Termine der Woche

Am Dienstag (5. Januar) lese ich beim Berliner Kreuzbergslam. Mit dabei sind tolle Kolleginnen und Kollegen wie Leonie Warnke, Sandra da Vina, Tom Schildhauer und Jesko Habert. Los geht es um 20:30 Uhr im Lido.

Am Donnerstag (7. Januar) moderiere ich gemeinsam mit Stefan Seyfarth wie immer am ersten Donnerstag des Monats den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettstreit beginnt um 20 Uhr.

Am Sonnabend (9. Januar) schließlich lese ich mit beim Kantinenlesen, dem Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen. Mit dabei sind neben Moderator Dan Richter auch Sebastian Lehmann, Tube und Ivo Lotion. Los geht es um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei.

Aus meiner Fanpost (15): Im Gespräch mit PEGIDA (4)

Sehr geehrter Herr Bittner,

im neuen Jahr wollte ich mir mal eine neue (für mich) Anti-Pegida-Meinung anhören und habe Ihr Interview vom 29.10.15 – Radio Colorado angehört. Das Erfreuliche daran war, dass Sie, im Gegensatz zu den meisten Anti-Pegidianern Gesprächsbereitschaft zum Thema signalisiert haben.

Sicher haben Sie von Ferne registriert, daß am 16.12.15 in der Kreuzkirche eine vom OB Hilbert initiierte Gesprächsrunde zum Thema rund um Pegida stattfand. Ich war leider verhindert – aber es gibt ja das Internet. Dort war zu lesen, dass sich einige von den „Guten“ der Diskussion verweigert haben. Grund: Pegida-Aktivisten dürfen reden.

Aus der Einleitung können Sie sicher entnehmen, dass ich den Pegida-Thesen nahe stehe. Ich habe mehrere Demos besucht und mir meine Meinung gebildet. Nicht nur aus den dort geführten Reden, sondern auch über Gespräche mit Bekannten, Freunden im Sportverein etc. Es gibt ja in Dresden 2015 ein alles beherrschendes Thema: Pegida. So beherrschend, dass bei Feiern aller Art schon oft die Parole ausgegeben wird: heute nichts über Pegida oder/und Flüchtlinge.

Ohne Details zu bewerten, im Gegensatz zur Zeitungsmeinung: Pegida spaltet Dresden nicht, sie eint. Richtiger ausgedrückt: der absolut überwiegende Teil der Dresdener kann den Thesen der Pegida mehr Sympathie abgewinnen als den Inhalten der aktuellen Politik. Warum das so ist? Das würde ein lange Liste füllen.

Und weil das in Dresden so ist sind die Dresdener alle fremdenfeindlich, rassistisch, Neonazis. Jeden Tag bekommen sie per Tagespresse eingebläut: dies oder jenes macht „die fremdenfeindlichen Pegida“. Sie verprügelt Ausländer, zündet Flüchtlingsheime an, verschreckt die Touristen, sorgt für Umsatzrückgang der Innenstadthändler, schadet dem Ansehen Dresdens.

Und genau in diese Kerbe – die Rechte Ecke – hauen Sie mit ihrem Beitrag. Dresden eine braune Hochburg, auch Dank einer jahrelangen Duldung gewisser Erscheinungen durch die CDU. Es ist sicher unstreitig, dass es in Sachsen regionale Hochburgen rechter Wähler gibt. Das gibt es anderswo auch. Unstrittig ist sicher auch, dass viele dieser Hochburgen durch die Initiative aus den alten Bundesländern entstanden. Genauso unstrittig ist die immer wieder geübte Praxis Kritik mit der rechten Keule zu erschlagen.

Das erklärt auch, für mich, die absolute Hilflosigkeit der Politik gegenüber Pegida. Wer will sich schon Seit an Seit mit der fremdenfeindlichen, rassistischen Pegida an einen Tisch setzen. Schon im Frühjahr 2015, als von der sächs. Staatskanzlei (anwesend Hr. Tillich) Rund-Tisch-Gespräche angeboten wurden, Herr Richter mit seinem Institut Gesprächsforen zum Thema leitete wurden sie als Pegida-Versteher abqualifiziert.

Liest man die Berichte von „Dresden nazifrei“ oder „wir sind Dresden“ über die Gesprächsrunde am 16.12.15 in der Kreuzkirche so werden die gesprächsbereiten Initiatoren und alle Teilnehmer als „fehlgeleitete“ Befürworter von Pegida abqualifiziert.

Herr Richter (Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung) wurde empfohlen seiner „gelernten“ Tätigkeit – Pfarrer – nachzugehen.

Alles nach dem Motto : Demokratie ist wenn alle meiner Meinung sind.

Wie wollen wir Probleme angehen wenn wir nicht miteinander über sie sprechen dürfen:

Ist es richtig Menschen aus aller Welt in Deutschland als Flüchtlinge aufzunehmen?

Sollte der Glaube dieser Menschen bei den Aufnahmekriterien eine Rolle spielen?

Darf eine Bundeskanzlerin deutsches oder europäisches Recht, ohne die Parlamente um Zustimmung zu fragen, außer Kraft setzen?

Haben wir mit der Aufgabe der Kontrolle über die Menge und den Status der Flüchtlinge nicht einen wesentlichen Teil der Souveränität unseres Staates verloren?

Ist es egal ob wir in den nächsten Jahren 2, 5, 10 oder gar 20 Mio Flüchtlinge aufnehmen?

Ist neben der wirtschaftlichen Frage der Versorgung dieser Menschen die Frage nach der Integrationserfordernis oder -willigkeit dieser Menschen erlaubt?

Wenn wir die Aufnahme und Integration dieser Menschen fördern, berauben wir dann nicht deren Herkunftsländer eines Teiles ihrer Zukunft?

Belohnen wir mit der Aufnahme der Flüchtlinge nicht eine verfehlte Förderung des eigenen Nachwuchses in Bezug auf Menge und Ausbildung?

Wie die Presse berichtet klagen öffentliche Verwaltungen, dass sie ca. 60% ihrer Arbeitszeit dem Thema Flüchtlinge widmen. Waren diese Verwaltungen bisher nur zu 40% ausgelastet oder müssen wir die nächsten Jahre davon ausgehen dass nur 40% der bisherigen Arbeit bewältigt werden kann?

Haben wir mit der Willkommenspolitik die Achtung oder das Unverständnis unserer europäischen Nachbarn erworben?

Nach der Ablehnungsquote müßten jeden Tag 5.000 Flüchtlinge Deutschland verlassen. Warum sind es jedoch nur 50?

Hat Frau Merkel mit Ihrem europäischen Alleingang die Idee Europa beerdigt?

Sollen deutsche Soldaten in Syrien eingesetzt werden während die Syrer selbst in den Erstaufnahme-einrichtungen in Deutschland nach medizinischer Versorgung und Essen anstehen?

Ich könnte seitenlang eine ganze Bandbreite Fragen formulieren die sich in erster Linie aus Frau Merkels Politik der offenen Arme ergeben. 200.000 – 300.000 Menschen pro Jahr aufzunehmen war bisher eine Standardgröße. Jetzt kommt die 4 – 5 fache Menge, die Wenigsten mit Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ich gehe jede Wette ein, daß in 5 Jahren max. 10 % und in 10 Jahren nicht mehr als 20% der jetzigen Ankömmlinge in einem steuerpflichtigen Arbeitsverhältnis stehen.

Sind diese und ähnliche Fragen nicht berechtigt? Bin ich damit ein „Rechter“, gar ein Neonazi?

Der ehemalige Ausländerbeauftragte Sachsens, Herr Gillo, formulierte Ende letzten Jahres : „es stehen sich Traumtänzer und Verkünder der Apokalypse gegenüber“. Übersetzt : die Guten Deutschen und Pegida.

Wenn dem so ist – und es ist so – sollte es uns doch nicht daran hindern miteinander zu sprechen. Wir sind nicht mehr in der DDR, das vergessen die meist jungen Leute von „Dresden nazifrei“ u.ä. Die Meisten haben in der Schule scheinbar nicht richtig aufgepasst sonst würden sie einen politisch interessierten Fragesteller nicht einfach als Neonazi betiteln.

Nützt meine Aufregung ? Ich glaube nicht. Dabei habe ich in der Schule gelernt „Und handeln sollst du so als hing von dir und deinem Tun allein das Schicksal ab der deutschen Dinge und die Verantwortung wär dein“

Aber wer kennt das noch.

Mit freundlichem Gruß

*. L***

 

Sehr geehrter Herr L***,

vielen Dank für Ihren Brief! Gespräche sind immer nützlich und gut. Gerade in politischen Auseinandersetzungen sind sie die einzige Alternative zur Gewalt. Deswegen halte ich es auch für falsch, ehrlich gemeinte Gesprächsangebote von anständigen Menschen auszuschlagen. Erfreulicherweise haben ja auch viele Kritiker von PEGIDA an der von Ihnen erwähnten Veranstaltung teilgenommen und dort ihre Meinung gesagt.

Sie selbst haben bemerkt, dass bei Feiern in Dresden politische Gespräche oft unterbunden werden. Offenbar ist die Gefahr, es könnte zum Streit kommen, zu groß. Dazu passt nun aber nicht Ihre Behauptung, PEGIDA würde Dresden einen. Das Gegenteil ist offensichtlich der Fall: PEGIDA polarisiert. Für Ihre Einschätzung, der „absolut überwiegende Teil der Dresdener“ teile die Thesen von PEGIDA, spricht wenig. Umfragen ergeben, dass die große Mehrheit der Dresdner PEGIDA nicht unterstützt. Sind die Umfragen alle von der Lügenpresse manipuliert? Bei der Oberbürgermeisterwahl kam die PEGIDA-Kandidatin auf ungefähr 10 Prozent der Stimmen. Wurde das Wahlergebnis gefälscht? Wenn Sie das nicht glauben, dann müssen Sie akzeptieren: PEGIDA repräsentiert nur eine Minderheit der Dresdner. PEGIDA hat also kein Recht, für alle Dresdner zu sprechen. Die PEGIDA-Gegner haben dieses Recht aber auch nicht. Die Mehrheit der Bürger engagiert sich weder für noch gegen diese Bewegung. Die meisten Dresdner dürften einige Sorgen der PEGIDA-Anhänger teilen, viele Reden und Aktionen der PEGIDA-Anführer hingegen abstoßend finden.

Weder ich noch sonst ein vernünftiger Kritiker von PEGIDA hält alle Dresdner für fremdenfeindliche Neonazis. Das wäre ja blanker Unsinn. Einige PEGIDA-Gegner haben allerdings allzu pauschal mit Begriffen wie „PEGIDA-Nazis“ um sich geworfen, was ich schon vor geraumer Zeit kritisiert habe. Keineswegs geht es mir darum, „Kritik mit der rechten Keule zu erschlagen“. Es sind die Nazis, die mit ihren Keulen viele Menschen erschlagen haben. Deswegen halte ich es für wichtig, gegen Rassismus und Faschismus zu argumentieren. Gegen anständige und demokratisch gesinnte Menschen mit konservativen Ansichten habe ich hingegen nichts. Die Anführer von PEGIDA sind solche Menschen leider nicht, sie hetzen offen rassistisch und faschistisch. Und ein Teil der Mitläufer bei PEGIDA sind gewalttätige Neonazis. Ich glaube dennoch, dass viele PEGIDA-Sympathisanten – und gewiss auch Sie – mit Rassismus und Faschismus nichts zu tun haben wollen. Nur wird eine politische Bewegung eben meist danach beurteilt, was ihre Anführer reden und tun. Und wer zwingt Sie denn, Leuten hinterherzulaufen und zu applaudieren, die Menschen als „Kamelwämser“, „Schluchtenscheißer“, „Viehzeug“, „Gelumpe“, „Dreckspack“, „Schmarotzer“, „Surensöhne“ und „Invasoren“ beschimpfen? Leuten, die politisch Andersdenkende pauschal als „Volksverräter“ verunglimpfen und die mit einem gewaltsamen Umsturz drohen? Schon öfter habe ich von PEGIDA-Anhängern auf diese Fragen die Antwort gehört: „Ich stimme nicht mit allem überein, was da gesagt wird, aber ich weiß nicht, wo ich meinen Protest sonst äußern soll!“ Diese Schwierigkeit besteht gewiss wirklich, aber sie kann keine Ausrede dafür sein, sich mit einer verkehrten Sache zu identifizieren.

Alle Fragen zu den gegenwärtigen Problemen, die Sie am Ende Ihres Briefes stellen, sind legitim. Sie müssen öffentlich besprochen werden und werden ja auch in den Medien und den Parlamenten längst diskutiert. Ich hätte sicher vielfach andere Antworten auf diese Fragen als Sie, aber das ist in einer pluralistischen Gesellschaft ja kein Problem. Letztlich müssen Wahlen und Abstimmungen über die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik entscheiden. Wer hindert Sie daran, für Ihre Überzeugungen öffentlich zu werben oder sich friedlich in einer Partei oder Bürgerinitiative zu engagieren? Niemand. Wenn andere Deutsche andere Überzeugungen vertreten und für diese möglicherweise eine Mehrheit gewinnen, müssen Sie das aber auch akzeptieren, wenn Sie sich zur Demokratie bekennen, wovon ich ausgehe.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.

***

Hier geht es zur Fortsetzung des Gesprächs.

Schöne Sätze fürs Weihnachtsfest

Wenn sich am heiligen Abend die ganzen Familie zum gemütlichen Weihnachtsschmaus versammelt, dann will oft das Gepräch nicht so recht in Gang kommen, denn Eltern und Kindern, Großeltern und Enkeln fällt es schwer, gemeinsamen Stoff für eine Plauderei zu finden. Damit kein unbehagliches Schweigen am Tannenbaum herrscht, möchte ich hier einige Sätze vorschlagen, die mit Sicherheit die Unterhaltung schnell beleben:

Könnten wir hier am Tisch bitte von nun an nur noch vom Winterfest sprechen?

Ich hoffe, euch gefällt das PEGIDA-Räuchermännchen?

Ich habe dieses Jahr mal nicht an Brot für die Welt gespendet, sondern an den Islamischen Staat.

Woher wollt ihr überhaupt wissen, dass Jesus weiß gewesen ist?

Wirklich klasse, wie beim Krippenspiel der Syrien-Konflikt gelöst wurde!

Sagt bloß, ihr wisst nicht, dass es wegen der Chemtrails keinen Schnee mehr gibt?!

Könnte sich Onkel Jochen im nächsten Jahr nicht mal als Weihnachtsfrau verkleiden?

Ja, aber die heiligen drei Könige sind freiwillig wieder ausgereist!

Ich muss euch allen jetzt etwas sagen, bitte werdet nicht wütend – ich bin in die SPD eingetreten.

Wieso darf man hier nicht mal am Heiligabend Israel offen kritisieren?!

Wir trinken Glühwein und im Mittelmeer ertrinken Kinder!

Können wir nicht auf Russia Today umschalten?

Aber der Neger schnackselt nun mal wirklich gerne!

Maria und Josef haben ihr Kind auch nicht impfen lassen!

Eigentlich haben wir ja gar keine Demokratie.

Ihr braucht mit der Bescherung nicht auf mich zu warten, ich gehe mit den Jungs erst noch mal beim Heim nach dem Rechten sehen.

Nachher kommt Farid übrigens vorbei und übernachtet bei uns, da könnt ihr ihn gleich mal kennen lernen.

Zitat des Monats Dezember

[Man soll] die Kreuzzüge auch nicht schmähen. Die Christen haben das Heilige Land zurückerobert, und zwar nicht um Menschen gewaltsam zu bekehren. Und warum es den Muslimen gelingt, die Kreuzfahrer als etwas so Schlechtes darzustellen, wo es sich in Wirklichkeit nur um Verteidigung handelt, ist mir ein Rätsel. Dahinter stand nicht der Versuch, die Welt zu missionieren, sondern es ging um die Zurückgewinnung von Gebieten, die vordem christlich waren.

Prof. Robert Spaemann, christlicher Meisterdenker aus Deutschland, in der Frankfurter Rundschau

Termine der Woche

 

Am Montag (14. Dezember) lese ich mit dem „Satirischen Quintett“ der Kolumnisten der Sächsischen Zeitung in Dresden. Mit dabei sind die Kollegen Thomas Bärsch, Jens-Uwe Sommerschuh, Wolfgang Schaller und Peter Ufer. Los geht es um 19:30 Uhr im Sarrasani Trocadero. Die Veranstaltung ist leider schon ausverkauft.

Am Mittwoch (16. Dezember) bin ich zum zweiten Mal Gastautor der noch jungen Lesebühne Fuchs & Söhne in Berlin. Neben den Stammkräften Kirsten Fuchs und André Herrmann sind als Gäste auch noch Micha Ebeling und Marco Tschirpke dabei. Der Spaß beginnt um 20 Uhr im Historischen Gemeindesaal Moabit. Der Eintritt kostet an der Abendkasse fünf Euro.

 

Aus meiner Fanpost (14): Der Turnvater

Hallo Herr Bittner,
ich möchte auf Ihren Text in der SZ vom 8. 12. nicht weiter eingehen; dazu ist mir die Zeit zu schade. Nur eine Frage: Warum erfüllt es Sie mit Genugtuung, dass unsere Schulkinder wegen der „Zweckentfremdung“ durch Unterbringung der Flüchtlinge in den Turnhallen keinen Sport mehr treiben können? Wegen Turnvater Jahn im 19. Jahrhundert??? Verstehen Sie nicht, dass Sie durch derartiges Geschreibsel Ihrem Anliegen einen Bärendienst erweisen? Übrigens: Ich bin kein „seltsam übellauniger Bruder drüben in der Zone“ (was für eine gnadenlose Arroganz!), sondern (weitgereister) Fotograf aus München.
****** K*****

Sehr geehrter Herr K*****,

gerne gehe ich auf Ihre kritische Nachricht ein, dazu ist mir meine Zeit nicht zu schade. Dass meine Genugtuung über die Zweckentfremdung von Turnhallen ein Witz auf Kosten des Turnvaters Jahn ist, haben Sie richtig erkannt. Wenn Sie nun auch noch über Sinn für Humor verfügten, könnten Sie darüber lachen statt sich aufzuregen. Mit Sinn für Humor hätten Sie auch erkannt, dass die Rede über die „übellaunigen Brüder drüben in der Zone“ nicht meine Arroganz gegenüber Ostdeutschen widerspiegelt, was bei einem Ostdeutschen auch merkwürdig wäre, sondern die Sichtweise vieler Westdeutscher auf die Ossis ironisch abbildet. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihren weiten Reisen vielleicht irgendwann einmal dem Humor begegnen und ihn mit zurück nach München nehmen.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.

Hallo Herr Bittner,
es gibt offensichtlich mehrere Arten von Humor. Ihren Humor bezeichne ich – gelinde gesagt – als schräg. Ich kenne keinen Westdeutschen, der die Bewohner der ehemaligen DDR derartig abschätzig aburteilt, auch nicht als „Scherz“. Noch ein „übrigens“: Ich kenne Dresden sehr gut; mein *** lebte dort und ich habe ihn jedes Jahr besucht. Können wir uns darauf einigen, dass endlich diese alberne Teilung in „Wessis“ und „Ossis“ aufhört – 25 Jahre nach der Wiedervereinigung? Wenn Sie „Deutschland“ nicht mögen, ist das Ihre Sache. Aber: Polemische Texte wie „Überfordert uns!“ tragen nicht zur Versachlichung der Diskussion bei. Die Schriften von Fichte, Arndt, Jahn etc. muss man im historischen Kontext der Befreiungskriege gegen die napoleonische Unterdrückung sehen – das war vor 200 Jahren! Wenn es jetzt nur noch „Gutmenschen“ und „Rechtspopulisten“ (bzw. Neonazis) gibt und nichts dazwischen, haben wir ein Problem – siehe Pegida. In ganz Europa gewinnen Rechtsparteien. Warum wohl???
Trotzdem Grüße ins schöne Dresden.
****** K*****

Sehr geehrter Herr K*****,

die Geschmäcker in Sachen Humor sind verschieden und natürlich steht es Ihnen frei, meinen nicht zu mögen, das ist kein Problem. Dass eine polemische Schrift nicht zur Versachlichung beiträgt, ist richtig. Ich finde meinen Beitrag allerdings gar nicht sehr polemisch. Aber selbst wenn er es wäre, halte ich das für kein Problem, denn eine Polemik hat gar nicht die Aufgabe zu versachlichen, sondern will zu Widerspruch reizen, um eine Diskussion zu eröffnen. Ich kann deswegen Ihre Mahnung, doch bitte nicht über die speziellen Probleme von Ostdeutschland zu sprechen, auch nicht akzeptieren. Ginge es nicht um Ostdeutschland, sondern um den Islam, würden Sie gewiss gegen Redeverbote und für offene Kritik plädieren, oder?

Der Nationalismus in den Schriften von Fichte, Arndt und Jahn steht in einem historischen Kontext, das ist wahr. Aber auch in diesem Kontext war er schon falsch und gefährlich und wurde von Zeitgenossen wie Goethe, Jean Paul, Heine und Saul Ascher bereits kritisiert. Warum sollte man das in der Gegenwart nicht tun dürfen? Und ganz in diesem Sinne stoppt man den Vormarsch der Rechtsradikalen in Europa nicht, indem man schweigt, sondern indem man offen redet. Dass es nichts anderes als „Gutmenschen“ (was immer das sein mag) und Neonazis gäbe – einen solchen Blödsinn habe ich nie behauptet.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.

Überfordert uns!

Einer der Sätze, die ich von anderen Ostdeutschen im letzten Jahr am häufigsten gehört habe, lautet: „Wir wollen bei uns keine westdeutschen Verhältnisse!“ Die Menschen, die das sagen, wehren sich mit diesen Worten nicht gegen höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeiten. Was sie meinen, ist: Wir wollen bei uns im Osten nicht so viele Ausländer wie im Westen. Mehr noch: Viele Ostdeutsche blicken mit völligem Unverständnis, ja mit Abscheu auf die Selbstverständlichkeit, mit der Westdeutsche und Mitbürger ausländischer Herkunft zusammenleben.

WEITERLESEN BEI SÜDDEUTSCHE.DE

Termine der Woche

Am Donnerstag (10. Dezember) gibt es eine neue Ausgabe unserer Dresdner Lesebühne Sax Royal. Wenn Dresden in weihnachtliche Stollenbesinnlichkeit versinkt und Sitzblockaden gegen die Ankunft von Maria und Joseph organisiert werden, bleiben wir wie jedes Jahr standhaft heiter und fies. Neue Geschichten, Gedichte und Lieder präsentieren mit mir die Stammautoren Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth. Außerdem begrüßen wir einen besonderen Gast: Die Leipziger Poetin Leonie Warnke kommt zu uns und bringt einige ihrer witzigen und engagierten Texte mit. Los geht es wie immer um 20 Uhr in der scheune. Karten gibt es im Vorverkauf oder an der Abendkasse.

Am Freitag (11. Dezember) lese ich wieder gemeinsam mit den Kollegen Max Rademann und Udo Tiffert in Görlitz bei der Lesebühne Grubenhund. Als besonderen Gast begrüßen wir diesmal außerdem die Autorin Gesine Schäfer aus Dresden. Los geht es um 19:30 Uhr im Kino Camillo.

Termine der Woche

Am Montag (30. November) veranstaltet der Verein Projekt 21 II, ein Bündnis zum Schutz der Demokratie, in Dresden ein Symposion zum Thema „Sprache und Politik“. Die Tagung beginnt um 14 Uhr. Ich lese ab 16:30 Uhr einige Texte, die sich mit der Sprache der PEGIDA-Bewegung befassen. Das Ganze findet in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung statt.

Am Donnerstag (3. Dezember) moderiere ich wieder gemeinsam mit Stefan Seyfarth den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Mit dabei im Dichterwettstreit sind diesmal Sandra da Vina, Piet Weber, Karsten Lampe u.v.m. Tickets gibt es im Vorverkauf oder an der Abendkasse. Der Einlass beginnt um 19 Uhr, los geht es um 20 Uhr.

Aus meiner Fanpost (13): Ich werde entlarvt

Hallo Michael,
Deine Kollumne über den neuen Fschismus ist genauso dümmlich wie Deine Faschokeule gegenüber „Globalisierungsgegner“ und Völker die ihre eigene Souveränität wieder haben wollen.
Tu nicht so als hättest Du die Weisheit mit Löffeln gegessen, sondern halte Dich bitte nicht für Klug gegnug diese Erscheinung volksgerecht zu beurteilen.
Denn noch nie war dieses Volk so gespalten wie jetzt. – Dank der NWO-Propaganda. Gemäß diesem genannten Artikel ist nämlich hier von Weisheit nichts zu erkennen, sondern propagandistsische Globalisierungsdreck nach CDU und Medien-Stream. Wenn NWO Dein Konzept ist bist Du der Weltfaschist und Freiheitsmörder und nicht jene Menschen, die ihre eigene Freiheit und Selbstbestimmung zurück haben wollen. Selbst dann wenn sie nach „deutscher Lebenskultur“ gelebt werden will.
Du willst einen Weltfaschismus (Diktatur) und arbeitest für Medien die von sogen. „Ratten“ gesteuert sind um uns den Mund zu knebeln?! – Pfui.
Ließ mal das Buch von Ulfkotte – Gekaufte Journalisten.