Die Wurzeln der Deutschen

Der Deutsche liebt den Wald. Der Deutsche liebt den deutschen Wald. Zwar hat Eiche, Buche und Linde niemand gefragt, ob sie denn wirklich die deutsche Staatsangehörigkeit haben wollen, aber auf solche Empfindlichkeiten nehmen wir keine Rücksicht. Die alten Germanen saßen nun einmal im dunklen Forst und fraßen mit Vorliebe Eicheln, deswegen ist der Wald auf ewig unser. In der unsterblichen Liebe zum Wald wurzelt wohl auch unsere Leidenschaft für Wurzeln.

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Zitat des Monats Juli

Schon weigern sich, so weit meine Kunde reicht, die einzelnen Meister in Deutschland, wo sie können, Lehrlinge und Gesellen zu nehmen, weil sich ihnen als solche fast nur brutale, anspruchsvolle, faule, ungeschickte und zum Lernen unwillige Bengel anbieten, mit denen nichts zu thun zu haben das einzige Mittel zu einem nach allen Seiten der Berufsthätigkeit erträglichen Leben ist: ein erfreulicher Nachwuchs ist mithin nicht vorhanden, und damit fehlt die Grundlage für die Zukunft.

Paul de Lagarde: Über die gegenwärtige Lage des deutschen Reichs (1875)

Allein gegen Sachsen. Über Paula Irmschlers Debütroman „Superbusen“

Seit Herbst 2018 ist Paula Irmschler Redakteurin bei der Titanic und Teil des Versuchs, das traditionsreiche satirische Herrenmagazin ein wenig jünger und weiblicher zu machen. Irmschler erhöht die Diversität in Frankfurt am Main aber noch in anderer Hinsicht: Auch als gebürtige Dresdnerin ist sie Exotin bei einer Zeitschrift, die „Zonis“ bislang nur als Witzfiguren kannte. In ihrem ersten Roman „Superbusen“ hat die Autorin nun ihre sächsische Herkunft als Hauptthema verarbeitet.

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Termine der Woche

Am Montag (27. Juli) lese ich in Dresden, sofern es keinen Wolkenbruch gibt, ab 19:30 Uhr ein paar Geschichten bei der Lesenacht zum Palaissommer. Es folgen an diesem Abend noch die Kollegen Christian von Aster und Francis Mohr, für Musik sorgt Micha Winkler. Organisiert von den Verlagen edition AZUR, salomo publishing und Edition Roter Drache, moderiert von Katharina Salomo. Das Ganze findet im Park hinter dem Japanischen Palais statt. Der Eintritt ist frei.

Ins grüne Herz

In einer inzwischen auch schon wieder fernen Zeit fuhren die Züge Richtung München noch nicht mit halber Lichtgeschwindigkeit über eine Neubautrasse nach Süden. Stattdessen tuckerten sie gemächlich durch das Saaletal nach Jena und quälten sich dann im Schritttempo über den Frankenwald, bevor sie jenseits der Grenze zu Bayern langsam Fahrt aufnahmen. Reiste ich früher mit diesen Zügen, so dachte ich auf dem Weg durch das Tal der Saale immer: Wie schön das hier ist! Wie sich dieser muntere Fluss zwischen felsigen Hügelketten bewegt, auf deren Gipfeln Burgruinen thronen! Du solltest dir einmal die Zeit nehmen, hierher zu reisen und alles genauer in Augenschein zu nehmen!

Natürlich nahm ich mir die Zeit nie. Denn irgendwas ist ja immer und vermeintlich wichtiger. Die Corona-Seuche gab mir nun endlich die Gelegenheit, mir meinen alten Wunsch selbst zu erfüllen. Denn nach Monaten der Zurückgezogenheit in meiner eigenen Wohnung war ich dieses an sich angenehmen Ortes überdrüssig. Nach Wochen, in denen Ausflüge mich bestenfalls bis Hohenschönhausen führten, sehnte ich mich nach wenigstens ein bisschen südlicher Ferne. Kaum waren die Reiseverbote aufgehoben, öffnete ich meinen Diercke Weltatlas, schlug die Karte von Mitteldeutschland auf und spähte nach dem blauen Äderchen, das die Saale repräsentierte. Und ebenda, wo die bräunlichere Farbe der Karte wachsende Bergigkeit des Geländes markierte, entdeckte ich Rudolstadt in Thüringen. Dunkel erinnerte ich mich, dass in dieser kleinen Residenzstadt auch Goethe und Schiller ihrerzeit zugange gewesen waren. Ich buchte mir kurzentschlossen eine Fahrkarte und für ein Wochenende ein Zimmer im vertrauenswürdig betitelten Hotel „Thüringer Hof“.

Als ich auf dem Bahnhof aus dem Zug steige, begrüßt mich das Motto der Stadt: „Rudolstadt – Schillers heimliche Geliebte“. Habe ich mich vielleicht doch falsch entschieden? Gewöhnlich sind mir Leute, die den in mancher Hinsicht doch recht spießbürgerlichen Dichter Schiller lieben, eher verdächtig. Soll das auch für Städte gelten? Ich ziehe mein Telefon aus der Tasche und befrage das Internet, was es mit Schiller und Rudolstadt wohl auf sich hat. Ich erfahre: Der Dichter war hier nicht nur wegen des Hoftheaters, sondern verliebte sich auch, und zwar gleich in zwei Schwestern. Da erinnere ich mich, dass ich vor Jahren sogar einmal ein Buch über eben diese „Doppelliebe“ gelesen habe: Schiller wollte mit den Schwestern Charlotte und Caroline am liebsten in einer Ehe zu dritt leben, ganz selbstlos, um seine überfließende Liebe zu teilen und beide zu beglücken, konnte sich mit seinem Vorschlag aber nicht durchsetzen. Er heiratete am Ende Charlotte, die bravere der beiden Schwestern, ohne seine Leidenschaft für die wildere Caroline ganz zu verleugnen. Man sieht: Gerade die Männer, die moralisch tun, haben es oft faustdick hinter den Ohren.

Ich laufe erst einmal zum Marktplatz, der sich nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt befindet. Dort setze ich mich auf eine Bank und beobachte das Treiben. Es gibt Städte, die man sofort ins Herz schließt, ohne recht zu wissen, warum. In Rudolstadt geht es mir so. Ist es der weite, fast südländische anmutende Platz mit seinen historischen Gebäuden, auf den von einem Hügel ein riesiges, prachtvolles Schloss blickt? Oder sind es die Thüringer, die schwatzend um mich wimmeln, diese Neapolitaner des Nordens, die es schaffen, ön wörglöch jödöm Wörd möndöstöns ön Ö öndörzubröngön?

Nachdem ich im Hotel „Thüringer Hof“ meine Sachen aufs Zimmer geschafft habe, muss ich mich sofort in die Gaststube setzen. Es ist ein Ort von gewaltigem Zauber, der noch kaum durch Modernisierung gebrochen ist. Tresen und Möbel sind eichenhölzern. An den Wänden hängen historische Landkarten, Genrebilder und nach Art von Geweihen angebrachte Fischköpfe. Von dieser Umgebung geradezu genötigt, bestelle ich ortsgemäß Thüringer Klöße. Das einheimische Bier trägt den Namen Rolschter und schmeckt auch so. In einer Ecke sitzt ein zottelbärtiger, sehniger Alter in Wandertracht und redet mit sich selbst. Alles hier ist vollkommen. Nur dass man das Lächeln des Kellners hinter seiner Maske nicht sehen kann, stört ein wenig. Aber ich stelle mir einfach vor, dass diese Gaststube als Refugium des Altertums vor der Infektion mit den Keimen der Gegenwart bewahrt werden muss. Schon hat alles seine Richtigkeit.

Ab Abend spaziere ich hoch zum Schloss Heidecksburg. Vom Garten aus blickt man weit über das Saaletal, auf der anderen Seite des Flusses qualmt gerade malerisch ein junger Waldbrand. Nur zwei Familien treiben sich außer mir noch auf dem Gelände herum. Dann spaziere ich am Rand des Rudolstädter Hains entlang, den Blick immer auf die Stadt unter mir geheftet. Ein Wanderzeichen verrät mir, dass ich mich gerade auf dem „Schillerweg“ befinde. Hier also stolzierte der fesche Friedrich mit seinen zwei scharfen Schwestern, bevor sich die drei frohgemut zum Petting niederlegten! Oder taten sie dies doch erst auf der anderen Seite des Flusses, wo ein Hügel den verräterischen Namen Schillerhöhe trägt? Bis dorthin laufe ich jetzt nicht mehr, denn es dämmert schon. Ich kehre in die Stadt durch den Mörlagrund zurück, ein düsteres und kühles Felsental, das mich wie von selbst zur Dichtkunst treibt:

Durch diese hohle Gasse schritt schon Schiller.
Zwei Schwestern bei ihm. Welche will er?
Er quält sich, ruft: „O, wie ich leide!“
„Moment, ich hab’s! Ich nehm’ sie beide!“

Am nächsten Morgen werfe ich mich nach dem Frühstück selbst in Wandertracht. Ich habe mir vorgenommen, mich an diesem Wochenende tagsüber in Wald und Flur zu bewegen, um in meinen Ferien nicht bloß Bierspeck anzusetzen. Ich will nach Saalfeld laufen. Der Weg führt zunächst immer am Ufer der Saale entlang. Der Weg ist schattig, um mich her lärmen in den Bäumen wie von Sinnen die liebestollen Vögel. Menschen begegne ich kaum. Bald erreiche ich die erste Attraktion, die mir von der Wanderkarte versprochen wurde: die Rudolstädter Riviera. Von Strandbars voller reicher und schöner Menschen fehlt leider jede Spur. Ich sehe nur Sandsteinfelsen, die wahrscheinlich erst noch einige hunderttausend Jahre verwittern müssen, bevor sie einen brauchbaren Saalestand abgeben.

Im Dörfchen Oberpreilipp erkundige ich mich bei einer Einheimischen, die in ihrem Garten werkelt, nach dem Weg zum 482 Meter hoch aufragenden Gipfel des Kulm. Dort soll es einen Aussichtsturm geben. Die brave Thüringerin läuft mit mir zu einer Umgebungskarte am Straßenrand, um mir gleich drei Wege anzubieten. Ich habe schlechtes Gewissen wegen der Mühe, die ich ihr bereite, und bedanke mich herzlich. Ein Stündchen später spähe ich vom Aussichtsturm und erkenne, dass Thüringen nicht ohne Recht beansprucht, als grünes Herz Deutschlands zu gelten. Wälder, wohin das Auge schweift. Durch das Melktal, in dem sich sprachgemäß eine Menge Rinder tummeln, steige ich wieder hinunter zur Saale, der ich bis nach Saalfeld folge. Nur einmal lege ich auf dem Weg noch eine Rast ein, in einem kleinen Café in einem alten Fachwerkhaus. Zwei rüstige Thüringerinnen kümmern sich liebevoll um ihre Gäste. Als ich nach dem Genuss eines Bieres spontan noch um ein zweites nachsuche, bestärkt mich eine der Damen: „Nö glör, dringön Sö schön nöch öns!“

In der Altstadt von Saalfeld schaue ich mich nach einem Biergarten um, der noch zum Verweilen brauchbar wäre. Es ist inzwischen windig geworden, Niesel geht nieder. Liegt es am Wetterwechsel, dass mir Saalfeld weniger einladend erscheint? Ich gehe in eine Drogerie, um mir Heftpflaster zu kaufen. Als ich wieder nach draußen auf den Marktplatz komme, heulen um mich her plötzlich Motoren auf. Es wird ausgiebig gehupt. Eine Kolonne von einem Dutzend Autos fängt an, den Platz zu umkreisen, im Uhrzeigersinn immer rechtsherum. Aus den Fenstern wehen schwarz-rot-goldene Flaggen, an den Scheiben sind bedruckte Zettel befestigt, auf denen „Freiheit!“ steht und „Gegen Diktatur!“ Die Gesichter der Männer und Frauen, die an der Blechpolonaise teilnehmen, glühen vor Freude und Befriedigung. Soll ich im Rahmen des freien Meinungsaustauschs vielleicht mal einen Finger rühren, den mittleren zum Beispiel? Aber das wäre ja, besinne ich mich, letzten Endes auch Quatsch und wurscht. Ich verlasse das traurige Saalfeld mit dem nächsten Zug.

Auch am nächsten Tag kehre ich abends schön müde von einer tüchtigen Wanderung heim. Ich bin nach Bad Blankenburg und wieder zurück nach Rudolstadt gelaufen. Nun sitze ich auf der Terrasse beim örtlichen Italiener am Marktplatz und warte auf meine Pizza. „Habt ihr noch mehr Tische weggenommen?“, fragt der Chef des benachbarten Cafés den italienischen Kellner. Der zuckt nur mit den Schultern und erwidert: „Siehst ja.“ Außer mir hat sich nur noch ein leicht verwahrloster Trinker vors Lokal gesetzt, auf ein schnelles Bier und einen stinkenden Zigarillo. Auch er wird zuvorkommend bedient, die Italiener schätzen hier wohl gerade jeden Gast. Erst als ich aufgegessen habe, finden sich doch noch einige Familien ein, die aus unerfindlichen Gründen aber nicht an der frischen Luft sitzen wollen, sondern sich ins Innere des Lokals drängeln.

Es ist noch nicht spät und ich schlendere ein wenig durch die Gassen. Da erspähe ich vor einem Hofeingang einen Aufsteller, auf dem mit Kreide „Pub Open“ geschrieben steht. Ein Schild am Haus verrät, dass ich vor dem Letterkenny Irish Pub stehe. Ich betrete den schmalen Innenhof, wo nur ein Paar an einem der Tische sitzt. Die beiden begrüßen mich überschwänglich, so als wäre ich schon ein Stammgast.
„Wie hast du hierhergefunden?“, fragt mich der Mann mit irischem Akzent.
„Naja, draußen steht ‚Kneipe geöffnet‘“, antworte ich. „Das ist ein Satz, der auf mich immer anziehend wirkt.“
Die beiden sind die Betreiber des Pubs: die Schottin Selena und ihr Mann Karol, ein echter Ire. Ich gehe nach drinnen, um mir am Tresen ein Kilkenny zu holen. Doch zunächst erstarre ich in Ehrfurcht vor dem riesigen, wundervollen Gastraum. Er ist so schön, dass ich am liebsten sofort hier einziehen möchte. Als ich mit meinem Bier wieder draußen sitze, fragt mich Karol, wie ich auf die Idee gekommen bin, gerade Rudolstadt zu besuchen. Als Touristen kämen sonst nur alte Leute hierher.
„Naja, sage ich, ich habe eigentlich mit einem Finger auf eine Landkarte getippt.“
„So ähnlich war es bei mir auch!“, sagt er.
Er erzählt, er stamme aus dem Donegal, einer Region im Nordwesten der irischen Insel, sei vor Jahren zufällig hierhergekommen und habe sich augenblicklich in Rudolstadt verliebt. Er möge kleine Städte, Großstädte finde er zu anstrengend. Natürlich liebe er Rudolstadt auch, weil es hier das größte Folk-Music-Festival Deutschlands gebe. Dazu werde dann der Marktplatz, das Herz der Stadt, grün ausgeleuchtet. In diesem Jahr habe man das Festival leider absagen müssen. Den Irish Pub gebe es erst seit einem Jahr, in dem historischen Gebäude habe zu Zeiten der DDR die Gaststätte „Erholung“ existiert, dann lange keine Kneipe mehr. Wäre nicht Corona ausgebrochen, es gäbe auch im Pub jetzt Konzerte.
„Soll ich dir eine Führung geben?“
Karol zeigt mir alle Ecken der Kneipe. An den Wänden hängen Karten und Bilder des Donegal. Ein Foto zeigt den Bürgermeister von Letterkenny mit dem Bürgermeister von Rudolstadt. Karol ist es gelungen, seine alte Heimatstadt zur Partnerstadt seiner neuen zu machen. Einmal im Jahr, erzählt er, reise er mit einem Rudel Rudolstädtern nach Letterkenny und mache dort mit ihnen die Pubs unsicher.
Als wir in den Hof zurückkehren, steht eine alte Frau dort und schaut sich unsicher um. Sie fragt, ob es denn hier etwas zu essen gebe. Karol entschuldigt sich dafür, dass er leider nur Getränke im Angebot habe, aber schnell stellt sich heraus, dass die alte Frau weniger essen als endlich einmal wieder mit Menschen reden will. Denn seit dem Ausbruch der Corona-Seuche fühlt sie sich vereinsamt. Überhaupt verstehe sie das alles nicht und wer weiß, was da in Wirklichkeit dahinter stecke… Wir hören ihr ein Weilchen zu und so tut der Pub genau das, was ein Pub tun soll.

Ein paar Biere später mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel. Mir kommt ein Gedanke, der mich auch während der Rückfahrt am nächsten Morgen noch nicht loslässt: Ist der Ire nicht beneidenswert, der sich da eine eigene grüne Welt aufgebaut hat, eine kleine zwar, aber doch eine ganz und gar erfüllende und nützliche? Während ich ergebnislos in der Metropole vor mich hin schmiere und nicht einmal darauf hoffen kann, eines Tages von einer Kleinstadt zum Maskottchen erhoben zu werden wie der schlaue Schiller? Hätte ich vielleicht auch kurzentschlossen in Rudolstadt bleiben und dort sesshaft werden sollen? Beim Blick aus dem Zugfenster aber fällt mir ein: Auch die Saale verweilt zwar einige Zeit in Rudolstadt, macht sich dann aber doch davon nach Norden auf der Suche nach Größerem. Sie wird ihre Gründe haben.

Termine der Woche

Am Donnerstag (16. Juli) gastiere ich mit meiner Lesebühne Sax Royal erstmals im Dresdner Societaetstheater. Bei gutem Wetter findet die Show an der frischen Luft auf der Gartenbühne statt. Gemeinsam mit meinen Kollegen Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth präsentiere ich ein Programm unter dem Titel „Unterwegs und über Grenzen“. Wir machen in unseren Texten das, was in der verseuchten Wirklichkeit gerade nur schwer möglich ist: Wir reisen fröhlich durch die Welt, nehmen engste Fühlung mit Fremden auf und begegnen entfernten Kulturen. Manchmal finden wir in unseren Reisegeschichten die Exotik aber auch um die nächste Straßenecke oder in der Regionalbahn auf dem Weg in die heimatliche Provinz. Passend zum Thema haben wir uns den Reiseschriftsteller Michael Schweßinger  eingeladen, der aus Franken kommt und in Zeitz und ganz Europa zuhause ist. Er liest uns u.a. was aus seinem aktuellen Buch „In Buxtehude ist noch Platz“ vor. Los geht es um 20 Uhr. Da wegen der Corona-Regeln die Zahl der Plätze beschränkt ist, bitten wir euch sehr, Karten im Vorverkauf zu erwerben.

 

Von der Rolle

Es ist unbegreiflich, wie wir Menschen über Jahrhunderte so verblendet sein konnten, unsere Individualität völlig falsch zu verstehen. Wir Verblendeten glaubten, sie bestünde in Einzigartigkeit. Dabei lautet die korrekte Antwort: Identität. Inzwischen aber entdecken immer mehr Leute, dass der wahre Charakter erst zutage tritt, wenn die Seele passend uniformiert wird.

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Schwelende Wunden. Über „Die Kehre“, eine neurechte „Zeitschrift für Naturschutz“

Der AfD-Politiker Björn Höcke beherrscht die Methoden des Netzmarketings so gut wie die erfolgreichsten Influencer. Vor Kurzem veröffentlichte er in den sozialen Medien ein Foto, das ihn entspannt lesend auf einer Bank im Grünen zeigte, in der Hand die erste Ausgabe der neuen „Zeitschrift für Naturschutz“ namens „Die Kehre“. Mit persönlichen Worten machte er Werbung für das Magazin, von dem er sich offenbar einiges verspricht: „Heimatliebe und Naturschutz sind zwei Seiten einer Medaille. Dass die heimathassenden Grünen das Thema Naturschutz gekapert haben, ohne ihm gerecht werden zu können, ist eine der Tragödien der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir müssen es ihnen entwenden.“

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Wir können nicht allen helfen?

Fünf Jahre erst ist’s her, da nahm Deutschland gemeinsam mit wenigen anderen europäischen Staaten Menschen aus dem Nahen Osten auf, die vor Bürgerkrieg, Verfolgung oder perspektivlosem Elend geflüchtet waren. Und doch scheint der rasch zur „Flüchtlingskrise“ umdeklarierte Akt der Humanität schon fast vergessen. Dabei sollte er doch eigentlich Auftakt zum Untergang des Abendlandes sein! Man hat sich abgefunden, nimmt den Geflüchteten aber doch ein bisschen übel, dass man sich ihretwegen für ein Weilchen zum Mitgefühl hinreißen ließ. Die Mehrheit der Deutschen hat inzwischen sogar Angela Merkel ihren Anflug von Menschlichkeit verziehen, allerdings nur, weil die Regierung längst zur gewöhnlichen Politik der Abschottung zurückgekehrt ist. In einen Satz gerinnt die Mischung aus Resignation, Gleichgültigkeit und Widerwillen, mit der hierzulande viele mittlerweile Richtung Mittelmeer blicken: „Wir können nicht allen helfen!“

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Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Über Müll und Solidarität

Die mediale und politische Kampagne gegen Hengameh Yaghoobifarah wegen der Taz-Kolumne „All cops are berufsunfähig“ ist ein rechter Versuch, den Gegner einzuschüchtern und einen Geländegewinn im Kampf um die Hegemonie im öffentlichen Raum zu erzielen. An dieser Kampagne nicht mitzuwirken und sich ihr entgegenzustellen, ist eine Frage der politischen Klugheit, aber auch des Prinzips, die Redefreiheit als Mittel der Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu verteidigen. Die von manchen laut erhobene Forderung, solches Verhalten genüge nicht, auch ein Lob des Textes sei unbedingt erforderlich, ist Ausdruck einer Kriegslogik: Wer nicht völlig mit uns ist, der ist ganz gegen uns.

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