Aus meiner Fanpost (37): Für die Redaktion zur Überlegung!

Betreff: SZ 28.12.2018 – Der Presselügner

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich lese aus Prinzip Herrn Bittner nie. Dachte mir, versuchst es mal zu Weihnachten, da ja der Titel ebenso gut zu Herrn Bittner selber passt. Hätte ich es mal lieber nicht getan ! Gerade er, der nur schreibt was die öffentliche Meinung erwartet. Ausgerechnet der, der das schon seit Jahren so macht.

Es ist unglaublich, welchen Schwachsinn er zu Claas Relotius abgeliefert hat. Als langjähriger Leser frage ich mich schon, ob ich Ihr Blatt noch weiter beziehen sollte.

Herr Prof. Patzelt hat dagegen viel Lob verdient. Er erkennt und benennt Probleme, schaut weit voraus, z. T. visionär, ein Mann der Tat. Das alles fehlt bei Herrn Bittner, für mich ein Krämer aber ungeeignet für eine Tageszeitung Ihres Formates. Schade, dass Sie sich das antun.

Alles Gute im Neuen Jahr

Ihr Leser Frank ***

War nicht als Leserbeitrag gedacht, aber egal, mehr für die Redaktion zur Überlegung !

 

Sehr geehrter Herr ***,

vielen Dank für Ihren Denkanstoß betreffs meiner jüngsten Kolumne, den mir die Redaktion wie üblich weitergeleitet hat.

Ich stehe hier allerdings vor einem Mysterium, das sich mir noch nicht enträtseln will. Sie lesen meine Texte „aus Prinzip nie“ – und doch wissen Sie genau, was ich „seit Jahren“ schreibe. Das ist phänomenal! Sie haben einen Weg gefunden, den Inhalt von Texten zu erfassen, ohne sie zu lesen! Ich gehe also davon aus, dass Sie über eine übersinnliche Art der Wahrnehmung verfügen. Sie sollten diese unbedingt in den Dienst der Wissenschaft stellen! Sie könnten ja den Inhalt ganzer Bibliotheken durch einen kurzen Rundgang in Ihren Geist aufnehmen!

(Die einzige andere mögliche Erklärung verwerfe ich als völlig unglaubhaft. Sie bestünde in der Annahme, dass Sie ein Schelm sind, der sich nicht entscheiden kann, ob er einen ungeliebten Autor als bedeutungslos abtun oder als höchst ärgerlich verdammen will, und der deswegen den Gesetzen der Logik trotzt, um beides zugleich zu tun.)

Hochachtungsvoll, Michael Bittner

Zitat des Monats Dezember

Die ganze Geschichte des gesellschaftlichen Fortschritts war eine Folge von Übergängen, durch die eine Sitte oder Institution nach der anderen, die man für unverzichtbare Bedingungen des Zusammenlebens gehalten hatte, in den Rang von allgemein geächteter Ungerechtigkeit und Unterdrückung sanken. So geschah es mit den Unterscheidungen von Sklaven und Freien, Adligen und Leibeigenen, Patriziern und Plebejern; und so wird es, und ist es teilweise schon, geschehen mit den Aristokratien von Farbe, Rasse und Geschlecht.

ein alter, weißer Mann im Jahr 1861

Termine der Woche

Am Dienstag (11. Dezember) bin ich als Gastautor bei der Lesebühne Phrase IV in Dresden. Die Stammautoren sind die Dresdner Schriftsteller Francis Mohr, Henning Wenzel und Lars Hitzing. Los geht es um 20 Uhr in der gemütlichen Veränderbar.

Am Donnerstag (13. Dezember) gibt es die letzte Show meiner Dresdner Lesebühne Sax Royal in diesem Jahr. Während sich in Dresden die Massen beim Striezelmarkt ins Glühweindelirium schießen oder zuhause unterm Tannenbaum bis zur Besinnungslosigkeit besinnlich sind, heizen wir dem Publikum wieder mit neuen Geschichten, Gedichten und Liedern ein. Die Zuschauer dürfen sich nicht nur auf die Stammautoren Stefan Seyfarth, Roman Israel und mich freuen, sondern auch noch auf zwei Gäste aus Berlin: den Schriftsteller, Vorleser und Geschichtenerzähler Paul Bokowski, Mitglied der Lesebühne Fuchs & Söhne und Autor des Erfolgsbuches „Hauptsache nichts mit Menschen“, sowie die Songwriterin Masha Potempa, die in ihren Liedern Poesie und Witz verbindet und ihr aktuelles Album Rauchschwalben am Horizont mitbringt.

Am Sonntag (16. Dezember) reise ich zum Jahresabschluss mal wieder nach München zu einer der stimmungsvollsten Lesebühnen der Republik, den Schwabinger Schaumschlägern im gemütlichen Vereinsheim in Schwabing. Ich lese mit den Stammautoren Michael Sailer, Christoph Theussl, Moses Wolff sowie weiteren Gästen. Los geht es um 19:30 Uhr. Am Montag (17. Dezember) kann man mich dann am selben Ort auch noch bei der Kleinkunstshow „Blickpunkt Spot“ erleben.

 

Termine der Woche

Am Freitag (7. Dezember) bin ich erstmals Gast bei der Lesereihe In guter Nachbarschaft in Weimar. Ich lese Texte aus meinem aktuellen Buch „Der Bürger macht sich Sorgen“, aber auch ganz neue Geschichten. Musik wird es auch noch geben! Los geht es um 20 Uhr im Salon Konetzky.

Am Sonnabend (8. Dezember) geht es dann weiter nach Leipzig, wo ich gemeinsam mit dem geschätzten Leipziger Kollegen Michael Schweßinger in der Galerie Artae im Rahmen der Ausstellung „Blaue Phase“ des Künstlers Metulczki lesen werde. Passend zu den malerischen „Trinkgedächtnissen“ verwandelt sich die Galerie in ein hochgemütliches Gasthaus mit Speisen und fränkischem Bier vom Fass. Wer dabei sein möchte, melde sich am besten vorab bei der Galerie per Mail oder Telefon (0341-355 20 466) an. Los geht es um 20 Uhr.

Mord im Sonderangebot

So langsam begreifen es auch die Bummelletzten: Es gibt kein Feld des menschlichen Daseins, das nicht der Markt zur besten Zufriedenheit aller regeln könnte. Nur der Kampf um den höchsten Profit sorgt für Höchstleistungen in allen Bereichen. Endlich erobert der Kommerz nun auch das letzte unbestellte Feld: das Schlachtfeld.

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Zitat des Monats November

Ein Volk, das von seiner Regierung nichts fordert als das Wahren der Ordnung, ist in seinem Innersten bereits Sklave; es ist Sklave seines Wohlergehens, und der Mann, der es in Ketten legen soll, kann auftreten.

Alexis de Tocqueville: Über die Demokratie in Amerika

Primat der Politik

Rodrigo Duterte, Donald Trump, Jair Bolsonaro – es gibt inzwischen eine globale Riege rechtspopulistischer Alphamännchen, die sich nicht an die Macht geputscht haben, sondern von der Bevölkerung gewählt wurden. Viele Vernunftmenschen fragen sich besorgt: Wie nur können diese gruseligen Gestalten, deren Verbrechen aktenkundig sind, dennoch die Liebe der Massen gewinnen? Viele Bürger zeigen sich von ihnen nicht abgeschreckt, sondern angezogen! Ein neuer Extremfall in Sachsen-Anhalt wirft derzeit Licht auf das Phänomen des weltweiten Rechtsrucks.

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Termine der Woche

Am Mittwoch (21. November) feiert meine Berliner Lesebühne Zentralkomitee Deluxe ihre 30. Ausgabe! Zu hören gibt’s frische Geschichten, Satiren und Songs im Geiste der Weltrevolution. Ich lese, singe und trinke dazu gemeinsam mit den Kollegen Tilman Birr, Noah Klaus, Christian Ritter und Piet Weber. Zu Gast haben wir diesmal die Slammerin und Rapperin Leonie Warnke. Um 20 Uhr in Kreuzberg an der Oberbaumbrücke in der Baumhaus Bar überm Musik & Frieden. Tickets gibt’s am Einlass für lächerliche 6 Euro.

Buchtip: „Mit euch möchten wir alt werden. 30 Jahre Berliner Lesebühnen“

Ende der Achtziger entwickelte sich in Berlin eine neue Form der literarischen Subkultur. Bei den sogenannten Lesebühnen kamen regelmäßig feste Gruppen von Autorinnen und Autoren zusammen, nicht in Literaturhäusern und Buchhandlungen, sondern in Kneipen und Klubs, um dem Publikum in heiterer Atmosphäre Geschichten vorzulesen. Die Storys zeichneten sich durch Kürze, Witz und Nähe zum Alltag aus. Statt Wasser wurde Bier getrunken. Gelesen wurde nicht sitzend, verschanzt hinterm Tischchen, sondern im Stehen. Die Idee verbreitete sich: Nicht nur in Berlin entstanden bald Veranstaltungen, die wöchentlich manchmal hunderte Zuhörer anzogen, auch in anderen Städten wurden mit Erfolg Lesebühnen gegründet. So wie unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal, mit der ich seit dem Jahr 2005 in der Scheune auftrete. Viel gelernt haben wir von und viel gelacht mit den Kollegen von Berliner Lesebühnen wie der Chaussee der Enthusiasten, LSD – Liebe statt Drogen, der Reformbühne Heim & Welt, den Surfpoeten oder den Brauseboys. Großen Erfolg haben inzwischen auch jüngere Lesebühnen in Berlin wie die Lesedüne, die Couchpoetos und Fuchs & Söhne. Autorinnen und Autoren, die heute reich und berühmt sind, haben bei den Lesebühnen ihre Karriere begonnen und sind zum Teil immer noch Teil der Szene: Marc-Uwe Kling, Wiglaf Droste, Kirsten Fuchs, Wladimir Kaminer, Sarah Bosetti, Jochen Schmidt und viele andere mehr.

Zum dreißigjährigen Jubiläum der Berliner Lesebühnen hat der Satyr Verlag ein tolles Buch herausgebracht: Mit euch möchten wir alt werden, herausgegeben von Sarah Bosetti, Andreas Scheffler und Volker Surmann. Das Lesebuch versammelt Geschichten, Satiren, Glossen und Traktate von 75 Lesebühnenautorinnen und -autoren, welche die Szene über viele Jahre geprägt haben oder noch prägen werden. Auch ich durfte einen Text beisteuern und finde mich deshalb ebenfalls in der beeindruckenden Liste der Autorinnen und Autoren: Ahne, Mareike Barmeyer, Martin Betz, Tilman Birr, Michael Bittner, Bov Bjerg, Thilo Bock, Daniela Böhle, Paul Bokowski, Sarah Bosetti, Wiglaf Droste, Hans Duschke, Micha Ebeling, Elis, Konrad Endler, Horst Evers, Kirsten Fuchs, Andreas Gläser, Martion „Gotti“ Gottschild, Aidin Halimi, Uli Hannemann, Jakob Hein, Nils Heinrich, Falko Hennig, André Herrmann, Ruth Herzberg, Daniel Hoth, Hinark Husen, Wladimir Kaminer, Andreas Kampa, Noah Klaus, Marc-Uwe Kling, Frank Klötgen, Insa Kohler, Sebastian Krämer, Johannes Krätschell, Andreas „Spider“ Krenzke, Karsten Lampe, Berhard Lassahn, Sebastian Lehmann, Clint Lukas, Thomas Manegold, Maik Martschinkowsky, Manfred Maurenbrecher, Eva Mirasol, Marion Alexa Müller, Jacinta Nandi, Robert Naumann, Meikel Neid, Klaus Nothnagel, Jochen Reinecke, Milena Reinecke, Robert Rescue, Dan Richter, Susanne Riedel, Christian Ritter, Andreas Scheffler, Sarah Schmidt, Jochen Schmidt, Chio Schuhmacher, Dr. Seltsam, Stephan Serin, Ivo Smolak, Frank Sorge, Michael Stein, Lea Streisand, Volker Strübing, Volker Surmann, Maschenka Tobe, Tube, Robert Weber, Piet Weber, Michael-André Werner, Heiko Werning, Jürgen Witte.

Sarah Bosetti, Andreas Scheffler, Volker Surmann (Hrsg.): Mit euch möchten wir alt werden. 30 Jahre Berliner Lesebühnen. 326 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen, ISBN: 978-3-947106-14-1, 20€

Geld ohne Schweiß

Wenn es etwas gibt, das den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft bedroht, dann ist es die ewige Nörgelei der Miesepeter. Sie werden leider durch einige Schlechtredner in den Medien unterstützt, die das Publikum mit Meldungen über vermeintliche Missstände immer wieder in Unruhe versetzen. Dabei gäbe es so viele positive Nachrichten, die größere Aufmerksamkeit verdienten! Zum Beispiel konnte man jüngst lesen, das globale Vermögen der Milliardäre habe einen neuen Rekordwert erreicht. Ein Klub von knapp zweitausend Menschen verfüge inzwischen über einen Besitz im Wert von 8,9 Billionen Dollar. Um 19 Prozent wuchs dieses Vermögen noch einmal allein im vergangenen Jahr. Ist es nicht schön zu sehen, dass diese Menschen sich nun keine Sorgen mehr ums tägliche Brot machen müssen oder um steigende Mieten?

Ganz gewiss finden aber sogar bei dieser frohen Botschaft noch einige vom Sozialneid zerfressene Minderleister etwas zu meckern. Sie werden sagen, es sei obszön, dass eine Handvoll Menschen Milliarden häuft, während gleichzeitig Milliarden Menschen mit leeren Händen dastehen. Sie werden beklagen, das Vermögen von Reichen, die längst nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, vermehre sich von selbst, während die Mehrheit der Menschen arbeite, ohne je zu einem Vermögen zu kommen. Niemand, auch der erfolgreichste Unternehmer nicht, sei zehn- oder hunderttausend Mal klüger oder fleißiger als ein anderer Mensch.

Was für schlechte Verlierer sind das! Jammerlappen, die so reden, sind doch nur verärgert darüber, dass es ihnen nicht gelungen ist, reich geboren zu werden, sich den richtigen Partner zu angeln oder mit Hilfe einer cleveren Idee andere Leute für sich arbeiten zu lassen. Dabei sind es gerade diese Gutmenschen, die sonst immer nach dem bedingungslosen Grundeinkommen rufen! Die Milliardäre machen doch nur vor, wie genau das geht: Wer erst einmal genug Geld angehäuft hat, der muss nie wieder einen Finger rühren. Das Einkommen sprudelt von ganz allein. Allenfalls macht es ein bisschen Mühe, das Vermögen vorm Finanzamt zu verstecken. Dafür haben die Kinder der Reichen schon als Föten ausgesorgt. Ganz mit Recht sprechen wir also von der Leistungsgesellschaft – es ist eine Gesellschaft, die muss man sich leisten können.

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Dieser Text erschien zuerst als Kolumne der Rubrik Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung.