Termine der Woche

Am Donnerstag (8. Dezember) präsentiert unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal ein brandneues Programm in der Scheune. Während im Rest der Stadt Dresden die besinnungslose Besinnlichkeit ausbricht, hemmungslos gestriezelt und totgeköchelter Glühwein vertilgt wird, bleiben wir gewohnt heiter, kritisch und bissig. Unsere Gäste dürfen sich wie stets auf amüsante Geschichten aus dem Alltag der Künstler und auf satirische Attacken auf den Zeitgeist freuen. Aber auch Gedichte und Lieder sind zu erwarten. Mit dabei sind mit mir wie immer Julius Fischer, der lustige Liedermacher aus Leipzig, Roman Israel, der Romanautor und Weltenbummler und Stefan Seyfarth, der Dresdner Rap-Poet und Lyriker. Außerdem begrüßen wir diesmal noch einen besonderen Gast: den Autor, Songwriter und Kabarettisten Tilman Birr aus Berlin. Los geht es um 20 Uhr. Karten gibt es bis Mittwoch im Vorverkauf oder am Donnerstag ab 19:30 Uhr am Einlass.

Am Freitag (9. Dezember) lese ich sodann wieder bei der Lesebühne Grubenhund in Görlitz. Mit dabei sind Stammautor Udo Tiffert und gleich zwei weibliche Gäste: die Liedermacherin Konstanze Niemz aus Hoyerswerda und die Dresdner Schriftstellerin Sabine Dreßler. Karten gibt es an der Abendkasse ab 19 Uhr, los geht es um 19:30 Uhr.

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Die „breite Masse“, „Pöbel“ und „Pack“ – Hitler hielt, wie man in Mein Kampf immer wieder lesen kann, vom deutschen Volk gar nicht besonders viel. Im Kapitel Der Staat erkennt man auch, warum das so war. Hitler hielt auch viele Deutsche für minderwertige Kreaturen, weil sie Produkte einer fatalen „Blutsvermischung“ seien:

Unser deutsches Volkstum beruht leider nicht mehr auf einem einheitlichen rassischen Kern. Der Prozeß der Verschmelzung der verschiedenen Urbestandteile ist auch noch nicht so weit fortgeschritten, daß man von einer dadurch neugebildeten Rasse sprechen könnte. Im Gegenteil: die blutsmäßigen Vergiftungen, die unseren Volkskörper, besonders seit dem Dreißigjährigen Kriege trafen, führten nicht nur zu einer Zersetzung unseres Blutes, sondern auch zu einer solchen unserer Seele.

Schuld an dieser Verseuchung war nach Hitler eine verfehlte Einwanderungs- und Integrationspolitik:

Die offenen Grenzen unseres Vaterlandes, das Anlehnen an ungermanische Fremdkörper längs dieser Grenzgebiete, vor allem aber der starke laufende Zufluß fremden Blutes ins Innere des Reiches selbst, läßt infolge seiner dauernden Erneuerung keine Zeit übrig für eine absolute Verschmelzung. Es wird keine neue Rasse mehr herausgekocht, sondern die Rassenbestandteile bleiben nebeneinander, mit dem Ergebnis, daß besonders in kritischen Augenblicken, in denen sich sonst eine Herde zu sammeln pflegt, das deutsche Volk nach allen Windrichtungen auseinanderläuft.

Das Volk als Viehherde, in der alle Tiere in die Richtung trotten, die ein Leithammel vorgibt – das war das Volksideal Hitlers. Für die Voraussetzung gleichen Denkens und Handelns aber hielt er gleichartiges Blut. Konsequenterweise stand er einer Einbürgerung von Zuwanderern daher eher skeptisch gegenüber:

Es ist aber ein kaum faßlicher Denkfehler, zu glauben, daß, sagen wir, aus einem Neger oder einem Chinesen ein Germane wird, weil er Deutsch lernt und bereit ist, künftighin die deutsche Sprache zu sprechen und etwa einer deutschen politischen Partei seine Stimme zu geben. Daß jede solche Germanisation in Wirklichkeit eine Entgermanisation ist, wurde unserer bürgerlichen nationalen Welt niemals klar.

Eine Vermischung der Völker und Rassen ergebe allenfalls einen „Einheitsbrei“, „wie er den Idioten von Weltverbesserern unserer Tage ja als Ideal vorschwebt“. Ich bin mir nicht sicher, ob Hitler sich in unserer Zeit in der Flüchtlingshilfe engagiert hätte.

Hitler setzte seine Hoffnungen auf „große unvermischt gebliebene Bestände an nordisch-germanischen Menschen“ innerhalb des deutschen Volkes:

Das Deutsche Reich soll als Staat alle Deutschen umschließen mit der Aufgabe, aus diesem Volke die wertvollsten Bestände an rassischen Urelementen nicht nur zu sammeln und zu erhalten, sondern langsam und sicher zur beherrschenden Stellung emporzuführen.

In der Hierarchie der Werte stand die Rasse für Hitler über dem Volk wie über dem Staat. Nur reinrassige Arier waren für ihn vollwertige Mitglieder des Volkes. Und der Staat war für ihn „kein Zweck, sondern ein Mittel“, insbesondere der Rassenpolitik. Der Staat war Werkzeug zur Züchtung des Ariers und „Waffe“ im weltweiten Kampf der Rassen ums Dasein.

Weil Hitler der Staat als politisches Gemeinwesen im Grunde gleichgültig war, steht im Kapitel Der Staat auch kaum ein Satz über politische Institutionen, Verfassung, Recht oder Verwaltung. Das alles interessierte Hitler nicht. Ausführlich hingegen äußert er sich zur Erziehung der Jugend. Die langen Ausführungen laufen letztlich auf ein Plädoyer für die Dummheit hinaus. Das Turnen wird zum wichtigsten Schulfach erklärt. Neben der körperlichen Ertüchtigung soll die Erziehung die „Förderung des Nationalstolzes“ im Auge haben, außerdem zu Opfersinn und Gehorsam leiten. Die Vermittlung von Wissen steht an letzter Stelle als notwendiges Übel, das sich nicht ganz vermeiden lässt, aber mit äußerster Vorsicht zu handhaben ist.

Das Lob der Dummheit und die Schmähung der Gebildeten sind zwei der wirkungsvollsten Waffen des Demagogen. Denn es gibt in jeder Gesellschaft viele Menschen, die nicht besonders helle sind, und noch mehr, die glauben, sie verdienten auf Grund ihrer Begabung eigentlich jene Spitzenpositionen, die tatsächlich aber andere innehaben. Ein erfolgreicher Demagoge muss in der Lage sein, diese Unzufriedenen als „kleine Leute“ anzusprechen und gegen die Elite auszuspielen:

Unsere geistigen Schichten sind besonders in Deutschland so in sich abgeschlossen und verkalkt, daß ihnen die lebendige Verbindung nach unten fehlt. […] Sie sind zu lange schon aus diesem Zusammenhang herausgerissen, als daß sie noch das nötige psychologische Verständnis für das Volk besitzen könnten. Sie sind volksfremd geworden.

Wie jede erfolgreiche Ideologie ist auch diese nicht einfach eine Lüge, sondern eine Halbwahrheit. Eine Entfremdung zwischen Gebildeten und Ungebildeten, zwischen Regierenden und Regierten existiert ja tatsächlich. Durchaus attraktiv konnte auf kleine Leute daher das später allerdings kaum eingelöste Versprechen Hitlers wirken, der „völkische Staat“ habe

nicht die Aufgabe, einer bestehenden Gesellschaftsklasse den maßgebenden Einfluß zu wahren, sondern die Aufgabe, aus der Summe aller Volksgenossen die fähigsten Köpfe herauszuholen und zu Amt und Würden zu bringen.

Dieses vermeintlich egalitäre Versprechen erweist sich jedoch als radikal antiegalitär. Denn der versprochenen Gleichbehandlung der Volksgenossen entspricht die Ungleichbehandlung der Menschen, ja die Abschaffung des Begriffs der Menschheit.

Von Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt, daß da oder dort zum erstenmal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist. Während das blödselige Bürgertum eine solche Wunderdressur staunend zur Kenntnis nimmt, voll von Respekt für dieses fabelhafte Resultat heutiger Erziehungskunst, versteht der Jude sehr schlau, daraus einen neuen Beweis für die Richtigkeit seiner den Völkern einzutrichternden Theorie von der Gleichheit der Menschen zu konstruieren. Es dämmert dieser verkommenen bürgerlichen Welt nicht auf, daß es sich hier wahrhaftig um eine Sünde an jeder Vernunft handelt; daß es ein verbrecherischer Wahnwitz ist, einen geborenen Halbaffen so lange zu dressieren, bis man glaubt, aus ihm einen Advokaten gemacht zu haben, während Millionen Angehörige der höchsten Kulturrasse in vollkommen unwürdigen Stellungen verbleiben müssen; daß es eine Versündigung am Willen des ewigen Schöpfers ist, wenn man Hunderttausende und Hunderttausende seiner begabtesten Wesen im heutigen proletarischen Sumpf verkommen läßt, während man Hottentotten und Zulukaffern zu geistigen Berufen hinaufdressiert.

Ist es nicht wirklich ein Skandal, dass gebildete Schwarze Positionen besetzen, die doch naturgemäß dummen Weißen zustünden? Wirklich, ich glaube, ein so erfrischend politisch inkorrekter Fürsprecher der „white working class“ wie Adolf Hitler könnte auch heutzutage wieder Massen begeistern.

***

Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Mein Kampf mit Mein Kampf (29): Notwehr als Recht

***

Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Termine der Woche

Am Freitag (2. Dezember) feiert Stadtluft Dresden seine Premiere, eine Mischung aus Buch und Magazin mit ungewöhnlichen Geschichten aus und über Dresden. Macher sind der Journalist Peter Ufer, der Fotograf Amac Garbe und der Grafiker Thomas Walther. Zur Präsentation der ersten Ausgabe lese ich mit Durs Grünbein und Peter Ufer um 15 Uhr in der Motorradmanufaktur Hookie (Großenhainer Straße 137).

Am Montag (5. Dezember) gibt es brandneue Geschichten, Lieder und fortschrittliche Komik bei unserer Lesebühne Zentralkomitee Deluxe in Berlin. Ort des Geschehens ist die schicke Fahimi Bar in Kreuzberg. Mit mir lesen und singen Tilman Birr, Noah Klaus, Piet Weber, Christian Ritter sowie der wunderbare Gast Moses Wolff von der Lesebühne Schwabinger Schaumschläger aus München. Los geht es um 20 Uhr.

Zitat des Monats November

Hallo Herr Bittner, mit Freuden habe ich gelesen, dass Sie Dresden verlassen. Hoffentlich machen Sie Ihren Vorsatz auch wahr und es bleibt nicht nur bei einem leeren Versprechen. Wäre schrecklich, wenn wir Sie hier noch länger ertragen müssten!

S. Fritsche

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Die Fans, die den neu gewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit dem Ruf „Hail Victory!“ begrüßten, mögen eine Minderheit unter seinen Anhängern sein. Dass aber ein Kandidat mit einem zumindest faschistoiden Wahlkampf in einer der ältesten Demokratien der Welt überhaupt siegen kann, stimmt doch nachdenklich. Die alte Weisheit, nach der immer möglich bleibt, was einmal wirklich war, ist heute so wahr wie früher. Darum scheint es mir auch nicht unnütz, mich jetzt in den zweiten Teil meines Leseabenteuers zu stürzen, indem ich den zweiten Band von Mein Kampf aufschlage. Das erste Kapitel mit dem Titel Weltanschauung und Partei ist kurz, aber macht doch bereits klar: Die Chance, dass dieses Buch noch gut ausgeht, ist eher gering.

Wie sehr Hitler den Marxismus verabscheut, haben wir im ersten Band des Buches schon zur Genüge erfahren. Aber was hält Hitler eigentlich von Karl Marx selbst? Im ersten Band behauptet Hitler einmal, er habe Das Kapital intensiv studiert und dabei durchschaut – eine Stelle, bei der auch der ernsteste Leser schmunzeln muss. Nun lesen wir:

Karl Marx war wirklich nur der eine unter den Millionen, der aus dem Sumpfe einer langsam verkommenden Welt mit dem sicheren Blick des Propheten die wesentlichen Giftstoffe erkannte, herausgriff, um sie nun, einem Schwarzkünstler gleich, in eine konzentrierte Lösung zu bringen zur schnelleren Vernichtung des unabhängigen Daseins freier Nationen dieser Erde. Dieses alles im Dienste seiner Rasse.
Seine marxistische Lehre ist der kurzgefaßte geistige Extrakt der heute allgemein gültigen Weltanschauung. Schon aus diesem Grunde ist auch jeder Kampf unserer sogenannten bürgerlichen Welt gegen sie unmöglich, ja lächerlich, da auch diese bürgerliche Welt im wesentlichen von all diesen Giftstoffen durchsetzt ist, und einer Weltanschauung huldigt, die sich von der marxistischen im allgemeinen nur mehr durch Grade und Personen unterscheidet. Die bürgerliche Welt ist marxistisch, glaubt aber an die Möglichkeit der Herrschaft bestimmter Menschengruppen (Bürgertum), während der Marxismus selbst die Welt planmäßig in die Hand des Judentums überzuführen trachtet.

Es gibt Schurken, die in ihrer Bosheit doch immerhin abgründig und faszinierend sind. Hitler zählt nicht dazu. Seine Bösartigkeit ist stumpf und langweilig. Deswegen überrascht es nicht, dass auch seine Worte zu Karl Marx enttäuschen. Der Gegner kommt weder als Person noch als Denker in den Blick. Marx ist jüdisch, damit ist klar: Er ist überhaupt kein Individuum, sondern nur ein weiteres Exemplar des Typus „der Jude“. Da Marxismus und Judentum für Hitler identisch sind, kommt er noch zu der bemerkenswerten Feststellung, Marx habe bereits den Marxismus gelehrt. Der alte Marx selbst sah das etwas anders: „Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin“, soll er nach dem Zeugnis von Friedrich Engels gesagt haben.

All die braven deutschen Bürger, die sich mit Hitler anfreundeten, weil er versprach, sie gegen den Bolschewismus zu verteidigen, hätte Mein Kampf auch schon eines Besseren belehren können. Die bürgerliche, liberale Demokratie war für Hitler ebenfalls marxistisch, also verjudet. Er verheimlichte auch keine Sekunde, dass er die Demokratie nur als Mittel zur Machtergreifung benutzen, dann aber umgehend zerstören wollte. Wie alle Faschisten verband er dieses Bekenntnis mit der Heuchelei, es handle sich um bloße Selbstverteidigung gegen den Feind. Wie alle Faschisten stellte er die Wahrheit auf den Kopf und unterstellte den marxistischen Juden und verjudeten Marxisten jene Pläne zur „Welteroberung“, die er selbst verfolgte:

In einer Zeit aber, in welcher die eine Seite, ausgerüstet mit allen Waffen einer, wenn auch tausendmal verbrecherischen Weltanschauung zum Sturm gegen eine bestehende Ordnung antritt, kann die andere ewig nur Widerstand leisten, wenn sich dieser selber in die Formen eines neuen, in unserem Falle politischen Glaubens kleidet und die Parole einer schwächlichen und feigen Verteidigung mit dem Schlachtruf mutigen und brutalen Angriffs vertauscht.

Als Hitler einige Jahre später wirklich angriff, tat er dies bekanntlich mit den Worten, von nun an werde zurückgeschossen.

Welche Bedeutung Hitler dem „politischen Glauben“ beimaß, tritt in diesem Kapitel besonders deutlich hervor. Unverhohlen erhebt er die katholische Kirche zum Modell für die Organisation der NSDAP. Die Mitglieder sollen mit „bedingungslosem Glauben“ für die „Parteidogmen“ kämpfen, in denen sich die „höchste Wahrhaftigkeit“ ausdrücke. Um dem „politischen Glaubensbekenntnis“ zum Sieg zu verhelfen, brauche es freilich noch einen ganz besonderen, auserwählten Mann, der hervortritt,

um mit apodiktischer Kraft aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf aufzunehmen für ihre alleinige Richtigkeit, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.

Keine Frage, Hitler hielt sich nicht nur für den Messias, sondern auch für den Papst des Nationalsozialismus. Vielleicht verordnete er sich deswegen selbst ein Zölibat, das er erst aufgab, als es für seine Mission keinerlei Hoffnung mehr gab.

***

Mein Kampf mit Mein Kampf (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (2): Im Elternhaus

Mein Kampf mit Mein Kampf (3): Wiener Lehr- und Leidensjahre (1)

Mein Kampf mit Mein Kampf (4): Wiener Lehr- und Leidensjahre (2)

Mein Kampf mit Mein Kampf (5): Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner Wiener Zeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (6): München

Mein Kampf mit Mein Kampf (7): Der Weltkrieg

Mein Kampf mit Mein Kampf (8): Kriegspropaganda

Mein Kampf mit Mein Kampf (9): Die Revolution

Mein Kampf mit Mein Kampf (10): Beginn meiner politischen Tätigkeit

Mein Kampf mit Mein Kampf (11): Die Deutsche Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (12): Ursachen des Zusammenbruches

Mein Kampf mit Mein Kampf (13): Volk und Rasse

Mein Kampf mit Mein Kampf (14): Die erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

Mein Kampf mit Mein Kampf (15): Weltanschauung und Partei

Mein Kampf mit Mein Kampf (16): Der Staat

Mein Kampf mit Mein Kampf (17): Staatsangehöriger und Staatsbürger

Mein Kampf mit Mein Kampf (18): Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke

Mein Kampf mit Mein Kampf (19): Weltanschauung und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (20): Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede

Mein Kampf mit Mein Kampf (21): Das Ringen mit der roten Front

Mein Kampf mit Mein Kampf (22): Der Starke ist am mächtigsten allein

Mein Kampf mit Mein Kampf (23): Grundgedanken über Sinn und Organisation der S.A.

Mein Kampf mit Mein Kampf (24): Der Föderalismus als Maske

Mein Kampf mit Mein Kampf (25): Propaganda und Organisation

Mein Kampf mit Mein Kampf (26): Die Gewerkschaftsfrage

Mein Kampf mit Mein Kampf (27): Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege

Mein Kampf mit Mein Kampf (28): Ostorientierung oder Ostpolitik

Mein Kampf mit Mein Kampf (29): Notwehr als Recht

***

Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin hg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermeyer, Othmar Plöckinger und Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Zwei Bände. München/Berlin: Institut für Zeitgeschichte, 4., durchges. Aufl. 2016

Link zum Text (24): Das linke Jammertal

Die wachsende soziale Ungleichheit ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Und eben die soziale Gleichheit war stets die wesentliche Idee der Linken. Wie kann es sein, dass linke Parteien trotzdem abschmieren? Womöglich liegt’s daran, dass diese Parteien in den letzten Jahrzehnten den Eindruck erweckt haben, nur noch den Gewinnern der Globalisierung eine Heimat zu bieten, den Jungen und Gebildeten, den international Erfahrenen und technisch Versierten.

WEITERLESEN BEI DER SÄCHSISCHEN ZEITUNG

Termine der Woche

Am Mittwoch (16. November) lese ich beim Havel Slam in Potsdam. Der findet wie immer im gemütlichen Waschhaus statt. Los geht es um 20 Uhr.

Am Donnerstag (17. November) präsentiert unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal wie jeden Monat ein neues Programm in der Scheune. Mit dabei sind nicht nur die Stammautoren Stefan Seyfarth, Max Rademann, Roman Israel und ich, sondern auch ein wunderbarer Gast: Udo Tiffert, die poetische Stimmer der Lausitz. Los geht es um 20 Uhr. Tickets kann man sich schon im Vorverkauf besorgen, aber auch am Einlass ab 19:30 Uhr gibt es noch unbegrenzt Karten.

Am Sonntag (20. November) veranstaltet der Dresdner Atticus e.V. die zweite Ausgabe seiner Gesprächsreihe „Tacheles“. Zu Gast sind der Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Werner J. Patzelt und ich. Mit den beiden Moderatoren Eric Hattke und Marcus Thielking sprechen wir über die Idee zur Kolumne „Besorgte Bürger“ in der Sächsischen Zeitung, aber auch über Themen wie demokratische Diskussionskultur, politische Korrektheit und Fremdenfeindlichkeit, die nicht erst seit dem Auftauchen von PEGIDA die Stadt Dresden wie ganz Deutschland beschäftigen. Das Gespräch findet um 18 Uhr im Stadtmuseum Dresden statt. Unter der Adresse tacheles@atticus-dresden.de kann man Plätze reservieren, aber auch eigene Fragen für die Diskussion einreichen.

Link zum Text (23): Beleidigte Beleidiger

Nachdem ich jüngst dafür eintrat, Zuwanderer nach ihrem individuellen Handeln zu beurteilen und nicht bloß als austauschbare Exemplare einer vermeintlich gleichförmigen „Kultur“, erhielt ich einen erzürnten Brief von einem Anhänger der Pegida: „Wie behandeln und beurteilen bitte Sie, die Medien und die Politik in immer diskriminierender Weise ALLE Menschen en bloc, die sich montags zum Protest treffen? Ich erspare mir, diese Verunglimpfung zu wiederholen. Wo ist hier die angemahnte individuelle Betrachtung und Beurteilung persönlichen Handelns?“

WEITERLESEN BEI DER SÄCHSISCHEN ZEITUNG

Termine der Woche

Am Montag (7. November) um 20 Uhr findet eine neue Ausgabe der Lesebühne Zentralkomitee Deluxe statt – an neuem Ort, nämlich in der Fahimi Bar! Vor der drohenden Apokalypse am Dienstag gibt’s noch einmal fortschrittliche Komik mit Tilman Birr, Noah Klaus, Christian Ritter, Piet Weber und mir sowie der Gastautorin Lisa Danulat. Kommt rum und amüsiert euch mit uns, wir können eh nüscht ändern!

Sollte der Weltuntergang wider Erwarten ausbleiben, findet vom 6. bis zum 13. November wieder Literatur Jetzt! statt, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur. Es wird in diesem Jahr nicht von unserem Livelyrix e.V. allein, sondern gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum organisiert. Das Motto dieses Jahres lautet „Wir müssen reden“ und das Festival beschäftigt sich dementsprechend mit allen Aspekten der Sprache und Verständigung. Zu Gast sind namhafte Autoren wie Herta Müller, Lukas Bärfuss, Bov Berg u.v.m. Ich werde zwei Veranstaltungen beim Festival Literatur Jetzt! moderieren:

Zum einen die traditionelle Nacht der Lesebühnen mit Autoren aus dem Feld der satirischen und komischen Literatur. Sie findet mit den wunderbaren Kollegen Christian Bartel, Elis, Jacinta Nandi und Anselm Neft am Donnerstag (10. November) um 20 Uhr in der scheune statt. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Zum anderen den Poetry Slam am Freitag (11. November) um 21 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum. Mit dabei sind tolle Poetinnen und Poeten: der Poetry-Slam-Pionier Bas Böttcher, die außerordentlich talentierte junge Berliner Autorin Zoe Hagen, der politisch versierte Kaleb Erdmann aus Frankfurt am Main und die zurzeit in Wien beheimatete, bayrische Poetin Franziska Holzheimer. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.