Termine der Woche

Am Mittwoch (16. November) lese ich beim Havel Slam in Potsdam. Der findet wie immer im gemütlichen Waschhaus statt. Los geht es um 20 Uhr.

Am Donnerstag (17. November) präsentiert unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal wie jeden Monat ein neues Programm in der Scheune. Mit dabei sind nicht nur die Stammautoren Stefan Seyfarth, Max Rademann, Roman Israel und ich, sondern auch ein wunderbarer Gast: Udo Tiffert, die poetische Stimmer der Lausitz. Los geht es um 20 Uhr. Tickets kann man sich schon im Vorverkauf besorgen, aber auch am Einlass ab 19:30 Uhr gibt es noch unbegrenzt Karten.

Am Sonntag (20. November) veranstaltet der Dresdner Atticus e.V. die zweite Ausgabe seiner Gesprächsreihe „Tacheles“. Zu Gast sind der Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Werner J. Patzelt und ich. Mit den beiden Moderatoren Eric Hattke und Marcus Thielking sprechen wir über die Idee zur Kolumne „Besorgte Bürger“ in der Sächsischen Zeitung, aber auch über Themen wie demokratische Diskussionskultur, politische Korrektheit und Fremdenfeindlichkeit, die nicht erst seit dem Auftauchen von PEGIDA die Stadt Dresden wie ganz Deutschland beschäftigen. Das Gespräch findet um 18 Uhr im Stadtmuseum Dresden statt. Unter der Adresse tacheles@atticus-dresden.de kann man Plätze reservieren, aber auch eigene Fragen für die Diskussion einreichen.

Link zum Text (23): Beleidigte Beleidiger

Nachdem ich jüngst dafür eintrat, Zuwanderer nach ihrem individuellen Handeln zu beurteilen und nicht bloß als austauschbare Exemplare einer vermeintlich gleichförmigen „Kultur“, erhielt ich einen erzürnten Brief von einem Anhänger der Pegida: „Wie behandeln und beurteilen bitte Sie, die Medien und die Politik in immer diskriminierender Weise ALLE Menschen en bloc, die sich montags zum Protest treffen? Ich erspare mir, diese Verunglimpfung zu wiederholen. Wo ist hier die angemahnte individuelle Betrachtung und Beurteilung persönlichen Handelns?“

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Termine der Woche

Am Montag (7. November) um 20 Uhr findet eine neue Ausgabe der Lesebühne Zentralkomitee Deluxe statt – an neuem Ort, nämlich in der Fahimi Bar! Vor der drohenden Apokalypse am Dienstag gibt’s noch einmal fortschrittliche Komik mit Tilman Birr, Noah Klaus, Christian Ritter, Piet Weber und mir sowie der Gastautorin Lisa Danulat. Kommt rum und amüsiert euch mit uns, wir können eh nüscht ändern!

Sollte der Weltuntergang wider Erwarten ausbleiben, findet vom 6. bis zum 13. November wieder Literatur Jetzt! statt, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur. Es wird in diesem Jahr nicht von unserem Livelyrix e.V. allein, sondern gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum organisiert. Das Motto dieses Jahres lautet „Wir müssen reden“ und das Festival beschäftigt sich dementsprechend mit allen Aspekten der Sprache und Verständigung. Zu Gast sind namhafte Autoren wie Herta Müller, Lukas Bärfuss, Bov Berg u.v.m. Ich werde zwei Veranstaltungen beim Festival Literatur Jetzt! moderieren:

Zum einen die traditionelle Nacht der Lesebühnen mit Autoren aus dem Feld der satirischen und komischen Literatur. Sie findet mit den wunderbaren Kollegen Christian Bartel, Elis, Jacinta Nandi und Anselm Neft am Donnerstag (10. November) um 20 Uhr in der scheune statt. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Zum anderen den Poetry Slam am Freitag (11. November) um 21 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum. Mit dabei sind tolle Poetinnen und Poeten: der Poetry-Slam-Pionier Bas Böttcher, die außerordentlich talentierte junge Berliner Autorin Zoe Hagen, der politisch versierte Kaleb Erdmann aus Frankfurt am Main und die zurzeit in Wien beheimatete, bayrische Poetin Franziska Holzheimer. Hier gibt’s Tickets im Vorverkauf.

Link zum Text (22): Das Elend der Kultur

Eine wahre Seuche, die unsere Gesellschaft befallen hat, ist die Mode, nicht mehr über einzelne Menschen, sondern nur noch über „Kulturen“ zu reden. Wir schauen nicht mehr auf das Individuum und sein persönliches Handeln, sondern glauben, schon alles über Menschen zu wissen, wenn wir sie nur einer bestimmten „Kultur“ zugeordnet haben. So können wir ganze Gruppen kollektiv entschuldigen oder verdammen.

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Termine der Woche

Am Dienstag (1. November) lese ich erstmals als Gastautor bei der Lesebühne Liebe für alle in Hamburg. Die Stammautoren sind Katrin Seddig, Ella Carina Werner, Piero Masztalerz und Anselm Neft. Los geht es um 20:30 Uhr im Grünen Jäger (Neuer Pferdemarkt 36).

Am Donnerstag (3. November) bin ich sodann Gastautor bei der Lesebühne Couchpoetos in Berlin. Die Stammautoren dort sind Sarah Bosetti, Daniel Hoth, Karsten Lampe und Jan vom Im Ich. Als weitere Gäste sind auch noch Temye Tesfu und Uli Hannemann mit dabei. Der Spaß beginnt um 20:30 Uhr im traditionsreichen Kaffee Burger.

Am Sonnabend (5. November) lese ich beim Kantinenlesen, dem von Dan Richter organisierten Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen. Mit dabei sind auch noch die Kollegen Ruth Herzberg, Falko Hennig und Jakob Hein. Der heitere literarische Ringelreihn hebt an um 20 Uhr in der Alten Kantine auf dem Gelände der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.

Das ekelhafte Neukölln

In einem Buch mit dem Titel Spazieren in Berlin las ich jüngst: „Um seiner selbst willen Neukölln aufzusuchen, dazu kann man eigentlich niemandem raten.“ Eine „traurige Gegend“ sei dieses Viertel, man sehe nur „arbeitsmüdes Volk“ und „kümmerliche Kinder“. Der gutbürgerliche Autor räumt allerdings auch ein, er habe „nur geringe Kenntnisse von dieser Vorstadt“, denn: „Ich bin immer nur rasch mit der Tram durch Neukölln gefahren, um wo anders hinzukommen.“ Die Mischung aus Ignoranz und Verachtung, die aus diesem Text über Neukölln spricht, überrascht nicht, eher vielleicht schon die Tatsache, dass er aus dem Jahr 1929 stammt. Damals lebte vermutlich noch kein einziger Mensch türkischer oder arabischer Herkunft in Neukölln, sehr wohl aber viele arbeitende und arme Leute – der bürgerliche Ekel war schon der gleiche.

Vieles, was wir heute für Fremdenhass halten, ist nichts anderes als der uralte Hass der Besitzenden gegen die Armen, der sich bloß ein neues Kostüm zugelegt hat. Denn Proletariat und Prekariat der Bundesrepublik bestehen inzwischen, im Westen noch stärker als im Osten, zum großen Teil aus Zuwanderern. Auf unseren Baustellen wird Rumänisch und Portugiesisch gesprochen. Viele Imbissverkäufer stammen aus der Türkei, viele Gemüsehändler aus Vietnam. Polen ernten unseren Spargel, Ukrainerinnen pflegen unsere siechen Großeltern. In unseren Bordellen wälzen sich deutsche Familienvatis über mittellose Bulgarinnen. Und weil sich aus der Unterschicht seit jeher auch die Kleinkriminellen rekrutieren, finden sich auch unter diesen viele Migranten.

Ein schwerer Exzess wurde in der Nacht auf Sonntag in der Hermannstraße von einer Horde von 10 jungen Burschen verübt. Wir erfahren darüber folgendes: Kurz nach 1 Uhr kamen in der Hermannstraße etwa 10 mindestens im Alter von 18 bis 20 Jahren stehende Burschen aus einem Lokal, die auf der Straße sofort einen Heidenlärm zu vollführen begannen, indem sie johlten, schrien und mit Stöcken gegen Zäune und Hauswände schlugen. Der dort patrouillierende Schutzmann Matthe vom 10. Polizeirevier, ein äußerst ruhiger und besonnen auftretender Beamter, forderte die Lärmenden in angemessener Weise auf, sich ruhig zu verhalten, was die Rowdies damit beantworteten, daß sie ohne weiteres über den Schutzmann herfielen, ihn rücklings zu Boden rissen und ihn in der rohesten Weise mißhandelten. Der Säbel, dessen der Angegriffene sich zu seiner Verteidigung zu bedienen versuchte, wurde ihm sofort aus der Hand gerissen. Dem wehrlos am Boden liegenden Beamten wurde neben anderen Verletzungen ein schwerer Messerstich oberhalb des rechten Auges zugefügt. Es wäre ihm wohl noch übler ergangen, wenn nicht jetzt ein zweiter Schutzmann zur Hilfe herbeigeeilt wäre, bei dessen Erscheinen die Bande auseinanderstob, worauf die Burschen im Dunkel der Nacht verschwanden. Doch gelang es dem herbeieilenden Schutzmann, den Rädelsführer zu verhaften. Die sogleich von dem Überfall in Kenntnis gesetzte Kriminalpolizei ermittelte dann noch im Laufe der Nacht die übrigen an dem Exzeß Beteiligten und brachte sie nach dem hiesigen Polizeipräsidium, wo gestern Vormittag ihre Vernehmung stattfand.

Der Messerstecher hieß, wie uns das Neuköllner Tageblatt vom 7. Dezember 1915 glaubhaft versichert, nicht Ali oder Mohammed. Es handelte sich vielmehr um „den taubstummen 33jährigen Lederarbeiter Karl Schubert aus der Jägerstr. 67“. Heute werden solche Straftaten in Neukölln und anderswo allerdings auch von jungen Männern begangen, die das Pech haben, nicht viel mehr zu besitzen als einen Migrationshintergrund. Die großen Verbrechen, also jene, die gewöhnlich nicht bestraft werden, behalten sich die Deutschen allerdings doch noch immer selbst vor.

Schon vor Jahrhunderten galt die dunkle Haut als Erkennungszeichen der Armen, denn nur die Bauern wurden bei der Arbeit auf dem Feld von der Sonne verbrannt. Wer es sich leisten konnte, zeigte seinen Reichtum durch makellos bleiche Haut. Die Reichen ekeln sich, wenn sie Arme erblicken, denn arme Menschen sind schlecht angezogen, verstaubt und verschwitzt, sie haben raue Umgangsformen, sie riechen nach Zwiebeln, sie können sich nicht über Goethe unterhalten oder die Sonatenhauptsatzform erklären. Sie haben eine eigene Kultur, die den Reichen fremd und unheimlich ist. Die Sprache der Armen verstanden die Reichen auch nicht besser, als sie noch nicht Türkisch war.

Die neuen Rechten unserer Tage werfen Linken gerne Heuchelei vor, weil diese Multikulti zwar gutmenschelnd predigen, ihre eigenen Kinder tatsächlich aber auch nicht auf die Rütli-Schule im Ausländerviertel schicken. Diese Kritik ist gewiss berechtigt, doch könnte man die Rechten zurückfragen: Warum schicktet ihr denn eure noblen Sprösslinge nicht auf Schulen in Berlin-Hohenschönhausen, Rostock-Lichtenhagen oder Halle-Neustadt, wo die Schülerschaft doch weithin tadellos germanisch ist? Schreckt euch vielleicht die Aussicht, eure Kinder könnten mit bildungsfernen Bälgern von deutschen Arbeitern und Arbeitslosen in Kontakt kommen? Ist euch der Prolet vielleicht ebenso fremd wie der Kanake?

Rassisten hielten seit jeher nicht nur fremde Völker, sondern auch die Armen ihres eigenen Volkes für biologisch minderwertig, für Abkömmlinge einstmals unterjochter Rassen. Auch der Führer Adolf Hitler hielt die „breite Masse“ für dumm, feig und träge. Wer im Kampf ums Dasein unterliege, der habe sein Schicksal eben verdient. Aber die Arbeiter waren doch nicht so dumm, mehrheitlich Hitler zu wählen, das übernahmen jene braven Bürger des Mittelstandes, die Angst davor hatten, die rachsüchtigen Armen könnten ihnen eines Tages die Sparbücher wegnehmen. Wer eine solche Mentalität heute besichtigen möchte, der sollte Thilo Sarrazin ins Antlitz schauen – so schwer das auch fällt. Dieser Mann verachtet Deutsche aus dem Prekariat ja nicht weniger als ungebildete Zuwanderer. Als Senator in Berlin sparte er konsequent bei denen, die schon am wenigsten hatten. Das ganze Leben dieses Seelenkrüppels ist ein einziger Krieg gegen die Armen.

Und doch geben in fast allen westlichen Ländern immer mehr Arbeiter und Arbeitslose jenen neuen Rechten ihre Stimme, denen es gelungen ist, soziale und ökonomische Probleme in ethnische und religiöse Konflikte umzudeuten. Der Klassenkampf ist passé, der Krieg der Kulturen hingegen en vogue. Und so glaubt sich mancher weiße Arbeiter mit seinem kommandierenden Ausbeuter verbunden im Kampf gegen den fremden und farbigen Feind. Geheilt werden solche Arbeiter von ihrem Irrtum wohl erst, wenn sie von den neuen Faschisten so bitter enttäuscht werden, wie frühere Arbeiter von den alten Faschisten enttäuscht worden sind.

Zitat des Monats Oktober

Uns liegt nicht viel daran, daß Ihr unseren Vorsatz versteht. Wozu sich erklären? Wozu sich auf ein Gespräch einlassen, auf eine Beteiligung an einer Debatte? Weil Ihr Angst vor der Abrechnung habt, bittet Ihr uns nun an einen Eurer runden Tische? Nein, diese Mittel sind aufgebraucht, und von der Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird Euch kein Wort überzeugen, sondern bloß ein Schlag ins Gesicht.

Götz Kubitschek, PEGIDA-Redner zum Tag der deutschen Einheit 2016, in: Provokation (2007), wieder abgedruckt in: Die Spurbreite des schmalen Grats. 2000-2016. Schnellroda: Antaios, 2016, Zitat S. 77f.

Neuerscheinung: „Das Lachen im Hals. Neun Geschichten“

Ich freue mich, allen geneigten Freundinnen und Freunden meines Schaffens ein soeben erschienenes Buch ans Herz legen zu dürfen. Der neue Band Das Lachen im Hals enthält neun bislang unveröffentlichte Geschichten über die Jugend, den Rausch, die Kunst und die Liebe. Bestellen könnt ihr das Buch direkt beim Verlag edition AZUR, beim Buchhändler eures Vertrauens oder, wenn’s denn sein muss, beim Moloch Amazon.

Vielleicht schaut ihr auch bei einer der Lesungen vorbei, mit denen ich das Buch in verschiedenen Städten vorstellen werde: 18.10. Berlin (Ocelot), 24.10. Jena (Café Wagner), 25.10. Chemnitz (Atomino), 26.10. Leipzig (Horns Erben) und 27.10. Dresden (Thalia).

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Termine der Woche

Am Donnerstag (13. Oktober) lese ich wieder mit der Dresdner Lesebühne Sax Royal in der scheune. Mit einem brandneuen Programm kurieren wir einsetzende Herbstdepressionen. Mit dabei sind neben mir wie immer: Stefan Seyfarth, der Johnny Cash von Strehlen, Max Rademann, der Neustadtphilosoph mit Erzgebirgshintergrund, Roman Israel, der gewiefte Großstadterzähler und Julius Fischer, der lustigste Barde Mitteldeutschlands. Los geht es um 20 Uhr, Karten gibt es ab 19:30 Uhr am Einlass oder auch im Vorverkauf.

Am Freitag (14. Oktober) folgt wie immer die nicht minder heitere Lesebühne Grubenhund in Görlitz, die ich zusammen mit Udo Tiffert und Max Rademann bestreite. Als Gast haben wir uns diesmal den wunderbaren Christian Kreis aus Halle eingeladen. Los geht es um 19:30 Uhr im Kino Camillo.