingen. Nicht Überzeugungen oder Neigungen seien für die Außenpolitik entscheidend, allein auf den Nutzen komme es an, verkündet der Machiavelli aus Braunau:

Völkerschicksale werden fest aneinandergeschmiedet nur durch die Aussicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer Erwerbungen, Eroberungen, kurz einer beiderseitigen Machterweiterung.

Die Voraussetzung zur Aneinanderkettung von Völkerschicksalen liegt niemals in einer gegenseitigen Hochachtung oder gar Zuneigung begründet, sondern in der Voraussicht einer Zweckmäßigkeit für beide Kontrahenten.

Selbst Partner hören für Hitler nicht auf, „Kontrahenten“ zu sein, denn alle Politik ist ihm ja nichts als Kampf ums Dasein. Sogar „verwandtschaftliche Verhältnisse unter den Völkern“ vermögen es angeblich in keiner Weise, „Rivalitäten auszuschalten“. Eine erstaunliche These im Buch eines Mannes, der sonst eigentlich alles aus Rassenverhältnissen ableitete.

Es dauert jedoch nur ein paar Seiten, bis beim Schriftsteller Hitler wieder alle Sicherungen durchbrennen. Wie immer ist es „der Jude“, der den Führer außer Rand und Band bringt. Alle Rechten, die seine Pläne zum Bündnis mit England und Italien ablehnen, erklärt er zu Opfern jüdischer Propaganda oder Nutznießern jüdischer Bestechung. Dass nur Erwägungen der gegenwärtigen Zweckmäßigkeit die Bündnispolitik bestimmen sollen, ist beim Erbfeind Frankreich auch gleich wieder vergessen: „Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich.“ Warum aber? Da muss doch wieder der Blutwahn als Erklärung herhalten:

Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der von den Juden getragenen Börse und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. […] Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes, wie der eisig kalten Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardisierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.

Und auch das faschistische Italien wird nicht nach seinem Nutzen als Bündnispartner beurteilt, sondern aus ideologischer Warte:

Der Kampf, den das faszistische Italien gegen die drei Hauptwaffen des Judentums, wenn auch vielleicht im tiefsten Grunde unbewußt (was ich persönlich nicht glaube) durchführt, ist das beste Anzeichen dafür, daß, wenn auch auf indirektem Wege, dieser überstaatlichen Macht die Giftzähne ausgebrochen werden. Das Verbot der freimaurerischen Geheimgesellschaften, die Verfolgung der übernationalen Presse, sowie der dauernde Abbruch des internationalen Marxismus und umgekehrt die stete Festigung der faszistischen Staatsauffassung werden im Laufe der Jahre die italienische Regierung immer mehr den Interessen des italienischen Volkes dienen lassen können, ohne Rücksicht auf das Gezische der jüdischen Welthydra.

Hitlers Bündnisstrategie endete bekanntlich in einer Katastrophe. Die Briten, auf deren Unterstützung oder zumindest Neutralität Hitler schon hoffte, weil es sich ja um „germanische“ Brüder handelte, wiesen alle Avancen ab. Von einer Clique adliger und industrieller Faschisten abgesehen, stieß Hitler im Vereinigten Königreich auf keinerlei Sympathie. Sein widerlicher Charakter, sein rücksichtsloses Verhalten und sein Rassenwahn schreckten auch Konservative ab. Sogar der Beschwichtigungspremier Neville Chamberlain bezeichnete Hitler nach einem Besuch treffend als den „ordinärsten kleinen Hund, den ich jemals gesehen habe“. Mit dem faschistischen Bruderstaat Italien kam zwar ein Bündnis zustande, doch entpuppte es sich im Krieg als militärisch nutzlos und sogar belastend. Dennoch hielt Hitler, seiner eigenen Theorie zuwider, aus ideologischer Sympathie am Duce Mussolini fest, der im Gegenzug den nationalsozialistischen Antisemitismus übernahm. So schaufelte sich Hitler politisch sein eigenes Grab. Darüber könnte man sich allerdings nur freuen, wenn Hitler nicht noch Millionen Unschuldige mit ins Grab gezerrt hätte.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Mein Kampf mit Mein Kampf (29): Notwehr als Recht

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Neuerscheinung: „Die Emanzipation des Fleisches und ihre Gegner. Literarischer Sensualismus zwischen Romantik und Vormärz“

Um das Jahr 1800 betritt eine Gruppe junger Autoren das literarische Feld, die später unter dem Namen Frühromantik in die Literaturgeschichte eingehen wird. Durch gezielte Provokationen erringen die Dichter und Kritiker die Aufmerksamkeit des Publikums, machen sich aber auch viele Feinde in den Reihen der Spätaufklärung. Gerade die Ideen zur Aufwertung der Sinnlichkeit und Weiblichkeit, wie sie besonders in Friedrich Schlegels Roman Lucinde zum Ausdruck kommen, sorgen für skandalöses Aufsehen und polemische Debatten. Wenige Jahre später ist vom frühromantischen Aufbruch nur noch wenig geblieben. Im Kampf gegen die Napoleonische Fremdherrschaft propagiert die gereifte romantische Bewegung Patriotismus und eine Rückkehr zum Christentum – erotische Dichtungen stehen nun im Verdacht, französische Unmoral zu verbreiten. Während die Autoren der romantischen Bewegung sich von ihrer eigenen Jugend distanzieren, nimmt der Dichter Heinrich Heine in den zwanziger und dreißiger Jahren die Idee des Sensualismus programmatisch wieder auf. Seinem Vorbild folgt eine Avantgarde um den jungen Schriftsteller Karl Gutzkow, die bald unter dem Namen Junges Deutschland bekannt wird. Gutzkows Roman Wally, die Zweiflerin, der aufs Neue die freie Liebe und die Emanzipation der Frau diskutiert, erregt einen Skandal wie einst Schlegels Lucinde. Die Jungdeutschen eignen sich frühromantische Ideen dabei nicht nur an, sie instrumentalisieren sie auch im literaturpolitischen Kampf gegen die Spätromantik. Und spätromantische Autoren wie Ludwig Tieck und Clemens Brentano sehen sich gezwungen, auf die Provokation durch die jungen Konkurrenten zu reagieren und sich dabei auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die 2015 an der TU Dresden als Dissertation angenommene Arbeit ist ein Beitrag zur Literaturgeschichte des Sensualismus wie auch zum komplexen Verhältnis von Romantik und Vormärz. Methodisch kombiniert die Arbeit Ansätze der Literatursoziologie Pierre Bourdieus mit einer zeitgemäßen Ideengeschichte.

Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag Thelem erhältlich.

Termine der Woche

Am Donnerstag (2. März) darf ich wieder einmal bei einer der schönsten Lesebühnen Berlins mitlesen, den Couchpoetos. Die Stammautoren sind Sarah Bosetti, Daniel Hoth, Karsten Lampe, Aidin Halimi, Jan von im Ich und Ingo Starr. Ich bin gespannt, denn die Couchpoetos haben jüngst einen neuen Ort für sich erobert, das Lovelite Berlin in Friedrichshain. Los geht es um 20:30 Uhr. Tickets kann man auch im Vorverkauf erwerben.

Am Montag (6. März) moderiere ich in Dresden auf Einladung der Sächsischen Akademie der Künste ein Gespräch der Diskussionsreihe „Jetzt! Zur Zeit“. Ich spreche mit der Publizistin Carolin Emcke und dem Dichter Durs Grünbein über die gegenwärtigen Erfolge der Rechtspopulisten, den Streit um kulturelle Identitäten und die Rolle der Intellektuellen in diesen Auseinandersetzungen. Das Gespräch beginnt um 18:30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Aus meiner Fanpost (23): Auf den Scheiterhaufen

Herr Zeitungsschmierer,
anscheinend haben Sie vergessen, wie schnell ein übermächtiges, radikales Regime durch des volkes Willen davongejagt wurde, friedlich und ohne Hetze! Was wollen Sie mit Ihrem Hass auf die AfD erreichen. Denken Sie daran, Sie befinden sich in Sachsen und nicht in NRW, wo der Multikultiwahn und die Lüge von der Integration erfunden wurden. Türkische Deutschhasser in der 3. Generation in Deutschland geboren und in allen Großstädten der alten Bundesländern muslimische Parallelgesellschaften. Dagegen kämpft die AfD und Pegida sowieso. Wir sind gekommen um zu bleiben und wir bleiben um zu siegen. Und Sie werden auf dem Scheiterhaufen der Geschichte verschwinden.
Viel Spaß beim Hassen und beim Hetzen.

Manfred S***, per E-Mail

Zitat des Monats Februar

Sehr geehrter Herr „Schriftsteller“
Sie gehören wegen Beleidigung, Volksverhetzung und der Verwendung von Parolen grundgesetzfeindlicher Systeme endlich vor Gericht gestellt und weggespererrt , wenigstens 5 Jahre !
Ich hoffe auf baldige Realisierung

Manfred S***, per E-Mail

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI…

Mit dieser historisch extravaganten These machte Erika Steinbach auf sich aufmerksam, als sie noch Politikerin der CDU war. In rechtsradikalen Kreisen ist die These inzwischen modisch geworden, belegt meist mit einem Zitat des jungen Dr. Goebbels, der einmal davon sprach, die NSDAP verkörpere „die deutsche Linke“ gegen die rechten Besitzbürger. Man muss schon arg verblendet sein, um die Haltlosigkeit dieser Argumentation nicht zu durchschauen. Wäre jeder, der sich „sozialistisch“ nennt, auch tatsächlich Sozialist, müsste man wohl auch die DDR für demokratisch halten, da sie sich ja selbst „demokratisch“ nannte. Und wer, um sich die Linksthese einreden zu können, dem abgefeimtesten Lügner der deutschen Geschichte aufs Wort glaubt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Die NSDAP als linke Partei – das ist nichts als der plumpe Versuch der Rechten, die Verantwortung für ihre Diktatur durch eine Geschichtsfälschung auf den politischen Gegner abzuwälzen.

Unzweifelhaft wahr ist es allerdings, dass sich die NSDAP um die Stimmen der Arbeiter bemühte, indem sie nicht nur gegen den „Marxismus“, sondern auch gegen den „Kapitalismus“ agitierte. Wie der italienische Faschismus beanspruchte auch der deutsche Nationalsozialismus, einen dritten Weg zwischen den beiden Erzübeln zu weisen. Und es finden sich unter den Anhängern und Wählern der NSDAP auch tatsächlich Arbeiter, wiewohl die organisierte Arbeiterschaft und die Masse der gläubigen Katholiken jene beiden Gruppen waren, bei denen die Nazis die geringsten Erfolge hatten. Die NSDAP wurde zur ersten deutschen Volkspartei, indem sie autoritär und nationalistisch eingestellte Menschen aller Klassen ansprach. Vor allem aber versammelte sie Angehörige des Mittelstandes, die sich vor den Proleten fürchteten und die Juden beneideten.

Es ist aber einzuräumen: Es gab in der NSDAP anfangs auch einen Flügel um die Gebrüder Strasser, der tatsächlich sozialistische Ziele wie die Sozialisierung von Großbetrieben und Banken verfolgte. Dieser Flügel aber wurde von Hitler noch vor der Machtergreifung gespalten und entmachtet. Den Rebellen Joseph Goebbels etwa machte sich Hitler durch persönliche Gunstbeweise gefügig. Als Otto Strasser enttäuscht mit dem Schlachtruf „Die Sozialisten verlassen die NSDAP!“ aus der Partei austrat, folgte ihm kaum jemand. Offenbar gab es die Sozialisten in der Partei gar nicht, nach denen er rief. Hitler jedenfalls lag nichts ferner als eine Umwälzung von Vermögens- und Produktionsverhältnissen. Wenn er von „Sozialismus“ sprach, meinte er nichts weiter als den sozialen Zusammenhalt des Volkes, also eigentlich den Nationalismus. Der konservative Publizist Joachim Fest resümierte in seiner Hitler-Biografie: „Das linke Etikett trug diese Ideologie vor allem aus machttaktischen Erwägungen.“

Das Kapitel Die Gewerkschaftsfrage zeigt Hitlers ökonomische Einstellungen – oder besser: Es belegt seine ängstliche Scheu, über ökonomische Fragen auch nur zu sprechen. In keinem anderen Kapitel des Buches zeigt sich der Autor Hitler so vorsichtig, unsicher und widerspruchsvoll. Der parteiinterne Streit um die Frage, ob es eine eigene nationalsozialistische Gewerkschaft geben sollte, war für Hitler äußerst unangenehm. Der Klassenkampf war seiner Ansicht nach ja nur eine Erfindung der jüdischen Marxisten, um die Völker zu spalten:

Nicht die Gewerkschaft ist „klassenkämpferisch“, sondern der Marxismus hat aus ihr ein Instrument für seinen Klassenkampf gemacht. Er schuf die wirtschaftliche Waffe, die der internationale Weltjude anwendet zur Zertrümmerung der wirtschaftlichen Basis der freien, unabhängigen Nationalstaaten, zur Vernichtung ihrer nationalen Industrie und ihres nationalen Handels und damit endlich zur Versklavung freier Völker im Dienste des überstaatlichen Weltfinanz-Judentums.

Die Möglichkeit einer nicht-marxistischen, nationalsozialistischen Gewerkschaft schloss er nicht aus:

Die nationalsozialistische Gewerkschaft hat demgegenüber durch die organisatorische Zusammenfassung bestimmter Gruppen von Teilnehmern am nationalen Wirtschaftsprozeß die Sicherheit der nationalen Wirtschaft selbst zu erhöhen und deren Kraft zu stärken durch korrigierende Beseitigung all jener Mißstände, die in ihren letzten Folgeerscheinungen auf den nationalen Volkskörper destruktiv einwirken, die lebendige Kraft der Volksgemeinschaft, damit aber auch die des Staates schädigen und nicht zuletzt der Wirtschaft selbst zum Unheil und Verderben geraten.

„Bestimmte Gruppen“, „jene Mißstände“ – kann man sich klarer ausdrücken? Der Leser spürt förmlich das Unbehagen des Führers, sich mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen zu müssen. Die Ökonomie war Hitler wurscht, ihn interessierte einzig die militärische Schlagkraft des deutschen Volkes im Daseinskampf. Dummerweise zeigte sich im parteiinternen Streit um Notwendigkeit und Aufgabe einer braunen Gewerkschaft, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit auch die NSDAP durchzog. Hitler wusste, dass eine Entscheidung der Frage die Partei entzweien konnte. Denn es gab eben auch mittelständische Mitglieder und industrielle Sponsoren der NSDAP, die von Gewerkschaften generell gar nichts hielten. Darum vermied er in höchst untypischer Weise ein Machtwort, das Kapitel endet halbherzig: Die Idee einer nationalsozialistischen Gewerkschaft sei zwar an sich nicht übel, doch fehle es im Moment noch an geeigneten Leuten und Erfolgsaussichten, darum lasse man die Sache besser erst einmal bleiben.

Wie kam Hitler mit solchen Halbheiten durch? Er appellierte an die urdeutsche Sehnsucht nach Harmonie, nach dem glücklichen Aufgehen des Teils im Ganzen:

Der nationalsozialistische Arbeitnehmer muß wissen, daß die Blüte der nationalen Wirtschaft sein eigenes materielles Glück bedeutet.
Der nationalsozialistische Arbeitgeber muß wissen, daß das Glück und die Zufriedenheit seiner Arbeitnehmer die Voraussetzung für die Existenz und Entwicklung seiner eigenen wirtschaftlichen Größe ist.
Nationalsozialistische Arbeitnehmer und nationalsozialistische Arbeitgeber sind beide Beauftragte und Sachwalter der gesamten Volksgemeinschaft.

„Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“, die sich zusammenraufen, um gemeinsam den nationalen Wohlstand zu mehren? Hier nahm Hitler schon die Ideologie der sozialen Marktwirtschaft der BRD vorweg. Doch folgte bei ihm auf den Ruf nach Versöhnung im Inneren immer sogleich der aggressive Schlachtruf nach draußen. Die völkische Einheit sollte nur die Kraft verleihen für den Angriff auf den fremden Feind: Rassenkampf statt Klassenkampf.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Mein Kampf mit Mein Kampf (29): Notwehr als Recht

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

„Menschenmaterial“ war eines der Lieblingsworte Adolf Hitlers. Er hatte das Wort nicht erfunden, es war in seiner Zeit gebräuchlich, dennoch bezeichnet es seine eigentümliche Denkweise ziemlich gut. Menschen waren für ihn im Allgemeinen keine Individuen, sondern Dinge – Werkzeuge oder Waffen, die es zweckmäßig zu gebrauchen, oder Hindernisse, die es zu beseitigen galt. Die Menschheit war nur der Stoff, in dem er seine Wahnideen verwirklichen wollte. Wenn moralisches Verhalten darin besteht, Menschen nie bloß als Mittel, sondern immer auch als Zweck zu behandeln, dann war Hitlers Denken im Kern bösartig. Das Wort „Menschenmaterial“ ist aus der Mode gekommen, wahrscheinlich, weil inzwischen eine akademische Jury jährlich Unwörter verurteilt, auf dass die Sprache nicht ganz so hässlich aussehe wie die Wirklichkeit. Allenfalls lassen sich heutzutage noch „humane Ressourcen“ vernutzen.

Hitler plante den effizienten Gebrauch seiner humanen Ressourcen auf dem Weg zur totalen Herrschaft wie folgt:

Jede Bewegung wird das von ihr gewonnene Menschenmaterial zunächst in zwei große Gruppen zu sichten haben: in Anhänger und Mitglieder. […]
Anhänger einer Bewegung ist, wer sich mit ihren Zielen einverstanden erklärt, Mitglied ist, wer für sie kämpft. […]
Die Erkenntnis in ihrer passiven Form entspricht der Majorität der Menschheit, die träge und feige ist. Die Mitgliedschaft bedingt aktivistische Gesinnung und entspricht damit nur der Minorität der Menschen.
Die Propaganda wird demgemäß unermüdlich dafür zu sorgen haben, daß eine Idee Anhänger gewinnt, während die Organisation schärfstens darauf bedacht sein muß, aus der Anhängerschaft selbst nur das wertvollste zum Mitglied zu machen.

Hitler entwarf hier (vielleicht mit halbbewussten Anleihen bei Lenin) das Konzept einer kleinen, schlagkräftigen und radikalen Kaderpartei, die zwar um die Zustimmung der Massen kämpft, nicht aber um massenhaften Zulauf. (Als die NSDAP, besonders nach 1933, dann doch zur Massenpartei anschwoll, wurden zeitweilige Aufnahmestopps verhängt. Und Hitler sorgte dafür, dass immer neue Eliten innerhalb der Eliten gegründet wurden, so besonders die SS.) Die Reinheit der Lehre wie die Totalität seiner Führung wollte Hitler nie durch Zugeständnisse und Kompromisse gefährden.

Höchste Aufgabe der Organisation ist es daher, dafür zu sorgen, daß nicht irgendwelche innere Uneinigkeiten innerhalb der Mitgliedschaft der Bewegung zu einer Spaltung und damit zur Schwächung der Arbeit in der Bewegung führen; weiter daß der Geist des entschlossenen Angriffs nicht ausstirbt, sondern sich dauernd erneuert und festigt.

Um die Einheit nicht zu gefährden, würgte Hitler auch alle Programmdiskussionen ab und erklärt die 25 Punkte des schmalen Gründungsprogramms für unabänderlich. Es überrascht nicht, dass Hitler auch kein Freund der innerparteilichen Demokratie war, denn Debatten fördern Meinungsunterschiede zutage und Abstimmungen zerlegen die Mitgliederschaft in Fraktionen.

Jedenfalls muß aber eine Bewegung, die den parlamentarischen Wahnsinn bekämpfen will, selbst von ihm frei sein.

Die NSDAP sollte für sich schon im Kleinen das Dritte Reich verkörpern, um nach der Machtergreifung sogleich an die Stelle des bestehenden Systems treten zu können. Hitlers Taktik war bekanntlich erfolgreich, deshalb verwundert es nicht, wenn sie auch heute noch Nachahmer findet. Die erfolgreichen rechtsradikalen Parteien Europas verzichten auf ein allzu konkretes Programm und sind in undemokratischer Weise auf eine einzige Führungsfigur zugeschnitten. Die Niederländische Partij voor de Vrijheid besteht sogar buchstäblich nur aus einem Mitglied, nämlich Geert Wilders. Die deutschen Rechtsradikalen haben seit dem Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenig erreicht, weil sie immer wieder von ihren Kaninchenzüchtervereinsinstinkten behindert werden. Sie wollen alles sauber und ordentlich regeln, sie wollen ein ausführliches Programm schreiben, sie wollen diskutieren und abstimmen. Hitler bekäme auf einem der chaotischen Parteitage der Alternative für Deutschland einen seiner gefürchteten Wutanfälle. Gäbe es die inneren Querelen bei der AfD nicht, hätte ein charismatischer Mann die unumschränkte Führung übernommen, die Partei wäre längst mächtiger.

Hitler war in seinen ideologischen Grundüberzeugungen starr, im Taktischen aber ein geschickter Opportunist. Er hatte deswegen auch keine Probleme damit, sich die Arbeit von Fachleuten zunutze zu machen, selbst wenn diese keine überzeugten Parteigänger waren.

Wer für sein Volk wirklich Wertvolles schafft, bekundet damit eine ebenso wertvolle Gesinnung, während ein anderer, der bloß Gesinnung heuchelt, ohne in Wirklichkeit seinem Volke nützliche Dienste zu verrichten, ein Schädling jeder wirklichen Gesinnung ist.

Hitler erregte sich auch darüber, wie „beleidigend und unnationalsozialistisch“ es sei, „wenn Menschen, die eine Sache nicht verstehen, den wirklichen Fachleuten ununterbrochen dreinreden“. Totalitäres und technokratisches Denken gehen durchaus gut zusammen. Dies gilt auch heute noch. Gerne geben sich die gegenwärtigen Wutbürger der Illusion hin, es existierten einfache Lösungen für alle Probleme, nur das überflüssige Streitgeschwätz der demokratischen Politiker verhindere deren sachgemäße Durchführung.

Geschickt sandte Hitler mit seinem Lob der Facharbeit eine Botschaft an die Deutschen: Auch wenn ihr jetzt noch nicht meine Anhänger seid, müsst ihr keine Angst vor meiner Machtergreifung haben. Wer danach brav weiter seine Aufgabe erledigt und seine Pflicht erfüllt, der hat von mir nichts zu befürchten. Hitler wusste, dass er sein Ziel, die Ausrottung der Juden, auch mit einer relativ kleinen Zahl von fanatischen Anhängern würde verwirklichen können, wenn nur die Masse still und gehorsam weiterarbeitete:

Wenn die Propaganda ein ganzes Volk mit einer Idee erfüllt hat, kann die Organisation mit einer Handvoll Menschen die Konsequenzen ziehen.

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Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Mein Kampf mit Mein Kampf (29): Notwehr als Recht

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Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Der rote Sündenbulle

Der Fußball ist eine kleine Welt geworden, in der sich die große Welt spiegelt. Im Laufe weniger Generationen wurde wie der Rest der Welt auch der Fußball durch den Kapitalismus auf den Kopf gestellt. Einst war der Spieler eines Vereins angestammter Sohn seiner Stadt. Mit rußschwarzem Gesicht radelte er nach der Schicht zum Training, jeden Samstag vertrat er für fünfzig Mark Prämie seine Heimat auf dem Rasen. Aus Amateuren, die ein Leben lang für einen Verein kickten, sind über die Jahre hochbezahlte Profis geworden, die bedenkenlos den Arbeitgeber wechseln, wenn ihnen woanders bessere Bezahlung winkt. Früher waren Spieler Leibeigene, die losgekauft werden mussten, heute sind sie freischaffende Fachkräfte, die wechseln dürfen, wohin sie wollen. Die Globalisierung erlaubt es ihnen, sogar in Japan oder Katar anzuheuern. Aus den Vereinen sind derweil Firmen geworden, die sich am Profit orientieren. Aus Spiel wurde Ernst. Und der Fußball vom Zweck zum Mittel, um Geld zu verdienen. Ein wenig seltsam ist es, dass Menschen sich immer noch als Fans dieser Fußballfirmen verstehen, obwohl sie ja längst eher deren Kunden sind. Aber es soll ja auch Fans von Apple und Opel geben.

Nicht alles an dieser Entwicklung war schlecht: Die Stadien wurden sauberer und friedlicher, weil man auch Familien als Zuschauer anlocken wollte. Und da selbst kleine Vereine ausländische Spieler einstellten, wurde auch der Rassismus zurückgedrängt. Schimpansen, die schwarze Spieler mit Affenlauten beleidigen, hört man im Stadion heute seltener als früher. Doch mit dem Kapitalismus hielt auch die Klassengesellschaft Einzug. Nicht nur sind die Spieler heute Großverdiener, die mit ihren Fans kaum noch etwas gemein haben. Auch das Publikum zerfällt in eine Oberklasse, die in der VIP-Lounge Champagner schlürft, eine Mittelschicht auf den Sitzplätzen und das Fußballproletariat in der Stehkurve. Ganz wie im Rest der Gesellschaft darf der kleine Mann noch zahlen und klatschen, allenfalls auch einmal Buh rufen, zu entscheiden hat er nichts.

Solche Ungleichheit weckt Neid und Zorn. In den Fans rumort das unbestimmte Gefühl, verarscht zu werden. Aber ganz wie im echten Leben solidarisieren sich die einfachen Leute nicht miteinander. Sie könnten durch gemeinsame Zuschauerstreiks gegen Kommerzialisierung und Korruption protestieren. Stattdessen lassen sie sich gegeneinander aufhetzen. Keinen anderen Zweck verfolgt ja auch die laufende Hasskampagne gegen RB Leipzig. Der Leipziger Verein mit Brausesponsor ist der rote Sündenbulle, auf den die anderen stellvertretend ihre eigene Schuld laden. Alle Vereine sind längst kommerzielle Unternehmen, aber allein dem Leipziger Klub wird vorgehalten, er sei nur ein Retortenprodukt und noch dazu aus dem Ausland finanziert. Da kocht die deutsche Volksseele.

Es waren passenderweise die Chefs der Aktiengesellschaft Borussia Dortmund, die bei der Heuchelei am lautesten brüllten. Erst nachdem ihre Hetze vorm Stadion zur Gewalt führte, traten sie mit scheinheiliger Zerknirschung vor die Kamera. Die Ähnlichkeiten zur politischen Wutbürgermalaise dieser Tage sind erstaunlich. Im Stadion hasst man den mit der falschen Trikotfarbe, auf der Straße den mit der falschen Hautfarbe. Zuerst fliegen Beschimpfungen, dann fliegen Flaschen und Fäuste. Es würde mich nicht wundern, wenn dieselben Leute, die RB Leipzig durch einen abgeschlagenen Bullenkopf bedrohten, auch Schweinsköpfe vor Moscheen werfen.

Hoffen wir, dass sich dieser Fußballkampf doch noch friedlich beilegen lässt. Sonst muss der Bürgerkrieg zwischen Rothemden und Gelbhemden vielleicht wie in Thailand durchs Militär beendet werden.

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Eine kürzere Fassung dieses Textes erschien zuerst als Kolumne der Reihe Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung. Ein Dresdner Leser reagierte mit den nachdenklichen Worten: „Wenn man vom Fußball keine Ahnung hat,einfach mal die fresse halten“.