Lernen vom Leibhaftigen. Über den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2020

Noch nie hatte ich bislang von einem Wettlesen um den ­Ingeborg-Bachmann-Preis mehr als Ausschnitte gesehen. Woher die Scheu? Mich überfiel stets Beklemmung angesichts der Inszenierung dieser Klagenfurter Castingshow: Mit sichtlichem Widerwillen unterwerfen sich da Autorinnen und Autoren einer öffentlichen Demütigung. Sie liefern vor einer Auswahlkommission des Literaturbetriebs eine mündliche Aufnahmeprüfung ab, in der vagen Hoffnung, so den Durchbruch zum Ruhm zu schaffen. Dieses Marketing funktioniert aber leider tatsächlich so gut, dass einst selbst ein geschmackvoller und prinzipienfester Künstler wie Wolfgang Herrndorf die Entwürdigung nicht scheute, in Klagenfurt gegen einen Uwe Tellkamp zu verlieren. Ich versuche, mein altes Unbehagen abzuschütteln, bevor ich mich in diesem Jahr zum ersten Mal vor den Bildschirm setze, um den gesamten Wettbewerb zu verfolgen.

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