Da hilft nur Persönlichkeitsspaltung. Über Max Ottes „Die Krise hält sich nicht an Regeln“

Wenn Krisen bis in den Mittelstand durchschlagen, beginnen die Bürgerlichen an ihrer eigenen Gesellschaft zu zweifeln. In solchen Zeiten sind Intellektuelle gefragt, die den Kapitalismus verteidigen, indem sie ihn so kritisieren, dass der Zorn von ihm abgelenkt wird. Vor einhundert Jahren übernahmen nationalistische und faschistische Ideologen diese Aufgabe. Sie wird aber auch heute wieder von einigen Schriftstellern mit beachtlichem Erfolg erledigt. Der ehemalige Ökonomieprofessor, Fondsmanager und Bestsellerautor Max Otte erlangte als »Crash-Prophet« Berühmtheit, weil er 2006 den Zusammenbruch der Aktienmärkte voraussagte, wenngleich der von ihm ebenfalls prognostizierte »Weltsystemcrash« bis heute auf sich warten lässt. Otte war für eine Weile in den Medien allgegenwärtig, sein Ruf nach einer Regulierung der Finanzmärkte und einer Finanztransaktionssteuer verschaffte ihm Zuneigung auch im linken Lager. Doch der Boom endete, als Otte sich im Gefolge der Aufnahme von Geflüchteten 2015 trotz seiner CDU-Mitgliedschaft immer offener zur AfD bekannte und sogar zum Vorsitzenden des Kuratoriums der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung abstieg. Wie schwer es Otte fällt, jetzt ohne die Gunst des Mainstreams auszukommen, verrät er in seinem aktuellen Buch Die Krise hält sich nicht an Regeln.

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