Ausländer für Deutschland

Mit dem Spruch „Gemeinsam für unser Deutschland“ warb vor einer Weile ein Kandidat der Alternative für Deutschland um Stimmen. Das wäre nun nicht ungewöhnlich gewesen, hätte der Slogan nicht auf Russisch auf den Plakaten geprangt. Der Kandidat fand nichts dabei, mit kyrillischen Buchstaben fürs Deutschnationale zu werben. Er wolle eben die Russlanddeutschen ansprechen, sagte er. Viele Parteigenossen machen’s inzwischen nach. Warum aber dann nicht auch Plakate auf Türkisch, um die Deutschen türkischer Herkunft zur AfD zu locken?

Viele der Menschen, die einst als Spätaussiedler aus der Sowjetunion nach Deutschland kamen, sind inzwischen in der Gesellschaft bestens aufgehoben. Es gibt aber auch welche, die bis heute lieber Russisch sprechen, in russischen Läden einkaufen und russisches Fernsehen schauen. Sie betrachten Putin als ihren Präsidenten wie manche Türken in Deutschland Erdoğan. Warum schimpft hier keiner über Parallelgesellschaft? Weil eine Menge Russlanddeutsche brav rechts wählen, einst die CDU, heute die AfD. Da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Um an die Macht zu kommen, benötigen Faschisten ein Feindbild. Sie müssen der Gesellschaft einreden, sie werde von innen und außen tödlich bedroht, allein die nationale Revolution könne Rettung bringen. Welches Feindbild dazu benutzt wird, ist aber ziemlich gleichgültig: polnische Bauern oder jüdische Bolschewisten, portugiesische Gastarbeiter oder arabische Flüchtlinge. Es mangelt den Faschisten auch nie an Beweisen für ihre Ideologie: Immer findet sich ein Jude, der wirklich Spekulant, ein Italiener, der wirklich Mafioso, ein Muslim, der wirklich Gotteskrieger ist. Ausgewählt wird immer das Feindbild, das sich gerade am besten macht.

So kommt es zu den lustigsten Kehrtwenden: Dieselben Leute, die einst in jedem Spätaussiedler einen Helfer der „Russen-Mafia“ sahen, werben nun um diese lieben Landsleute. Die Flüchtlinge der Balkankriege, einst bloß „kriminelle Jugos“, sind plötzlich serbische und kroatische Kameraden in nationalen Freiheitskampf. Polen sind keine notorischen Autodiebe mehr, sondern Vorbilder im Kampf gegen westliche Dekadenz. Liebe Faschisten, ihr müsst ein bisschen aufpassen, sonst bleiben euch am Ende als Feindbild nur noch die Außerirdischen!

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Dieser Text erschien zuerst als Kolumne der Rubrik Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung.

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Kommentare
  1. Frans Bonhomme

    Ich staune ja immer, wie Linke wie von selbstverständlich annehmen, dass Migranten mit islamischen Hintergrund, nach dem sie sich in Deutschland eingelebt haben, später mal Links wählen werden. Passen konservative Parteien denn nicht viel besser zum Islam?

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    • Michael Bittner

      Ich glaube das nicht und glaube auch nicht, dass alle Linken das glauben. Im Übrigen sind die Menschen mit „islamischem Hintergrund“ keine Einheit. Einige von ihnen wählen links, andere rechts. So wie andere Menschen auch.

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  2. Frans Bonhomme

    Differenzieren ist gar nicht so schwer wenn man denn möchte, vielleicht sollte man also anerkennen, das Rechte auch keine Einheit sind, deren einziges Ziel ist, mit einem Feindbild die Macht zu übernehmen und eine faschistische Diktatur zu errichten. Das trifft gerade auf die Haltung der Rechten zu Russland zu.

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  3. Frans Bonhomme

    Okay, aber wenn nicht alle Rechten Faschisten sind, wie Sie richtig sagen, kann es dann nicht sein, das der Herr mit dem russischen Plakat gar keine Kehrwende weg von Feind-Hetze gegen Russen gemacht hat, sondern viel plausibler er einfach kein Faschist ist?

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    • Michael Bittner

      Wenn er sich in der AfD wohlfühlt, dann ist er zumindest einverstanden damit, dass zwar nicht die Russen, aber andere Gruppen von Menschen politisch als Feindbilder ausgebeutet werden. Wie Sie dieses Verhalten bezeichnen wollen, überlasse ich gerne Ihnen.

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      • Frans Bonhomme

        Das die AfD aus Vorurteilen gegenüber Zuwanderern politisch Kapital schlägt, lässt sich wohl nicht bestreiten.
        Dennoch brachten Sie ja den Begriff des Faschismus ins Spiel. Das schien mir unangemessen, da ich z.B. Mitglieder der Linkspartei auch nicht pauschal als Stalinisten bezeichnen würde, obwohl doch auch diese Partei so einige Mitglieder hat, bei denen Zweifel an der Festigkeit ihrer demokratischen Gesinnung besteht, sollte diese mal durch Macht in Versuchung geführt werden.

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