Die feindlichen Brüder

Ein Attentäter erschießt auf einer norwegischen Insel Dutzende wehrlose Menschen, größtenteils junge Linke, die nur feiern und Spaß haben wollten. War es ein Dschihadist? Attentäter erschießen in einem jüdischen Pariser Musikklub Dutzende wehrlose Menschen, größtenteils junge Linke, die nur feiern und Spaß haben wollten. Waren es Rechtsterroristen? Während in Jerusalem militante Islamisten mit Messern auf Juden losgehen, geht in Köln ein militanter Nazi auf eine deutsche Politikerin mit einem Messer los. In Frankreich ermorden IS-Terroristen einen Priester in dessen katholischer Kirche, in den USA ermordet ein Ku-Klux-Klan-Terrorist einen schwarzen Pastor und acht Gläubige in dessen Kirche. Wie kommt’s, dass diese Mörder und ihre Taten sich zum Verwechseln ähnlich sehen?

Faschisten und Islamisten sind Brüder im Geiste, wenn auch feindliche Brüder. Jede ihrer Taten stärkt den Gegner, gemeinsam arbeiten sie gegeneinander daran, dass die Prophezeiung vom Krieg der Kulturen sich erfüllen möge. Es sind so ziemlich dieselben Dinge, die Faschisten und Islamisten verhasst sind: die Demokratie und die freie Presse, die Vermischung der Kulturen, die selbstbewussten Frauen und die Juden. Würden die Islamisten und die Faschisten sich nicht zufällig auch gegenseitig hassen, sie könnten einander liebend in die Arme fallen. Es ist, als hätte eine teuflische Vorsehung beide beauftragt, im Kampf gegeneinander die Zivilisation zugrunde zu richten. Wer die Zivilisation verteidigen will, dem bleibt nichts übrig, als sich beiden Ausgeburten der Dummheit und der Bosheit entgegenzustellen. Wer hingegen meint, sich auf eine Seite schlagen zu müssen, um die andere zu besiegen, der befördert nur den gemeinschaftlichen Triumph beider.

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