Buchtipp: Last Exit Babyklappe

Die Autoren der Lesebühnewelt haben sich aufs Neue zusammengetan, um in einer Anthologie beim liebenswerten und unabhängigen Satryr Verlag von Volker Surmann ein Thema in komischer Kurzprosa zu behandeln. Wie der Titel “Last Exit Babyklappe” schon verrät, gehts diesmal um die Frage des Nachwuchses. Herausgegeben wurde das Buch von Björn Högsdal und Johanna Wack. Ich habe eine kleine Geschichte namens Einen Kopf kürzer beigesteuert. Außerdem findet man Texte von Christian Bartel, Daniela Böhle, Hazel Brugger, Kirsten Fuchs, Jakob Hein, André Herrmann, Björn Högsdal, Jess Jochimsen, Marc-Uwe Kling, Achim Leufker, Mieze Medusa, Jacinta Nandi, Anselm Neft, Jochen Reinecke, Matthias Reuter, Christian Ritter, Patrick Salmen, Sabrina Schauer, Dagmar Schönleber, Xóchil A. Schütz, Jörg Schwedler, Sebastian 23, Andy Strauß, Lea Streisand, Volker Surmann, Udo Tiffert, Johanna Wack, Ralph Weibel, Michael-André Werner, Heiko Werning, Torsten Wolff und Liefka Würdemann.

Das Buch hat 192 Seiten und kostet 12,90 Euro. Man kann es beim monopolistischen Moloch Amazon bestellen, über den Vertrieb des Verlags oder im Buchladen um die Ecke.

Auf geweihtem Boden

Wenn man über das Gelände der Filmstudios in Babelsberg läuft und gerade keine Dreharbeiten im Gange sind, dann fühlt man sich auf angenehme Weise an ein Großkombinat der Deutschen Demokratischen Republik erinnert. Auf den schmalen Straßen kreisen nur ein paar Lieferwagen. In einer der riesigen Hallen nageln drei Tischler Holzlatten zusammen, die irgendwann die Kulisse für den nächsten Film ergeben sollen. Im Atelier der Kunstmaler trägt man Farbeimer von A nach B und von B nach A. Auch im Kostüm- und Requisitenfundus herrscht keine Hektik: In aller Ruhe kann man bestaunen, wie geduldig da dutzende Nazi-Uniformen, dutzende Stasi-Uniformen, dutzende Kronleuchter und Einbauschränke, Schaufensterpuppen und Kuckucksuhren auf ihren nächsten Einsatz warten.

Frau Müller, die uns herumführt, erzählt: Als Quentin Tarantino zu den Dreharbeiten von Inglourious Basterds erschien und erstmals jene heilige Halle betrat, in der so viele legendäre UFA-Klassiker produziert wurden, da fiel er auf die Knie und küsste den Boden wie ein Papst im heiligen Land. Eine Szene, die wahrlich würdig gewesen wäre, selbst für die Ewigkeit auf Film festgehalten zu werden.

Freunden des Films sei empfohlen: Man kann eine Tour durch die Studios buchen.

Termine der Woche

Am Donnerstag (09. Mai) lese ich wieder neue Texte mit der Dresdner Lesebühne Sax Royal in der scheune. Mit dabei sind die Kollegen Roman Israel, Max Rademann, Stefan Seyfarth und als besonderer Gast André Herrmann von der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz aus Leipzig. Los gehts um 20 Uhr.

Am Freitag (10. Mai) lese ich wieder bei der Görlitzer Lesebühne Grubenhund. Mit dabei sind noch der Stammautor Udo Tiffert und gleich zwei Gäste: Ahne von der Reformbühne Heim & Welt aus Berlin sowie der Leipziger Liedermacher Jörn Hühnerbein! Der Ort des Geschehens ist das Kino Camillo, los gehts um 20 Uhr.

Zitat des Monats April

Die erste subjektive Bedingung alles echten Philosophierens ist – Philosophie im alten Sokratischen Sinne des Worts: Wissenschaftsliebe, uneigennütziges, reines Interesse an Erkenntnis und Wahrheit: man könnte es logischen Enthusiasmus nennen; der wesentlichste Bestandteil des philosophischen Genies. Nicht was sie meinen, unterscheidet den Philosophen, und den Sophisten: sondern wie sie’s meinen. Jeder Denker, für den Wissenschaft und Wahrheit keinen unbedingten Wert haben, der ihre Gesetze seinen Wünschen nachsetzt, sie zu seinen Zwecken eigennützig mißbraucht, ist ein Sophist; mögen diese Wünsche und Zwecke so erhaben sein, und so gut scheinen, als sie wollen.

Friedrich Schlegel

Termine der Woche

Am Donnerstag (11. April) lese ich wieder mit der Dresdner Lesebühne Sax Royal in der scheune. Neue Geschichten und Gedichte gibt es von den Kollegen Stefan Seyfarth, Roman Israel, Julius FischerMax Rademann und von mir. Max hat zudem als besondere Zugabe noch die Weltpremiere eines brandneuen Songs versprochen! Los geht es um 2o Uhr.

Am Freitag (12. April) geht es dann wieder nach Görlitz, wo ich mit den Kollegen Udo Tiffert und Max Rademann wieder als Lesebühne Grubenhund im Kino Camillo gastiere. Wie stets haben wir uns auch noch einen Gast eingeladen: Es ist diesmal der junge Autor Tobi Krone aus Jena. Los gehts es um 20 Uhr.

Büchner und das liebe Geld

2013 jährt sich der Geburtstag des Dichters, Naturwissenschaftlers und Sozialrevolutionärs Georg Büchner zum zweihundertsten Mal. Ein solches Jubeljahr bietet für Verlage stets auch die gute Gelegenheit, passende Bücher auf den Markt zu werfen, um von der medialen Aufmerksamkeit zu profitieren. So erscheint vom Autor Jan-Christoph Hauschild, der vor genau zwanzig Jahren eine wissenschaftlich fundierte, aber nicht unumstrittete Biografie Büchners veröffentlichte, ein neues Buch: Georg Büchner. Verschwörung für die Gleichheit. Sieht man genauer hin, stellt man nun aber leider fest, was auch im Anhang kleinlaut zugegeben wird: Es handelt sich gar nicht um eine neue Arbeit, nicht einmal um eine gründlich überarbeitete Fassung der alten Biografie, sondern bloß um eine gekürzte Version ohne Anmerkungen und Quellennachweise. Um das Buch nicht zu dick werden zu lassen, hat der Autor kurzerhand auch die Kapitel über Kindheit und Jugend Büchners weggelassen. Damit die Sache trotzdem rund aussieht, beginnt das Buch mit einem Kapitel über die Krankheit, die Büchner im Alter von dreiundzwanzig Jahren dahinraffte. Die ersten Seiten schildern auf höchst poetische Weise das Wetter in der Schweiz im Jahr 1836. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass Jan-Christoph Hauschild dem Protagonisten seiner Biografie mehrfach vorwirft, er habe Bücher nur des Geldes wegen geschrieben. Hauschild beklagt an einer Stelle, Büchner habe für sein Debütwerk, das Drama Danton’s Tod, umgerechnet nur „kümmerliche 1660 Euro“ erhalten. Wir wünschen dem Biografen, dass seine ökonomische Spekulation lohnender sein möge. Für den Leser lohnend ist sie aus genannten Gründen kaum.

Jan-Christoph Hauschild: Georg Büchner. Verschwörung für die Gleichheit. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2013. 352 Seiten. 22,99 €.

Zitat des Monats März

„Gutmüthig und tückisch“ – ein solches Nebeneinander, widersinnig in Bezug auf jedes andere Volk, rechtfertigt sich leider zu oft in Deutschland: man lebe nur eine Zeit lang unter Schwaben!

 (Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse, 8/244)

Messetagebuch

Mein Tagebuch der Leipziger Buchmesse ist diesmal ein Tagbuch, denn nur einen Tag, eigentlich nur einige Stunden, weilte ich vor Ort. Kurz nach Mittag bestiegen die Autoren der Lesebühne Sax Royal am Sonntag den Kleinbus des Künstlers Frank Z., der auch ein Virtuose der Fahrkunst ist. Eine kleine Rast an der Autobahnraststätte frischte uns und unsere Getränkevorräte auf. Schneller als gedacht erreichten wir das Messegelände. Unser Verleger schleuste uns durch den Hintereingang in die Messehalle 5 – wo sich auch die inzwischen als Oase der (relativen) Ruhe bekannte Leseinsel der jungen Verlage befindet. Bevor ich mit den Kollegen daselbst las, stromerte ich noch eine Weile durch die Gänge. Gedrängel und Lärm sind mir freilich nicht lieb. Und ist man weder zwecks Geschäftemacherei noch Bücherklau da, ist so ein Besuch auf der Messe eigentlich herzlich langweilig. Die womöglich einzige Art, auf der Buchmesse Spaß zu haben, ist es, Verleger an ihren Ständen mit dem Satz „Guten Tag, ich schreibe auch!“ zu erschrecken. Schön war es, dass sich zu unserer Lesung allerlei Zuhörer sammelten, denen unsere Texte auch ganz wohl behagten. Noch ein Fläschchen Astra aus den verborgenen Vorräten unseres Verlages Voland & Quist – und wir machten uns mit dem Taxi auf den Weg in die Stadt. Freund und Kollege André Herrmann hatte uns die Gaststätte Stadt Borna zur Einkehr empfohlen, war dabei aber nicht eingedenk, dass besagter Gasthof die Eigenheit hat, am Sonntag um 15 Uhr zu schließen. So latschten wir Beladenen zum Hipsterlokal Hotel Seeblick. Es war überfüllt, wie in Messetagen ja „das bessere Berlin“ an der Pleiße überhaupt etwas überfordert scheint. Der sonst ganz angenehme Ort wurde durch die Liveübertragung eines Fußballspiels zur akustischen Hölle. Rezitationen von Rilke-Gedichten, wie sie sonst in unserem Kreis Usus sind, mussten diesmal also unterbleiben. Nach Verzehr von einiger Nahrung bewegten wir uns in das UT Connewitz, das Verrottung und Charme auf einmalige Weise miteinander vereinigt. Wir kletterten in die Loge und betrachteten von dort aus, wie sich der Saal beinahe restlos füllte. Eine gewisse Müdigkeit machte sich bei allen bemerkbar. Doch kaum auf der Bühne empfing uns eine Wärme des Wohlwollens, die uns sogleich auftaute. Es ward ein ausgesprochen schöner Abend. Unser Verleger brachte sogar einige von den wenigen verbliebenen Restexemplaren unseres Buches Eine Lesebühne rechnet ab an die Frau und den Mann. Alle Anwesenden entschuldigten sich als übermüdet („vier Tage Messe, ich kann nicht mehr …“) oder stellten sich als spaßbremsend („ich muss das Fasten durchziehen“, „ich kann doch morgen nicht besoffen in den Kindergarten“) heraus. Also beschloss auch ich, noch in selbiger Nacht mit dem letzten Zug nach Berlin zurückzukehren. Meine Hoffnung auf eine letzte S-Bahn wurde enttäuscht und kostete mich arg viel Geld. Dafür erlebte ich Berliner Taxifahrerlieblichkeit der echtesten Sorte: „Wennse sich jetz noch anschnallen, kömmer ooch ma losfahrn!“ Leipzig, du verlotterte Schönheit, im nächsten Jahr gerne wieder!

Termine der Woche

Eine ereignisreiche Woche steht bevor: Da wäre zunächst die Dresdner Lesebühne Sax Royal am Donnerstag (14. März) in der scheune. Da lese ich ab 20 Uhr neue Texte gemeinsam mit den Kollegen Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth sowie dem Julius Fischer ersetzenden Stargast Ehud Roffe (Israel).

Wie stets am Tag drauf, also am Freitag (15. März), trägt Max Rademann und mich eine Regionalbahn ins schöne Görlitz, wo wir gemeinsam mit Udo Tiffert im Kino Camillo als Lesebühne Grubenhund auftreten. Die Dresdnerin Morné Mirastelle wird als Gastautorin mit uns reisen und lesen. Los gehts um 20 Uhr.

Und dann ist da ja auch noch die Leipziger Buchmesse! Die Lesebühne Sax Royal gastiert aus diesem Anlass mal wieder in der Schwesterstadt, in der ja inzwischen auch zwei der Royalisten wohnen – genauso viele, wie noch in Dresden ausharren. Also: Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth präsentieren am Sonntag (17. März) ab 21 Uhr im UT Connewitz eine Auswahl ihrer besten Geschichten, Gedichte und Lieder aus dem letzten Jahr.