Termine der Woche

Am Mittwoch (9. September) feiert meine neue satirische Presseshow Phrase & Antwort in Berlin Premiere vor leibhaftigem Publikum. Gemeinsam mit dem Kollegen Maik Martschinkowsky von Die Lesedüne begebe ich mich zum Wort des Verbrechens: Wir präsentieren die peinlichsten Publikationen und zerlegen die haarsträubendsten Kommentare aus der Welt der Medien. Zum Auftakt haben wir uns auch noch eine Musikerin eingeladen: die Songwriterin Frollein. Los geht es um 20 Uhr, bei gutem Wetter draußen im Hofkino Berlin, bei schlechtem drinnen im Franz-Mehring-Platz 1. Wegen der geltenden Corona-Regelungen bitten wir euch, Karten im Vorhinein zu reservieren. Ihr könnt aber auch noch spontan vorbeischauen, Einlass ist ab 19:30 Uhr.

Am Donnerstag (10. September) kehrt meine Lesebühne Sax Royal in Dresden aus dem Sommer in die scheune zurück. Wir werden euren Herzen ganz nah kommen, aber Abstand von euren Nasen halten. Freut euch auf neue Geschichten, Gedichte und Lieder nicht nur von den Stammautoren Stefan Seyfarth, Roman Israel und mir, sondern auch auf gleich zwei Gäste: die Liedermacherin Masha Potempa aus Leipzig und den lustigen Kollegen Meikel Neid aus Berlin. Los geht es um 20 Uhr. Wegen der Platzbeschränkung durch die Corona-Regeln bitten wir euch, Karten möglichst im Vorverkauf zu erwerben. Die Türen öffnen sich um 19:30 Uhr.

In ermüdender Verachtung. Über Lisa Eckharts Debütroman „Omama“

Es ist nicht leicht, Lisa Eckharts Debütroman „Omama“ unbefangen zu lesen. Stand die junge österreichische Kabarettistin doch in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt eines erbitterten Streits. Ihre Bewunderer schwärmten, Eckhart entlarve mit den Mitteln ironischer Provokation die gesellschaftliche Heuchelei. Ihre Verächter meinten, sie nutze sexistische, rassistische und antisemitische Gemeinplätze, um sich billig Aufmerksamkeit zu sichern. In diesem Widerstreit Partei zu ergreifen fällt schwer: Einerseits möchte ich mich nicht in die Armee ästhetischer Analphabeten einreihen, die bei ihrer Jagd nach verfänglichen Sätzen und bösen Wörtern auf künstlerische Absichten und Zusammenhänge grundsätzlich keine Rücksicht nehmen. Andererseits werde ich, schaue ich mir die Auftritte Eckharts an, nie das Gefühl los, dass sie bei ihren kalkulierten Tabubrüchen nicht nur die Ressentiments der Gesellschaft, sondern auch eigene offenlegt. Kann ein Blick in ihren Roman Klarheit schaffen?

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Linke Grenzschützer

Hartnäckig hält sich über die Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht das Gerücht, sie sei eine Freundin geschlossener Grenzen. Glücklicherweise hat sie dieser Lüge schon vor Jahren widersprochen: „Klar finde ich es auch schön, wenn man Grenzen nicht mehr spürt. Wenn man wie ich im Saarland lebt, ist man in zehn Minuten mit dem Fahrrad in Frankreich und kann sich ein Baguette kaufen, ohne Geld wechseln zu müssen.“ Am Sonntag setzt sich Sahra früh aufs Rad, fährt in der erquickenden Morgenluft ins Nachbarland, kauft mit der fragwürdigen Einheitswährung Euro frisches Backwerk, radelt zurück, setzt sich dann mit ihrem ausgeschlafenen Oskar im Eigenheim zum gemütlichen Frühstück und plaudert über aktuelle Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Es ist ein herrliches Leben! Nur soll man es nach Wagenknechts Meinung mit den offenen Grenzen auch nicht übertreiben.

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Zitat des Monats August

Die Einsicht, dass Schnabelhaltenkönnen die adäquate Reaktion darauf ist, nichts Genaues zu wissen oder zu sagen zu haben, war nie sonderlich verbreitet; das Zeitalter der technischen Multiplikation von jeder Art Nichtigkeit rafft die spärlichen Anhänger der Schweigsamkeit endgültig dahin.

Wiglaf Droste

Über Norbert Bolz und Die Wahrheit in einem Satz

Dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz gelingt es drüben bei Twitter, seine reaktionäre Gesinnung regelmäßig in Aphorismen zu zwängen. Hier eine filmische Antwort, als Vorgeschmack auf die erste Live-Ausgabe der Satirischen Presseshow Phrase & Antwort, die ich am 9. September um 20 Uhr gemeinsam mit dem Kollegen Maik Martschinkowsky im Hofkino Berlin (Franz-Mehring-Platz 1) bestreiten werde.

Schnitzel in den Grenzen von 1937

Die Welt der Politik steht Kopf. Der früher so leise und unscheinbare Gastronom und Kochbuchautor Attila Hildmann ist zur berühmtesten öffentlichen Figur unserer Tage geworden. Plädierte Hildmann früher nur für die Vorzüge pflanzlicher Ernährung, macht der Deutsche türkischer Herkunft nun vor allem mit pointierter Judenkritik, Demokratieskepsis und differenzierter Hitlerwürdigung Furore – ein seltener Fall gelungener Integration.

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Aus meiner Fanpost (39): Reif für den „Stürmer“

Sehr geehrte Herr Bittner,

es ist schwer, wenn einer wie Sie im Rausch des Schreibens zu seiner Kontur finden möchte, sich zeigen und sich abgrenzen will.

So jung sind Sie auch nicht mehr, dass man Ihnen zu Gunsten von einer „Gnade der späten Geburt“ ausgehen könnte. Sie könnten mit dieser Gnade sicher auch nichts anfangen.

Würden Sie auch Herrn Broder ( meine letzte Hoffnung im Blätterwald und sicher kein Ossiliebhaber) auch auf so unterirdisch grobem Niveau, ohne jedweden Respekt vor Lebensleistungen in sehr vielen echten Lebenskonflikten, würden sie auch ihn in so in eine Schublade packen, wie Sie es mit Monika Maron taten? Vielleicht sogar das.

Ich wünsche Ihnen nur ein oder zwei ähnlich
schwergewichtige Konflikte existentiell intellektueller Art ( ich vermute, Sie ahnen nicht einmal, was ich meine) , um dann mit etwas mehr Demut, gleichwohl sprachgewaltig der Versuchung einer erneuten Zuordung von Menschen zu widerstehen oder ihnen ihre Redlichkeit im Finden von Erklärungen für die Wirklichkeit abzusprechen.

Zur Zeit scheint bei Ihnen die Suche nach Redlichkeit , Wahrheit , Verstehen abgeschlossen zu sein. Ich ( ein NoName) spreche Ihnen dennoch das Recht ab, Menschen, deren Sicht ich nicht immer teile oder geteilt habe, so zu denunzieren wie in ihrem letzten ND Artikel. Das war „Stürmer“ reif.

Ich wünsche Ihnen eine Pause in ihrem
(Nur) – Erfolg versprechenden Rausch und ein Zurückfinden in eine Welt jenseits ihrer
Clichés.
Denn: nur wer sich ändert, bleibt sich treu“.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf ***
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PS: ich arbeite nur als Ingenieur, Sie müssen mich Verwirrten nicht ernst nehmen, aber
wer im ND wieder so denunziatorisch schreibt, wie zum Beispiel bei der Ausreise von Veronika Fischer oder dem Rausschmiss von Wolf Biermann, feindliche Gruppierungen ausmacht, dem gehört auch mal widersprochen. Sie spielen nicht in der gleichen Liga wie Frau Maron, deshalb wird sie sich hoffentlich auch nicht dazu herablassen , ihnen direkt zu antworten. Mir macht das nichts aus, für sie „Partei“ zu ergreifen, denn sie hat mir mit vielen ihrer Worte Trost und Frieden gebracht.

Termine der Woche

Am Donnerstag (20. August) trete ich mit meiner Dresdner Lesebühne Sax Royal zum zehnten Mal im Deutschen Hygiene-Museum auf. Das Gastspiel steht unter dem Motto „Zum Fressen gern“. Die Veranstaltung ist leider schon ausverkauft.

„Rasse“ als Naturerbe. Die völkische Ökologie des ehemaligen DDR-Oppositionellen Michael Beleites

Als bei der rechten Protestbewegung „Pegida“ in Dresden der Ruf „Wir sind das Volk!“ erschallte, bekundete dies auch den Anspruch der neuen Montagsdemonstranten, in der Nachfolge der oppositionellen Bürgerbewegung der DDR zu stehen. Inzwischen übernimmt die Partei „Alternative für Deutschland“ mit Plakatsprüchen wie „Vollende die Wende!“ diese Rolle. Auf nicht wenige ostdeutsche Wählerinnen und Wähler der AfD wirkt diese Inszenierung überzeugend, obwohl unter ihnen in groteskem Kontrast dazu auch die DDR-Ostalgie blüht.

Gäbe es nicht einige frühere SED-Kritiker und Akteure der DDR-Opposition, die inzwischen in die ideologische Nähe der AfD geraten sind, wäre dieser politische Erfolg der Neuen Rechten kaum möglich. Gelegentlich fällt im Rückblick nun ein Verdacht auf die ganze Bürgerbewegung, gewiss zu Unrecht. Dass Menschen, die zu Zeiten der DDR drangsaliert oder gar inhaftiert worden sind, eine Abneigung gegen alles, was wirklich oder vermeintlich sozialistisch ist, entwickelt haben, ist psychologisch verständlich. Merkwürdiger ist, dass einige von ihnen auch mit der westlichen, liberalen Demokratie fremdeln, für die sie 1989/90 selbst auf die Straße gegangen sind. Fast zwanghaft ergehen sie sich nun in Gleichsetzungen von DDR und BRD.

Einen Ansatz zur Erklärung bietet die Beobachtung, dass schon in der Opposition der achtziger Jahre viele sich weder mit der DDR noch mit der BRD identifizieren mochten und stattdessen von einem „Dritten Weg“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus träumten. Während inzwischen wohl die meisten ehemaligen Oppositionellen in der „sozialen Marktwirtschaft“ diesen dritten Weg sehen, einige andere noch immer für einen „demokratischen Sozialismus“ kämpfen, gibt es eine dritte Gruppe, die den Lockrufen des Nationalismus erliegt. Dieser hatte – besonders in seinen Radikalformen Faschismus und Nationalsozialismus – ja ebenfalls immer behauptet, er sei der gesuchte dritte Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Ein aufschlussreiches Beispiel bietet der Landwirt und ökologische Publizist Michael Beleites.

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Die Wurzeln der Deutschen

Der Deutsche liebt den Wald. Der Deutsche liebt den deutschen Wald. Zwar hat Eiche, Buche und Linde niemand gefragt, ob sie denn wirklich die deutsche Staatsangehörigkeit haben wollen, aber auf solche Empfindlichkeiten nehmen wir keine Rücksicht. Die alten Germanen saßen nun einmal im dunklen Forst und fraßen mit Vorliebe Eicheln, deswegen ist der Wald auf ewig unser. In der unsterblichen Liebe zum Wald wurzelt wohl auch unsere Leidenschaft für Wurzeln.

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