Die nützlichen Patrioten

Mein Mitkolumnist Werner J. Patzelt hat vorige Woche Lust bekundet, Satiriker zu werden. Ich fürchte, er hat sich vorerst nur zum unfreiwilligen Komiker qualifiziert. Salbungsvoll forderte er, aus den Geschehnissen dieser Tage solle jeder Lehren ziehen, und zwar „am besten für einen selbst, nicht anklageartig für andere“. Ein solches Ego muss man erst einmal haben! Zu fordern, jeder solle bei sich selbst mit der Kritik beginnen – um dann mit der Kritik bei den anderen anzufangen! Aber wer weiß, vielleicht überrascht uns ja Werner J. Patzelt demnächst mit einer selbstkritischen Analyse eigener Fehlleistungen. Dabei möchte ich ihn mit einigen Denkanstößen unterstützen.

Es ist noch nicht lange her, da stellte Prof. Patzelt fest, wenigstens ein Fünftel der PEGIDA-Demonstranten seien „Rechtsradikale“, unter ihnen auch gewaltbereite „Rechtsextreme“. Ein Großteil der PEGIDA-Anhänger sei „xenophob“, besonders „kulturalistischer Rassismus“ gegen Muslime weit verbreitet. Er warnte auch vor „Rechtsradikalen“ in der AfD, besonders vor den Anhängern von Björn Höcke, dessen „rassistische“ Äußerungen der Partei „schweren Schaden“ zugefügt hätten. In einem Gutachten entlarvte er den „Antisemitismus“ des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Ich glaubte, Prof. Patzelt mache sein Versprechen wahr, berechtigte Sorgen ernst zu nehmen, aber Angriffe gegen die Demokratie oder Minderheiten nicht durchgehen zu lassen.

Dann kam die Wahl. Prof. Patzelt freute sich in der „Jungen Freiheit“ über den Erfolg der AfD und spottete über deren Gegner und ihre „von rechtslastig über rassistisch bis rechtsextrem reichende Stabreimkette“. Die von der AfD verbreiteten Lügen, ihre rassistischen Entgleisungen und ihr Bündnis mit militanten Neonazis sind Prof. Patzelt kaum mehr der Rede wert. Stattdessen empfiehlt er, eben jene Partei in Sachsen mitregieren zu lassen, in der Björn Höcke inzwischen mühelos den Vorsitz übernehmen könnte. Zählt Prof. Patzelt zu jenen, welche die AfD zwar ein bisschen eklig finden, aber auch ganz nützlich, um den Rechtsruck in der Einwanderungspolitik durchzusetzen, den sie sich schon lange wünschen? Seine Leisetreterei gegenüber den rechten Feinden der Demokratie ist jedenfalls politisch ebenso naiv wie gefährlich.

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Dieser Text erschien zuerst als Kolumne der Rubrik Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung.

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Kommentare
  1. Frans Bonhomme

    Im übrigens tun Sie (mal wieder!) genau das, was Sie immer wieder so vehement abstreiten: politische Gegner (hier: die AfD) als die „rechten Feinde der Demokratie“ diffamieren. Genau das ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

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