Boris Preckwitz, ein Barde des neuen Faschismus

Was ein rechter Faschismus werden will, das braucht auch Sänger. Gesucht werden Barden, die mit donnerndem Groll den linken Volksfeind verwünschen und mit schepperndem Pathos die Nation preisen. Aber woher bekommt man solche Sänger? Echte Dichter, die Sympathie für den historischen Faschismus empfanden, wie etwa Gottfried Benn, bemerkten meist schnell, dass sie sich verrannt hatten, und kehrten rechtzeitig um. Als Barden des Faschismus blieben danach nur noch all jene mittelmäßigen Kleckser übrig, die den Kuss, den ihnen die Muse aus Ekel hartnäckig verweigerte, stattdessen selbst dem Führer gehorsam auf den Stiefel drückten. Die neuen Faschisten haben nun zwar noch keinen Dichter gefunden, aber immerhin einen, der des Schreibens halbwegs mächtig ist: Boris Preckwitz.

Die Lebenstragik von Boris Preckwitz besteht darin, dass er sich für einen Dichter hält, aber keiner ist. An Intelligenz mangelt es ihm durchaus nicht. Seine frühen Essays wie etwa im Band Spoken Word & Poetry Slam. Kleine Schriften zur Interaktionsästhetik zeigen einen belesenen und theoretisch versierten Autor. In jenen Jahren hatte Preckwitz sein Schicksal mit dem Poetry Slam verknüpft und versuchte, dieser Literaturbewegung eine Poetik zu liefern, um sie zur „Anti-Avantgarde“ zu entwickeln. Bloß kümmerte sich der Poetry Slam herzlich wenig um die Vorschriften von Boris Preckwitz und wuchs stattdessen zu einem Teil der Popkultur heran, der inzwischen vor allem als Talentschmiede des Kabaretts dient. Boris Preckwitz war sauer über diese Missachtung und wandelte sich ganz im Stil der Elche zum schärfsten Kritiker des Poetry Slams. Mit einigen Vorwürfen traf er auch ins Schwarze. Doch Schwächen im Konzept des Poetry Slams lassen sich so einfach entdecken wie Pickel im Gesicht eines Teenagers.

Preckwitz verband mit seiner Kritik recht eigennützige Absichten. Er stieß sich von der Subkultur ab, um bei der Hochkultur zu landen. Er hatte längst begonnen, auch selbst Gedichte zu schreiben, wovon sich aber schlecht leben ließ, weil diese Gedichte niemand kaufen wollte. Für Poeten, die sich in der Literaturszene tummeln, stehen in solcher Lage aber immerhin Preise und Stipendien bereit. Doch gibt es sehr viele Autorinnen und Autoren, die sich so durchs Leben schlagen. Preckwitz suchte nach einer Marktlücke und inszenierte sich als politischer Dichter mit rebellischem Gestus. Ein Alleinstellungsmerkmal hatte er damit zweifellos gefunden: Es mag viele Subventionslyriker geben, aber einer, der in seinen Gedichten die Hand beißt, die ihn in Wirklichkeit füttert – das war neu. Preckwitz beließ es aber dabei nicht.

Ob es Kalkulation oder eine Vollmeise war, die Boris Preckwitz dazu brachte, sich auch noch zum rechten Rand zu bewegen, lässt sich aus der Ferne schwer beurteilen. In seine Kritik am Poetry Slam schmuggelte er kulturkonservatives Geraune über die „Geistigkeit und Überzeitlichkeit der deutschen Kultur“ und in seine Gedichte Carl-Schmitt-Zitate – ganz zur Zufriedenheit der neuen Rechten. Die Belohnung ließ nicht auf sich warten: Er wurde in die Alternative für Deutschland aufgenommen und zum Stadtschreiber von Dresden ernannt. Wahrlich zwei literarische Ritterschläge ersten Ranges! Der unmittelbare Kontakt mit PEGIDA ließ sodann bei ihm offenbar auch noch die letzten Sicherungen durchbrennen.

Überzeugen kann man sich davon auf Preckwitz‘ literarischem Blog, der – wie es sich für einen Rechtsaußen gehört – Militanz der Mitte heißt. Die veröffentlichten Gedichte sind so schlecht, dass man nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll. Die Technik, mit der Boris Preckwitz Lyrik simuliert, ist geradezu peinlich schlicht: Man nehme eine möglichst platte politische Phrase, zerhacke den Satz dann, schreibe die Teile untereinander und quirle die gewöhnliche Wortstellung noch ein bisschen durcheinander. Heinrich Heine erfand für diese Art der Makulatur den schönen Begriff „gereimte Zeitungsartikel“ – allerdings bekommt Preckwitz selbst Reime nur selten hin. Als Beispiel diene das Poem mit dem subtilen Titel Merkel muss weg:

Wir schaffen das,
schwafelte die Kanzlermadame. Sie
hat es geschafft, das Land zu spalten, sie
hat es geschafft, einen Erdteil zu spalten.
Sie – und jene Geister, den sie rief –
haben hier nichts mehr
und gar nichts zu schaffen.

Wir jedenfalls
wollen mit ihr
nichts zu schaffen haben.

Preckwitz‘ Blog ist ein komplett gefüllter Krämerladen für den gewöhnlichen Reichsbürger- und Klemmnazibedarf. Natürlich geht’s oft gegen die „Maulhuren“ der Sudel-Journaille und ihre Lügen, was bei einem Mann, der als PR-Fatzke sein Geld auch schon mal selbst als professioneller Lügner verdiente, doch etwas überrascht. Die Kommunistenfresser und Judenhasser zugleich bedient er mit einem Poem, das die Ermordung der illegal eingewanderten „Galizierin“ Rosa Luxemburg durch „Kolbenhieb an den Kopf“ aufs Schönste begründet. „Huschen Schwule durch die Schule“, beginnt ein Gedicht über grüne Kinderschänder, das mit einer zauberhaften Wortschöpfung endet: „Mal wieder wollen sie die Welt verändern, / jetzt gehen sie vergewaltigendern.“ Gegen die Multikultitrottel wird mit den Waffen der konkreten Poesie im Dauerfeuer geschossen: „frauenhandel aus der vielfalt / drogenhandel aus der vielfalt / falschaussage aus der vielfalt / ladendiebstahl aus der vielfalt / vergewaltigung aus der vielfalt / …“ – und noch sehr, sehr lange immer so weiter. Und den Rassisten erklärt Boris Preckwitz, wer allein schuld an Afrikas Schande hat – natürlich der Neger:

[…] Schwarze sind es,
die immer noch Schwarze
verjagen, vergewaltigen, zerhacken,
Wo immer sie darben
auf Wegen und Wellen,
wo immer sie sterben
in Wäldern und Wüsten,

das Elend Afrikas
ist die Schande des schwarzen Mannes.

Lohnt es sich, hier oder andernorts Preckwitz‘ Gedichten ein vernünftiges Wort zu entgegnen? Hier zum Beispiel, daran zu erinnern, dass es Soldaten des belgischen Königs waren, die Afrikaner zum Spaß zerhackten, und deutsche Krieger, die in Namibia Frauen und Kinder verdursten ließen? Dass noch heute die Konflike in Afrika auch von Interessen des Westens bestimmt werden? Nein, es lohnt sich nicht, vernünftig über Boris Preckwitz‘ Blog zu reden – so wenig, wie es sich lohnt, auf einer Müllhalde zu pflügen und zu säen. Man muss diesen Autor zu jenen intelligenten Leuten zählen, die in der letzten Zeit ihren Verstand und ihren Geschmack völlig verloren haben. Wir müssen ihn wohl abschreiben.

Boris Preckwitz selbst hält sich allerdings für historisch. Im programmatischen Gedicht Militanz der Mitte heißt es mit gebührender Bescheidenheit:

Ich bin die Sprache,
die man in diesem Land
verlernt hat zu sprechen,
und gebe mich als Stimme seiner Freiheit
zu verstehen.

[…]

In den Tagen des Haders
habe ich verachten gelernt,
die Anmaßungen der Landeshasser –
und habe das Linkspack gelernt zu verlachen,
das sich hat pressen lassen
in Argseligkeit und Selbstablehnung,
und kennen nichts anderes mehr als die Sprache der Niedertracht.

Mit denen treibe ich Spass und die gebe ich meinem Spott preis,
deren ganze Verfassung die Angst ist.

[…]

Und das ist der eine Satz,
der das Urteil über sie fällt:

Man regiert einen Staat nicht
als ob einem fremd sei das eigene Land.

Einer, der die deutsche Sprache beherrschte, statt sie verkörpern zu wollen, hätte im letzten Vers seines wichtigsten Gedichtes vielleicht den korrekten Konjunktiv verwendet, der da „wäre“ gewesen wäre. Ich fürchte, dem Spott setzt sich ein Deutscher nur selbst aus, der gerne Undeutsche verspotten will, aber zugleich nicht weiß, wie man „Spaß“ richtig schreibt.

Leider wird Preckwitz nicht einmal bei seinen neurechten Kameraden als Dichter Karriere machen, denn diese schätzen modern geformte Lyrik noch weniger als Lyrik überhaupt. Für die Patridioten müsste er schon röhrende Hirsche vorm Eichenwald dichten – und vielleicht macht er das auch bald. Ins Buch der deutschen Literaturgeschichte wird dieser Autor jedenfalls nur als hässlicher Tintenfleck am rechten Rand einer bräunlich verfärbten Seite eingehen.

Vielleicht will aber Boris Preckwitz gar nicht als Dichter in die Geschichte eingehen, sondern als Terrorist. Enthalten doch seine Gedichte mehr als nur einen Aufruf zur Gewalt: „gewalt, die uns frei macht, ist widerstandsrecht.“ – „Aber schließlich – wenn es darum geht, die Seinen und das Eigene zu schützen, muss man den Krieg führen.“ Für Boris Preckwitz gehören Dichtung und Gewalt wohl zusammen: „So lange Schwert und Stahl bestehen / soll auch das Land / meine Worte sagen und singen.“ Man darf gespannt sein, was aus dieser militanten Mittelmäßigkeit noch wird.

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Kommentare
  1. Paule

    Gerade wenn die politische Ausrichtung des Gegenüber gruselig ist, sollte man sich möglicherweise, zum Beispiel durch die eigene Arroganz, methodisch auf der selben Ebene bewegen. Das wäre so meine Kritik am etwas geschwollenen Text. Als Konjunktiv von „ist“ ist „sei“ formal völlig in Ordnung, auch wenn es stilistisch möglicherweise etwas altbacken wirkt. Aber dies wäre ja offensichtlich ganz im Sinne des Autors.
    Solidarische Grüße
    Kein Literat, eher ein Legastheniker
    Kein Poet, eher ein mäßiger Autist
    Sondern einfach nur Paule

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