Termine der Woche

Am Montag (9. April) wage ich mich in Berlin in unbekanntes Terrain, nämlich auf die Bühne des Kabaretts Die Wühlmäuse, wo ich einer der Künstler beim „lebenden Stadtmagazin“ Der Blaue Montag von Arnulf Rating sein werde. Ich werde aber nicht steppen oder Schwerter schlucken. Ich steh da und les was vor, wie immer. Los geht es um 20 Uhr. Es gibt noch Tickets.

Am Donnerstag (12. April) gibt’s eine neue Ausgabe unserer Dresdner Lesebühne Sax Royal in der Scheune. Der April ist unsere liebste Zeit: Nicht nur kommt der Scherzmonat unserer Leidenschaft für fragwürdige Späße entgegen, das wechselhafte Wetter entspricht auch ganz gut dem bunten Wechsel zwischen Heiterkeit und Tiefsinn, Satire und Poesie, der unsere Lesebühne auszeichnet. Neue Geschichten lesen mit mir der vagabundierende Dichter und Romanautor Roman Israel, der erzgebirgische Erzähler Max Rademann sowie der Dresdner Poet Stefan Seyfarth. Wir freuen uns, außerdem noch einen besonderen Gastautor erstmals begrüßen zu dürfen:  schreibt lustige, bittere, abgefahrene, melancholische, unheimliche Texte und liest sie vor und lässt sie abdrucken, zum Beispiel in Romanen wie „Hell“, „Helden in Schnabelschuhen“ und „Vom Licht“. Das macht er seit über 15 Jahren. Etwas Besseres fällt ihm nicht ein. Er wohnt in Hamburg, ist dort Mitglied der Lesebühne „Liebe für alle“ und schreibt mal wieder an einem finsteren Roman. Karten gibt es bis Mittwoch noch im Vorverkauf oder am Donnerstag an der Abendkasse am Einlass ab 19:30 Uhr. Los geht es um 20 Uhr.

Am Freitag (13. April) präsentiert sodann meine Görlitzer Lesebühne Grubenhund wie immer am 2. Freitag des Monats im Camillo ein brandneues Programm: heitere Geschichten, politische Satiren und vielleicht gar das eine oder andere Lied erwarten das Publikum. Mit mir dabei sind nicht nur die Stammautoren Udo Tiffert und Max Rademann, sondern auch in Görlitz Gastautor Anselm Neft. Karten gibt es am Einlass ab 19 Uhr, die Lesung beginnt um 19:30 Uhr.

Feigheit vor dem Volk

Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine Gruppe von Empörten eine Petition zur Rettung des Abendlandes der Menschheit zur Unterschrift vorlegt. Jüngst versammelte sich eine Auswahl der intellektuellen Elite Sachsens (Werner J. Patzelt, DJ Happy Vibes u.a.), um der Weltöffentlichkeit einen Aufruf zugunsten des Kabarettisten Uwe Steimle anzutragen. Eine „Ökumenische FriedensDekade“ hatte Steimle erst zum Schirmherrn erkoren, dann die Ernennung nach Protesten rückgängig gemacht – gewiss kein guter Stil. Steimle trug’s mit Fassung, seine Unterstützer aber nicht, denn sogleich war wieder einmal nichts Geringeres als die Redefreiheit in Gefahr.

Ich glaube, Uwe Steimle kann besser als eine Petition ein paar offene Worte gebrauchen. Es ist für jeden mitfühlenden Menschen traurig anzuschauen, wie Steimle sich in den verbitterten Jammerossi verwandelt, den er früher so komisch und anrührend nur gespielt hat. In seinen monotonen Tiraden gegen die bösen Amis und den Kriegstreiber Israel, seinen Hymnen auf die Friedensmacht Russland, klingt er nicht mehr wie ein Kabarettist, sondern wie ein Staatsbürgerkundelehrer. Seine Gedanken gelten dem Frieden, was lobenswert wäre, begriffe er auch noch, dass man dem Frieden nicht dient, wenn man sich in einem Kampf auf eine Seite schlägt, in dem beide Seiten Schuld auf sich laden.

„Ein guter Kabarettist hält den Regierenden den Spiegel vors Gesicht und nicht dem Volke!“, so lautet der dümmste Satz aus der Petition. Als wäre nicht jenes öde Keifen gegen „die Politiker“, das sich auf dem Niveau von Witzen über „die Ostfriesen“ und „die Blondinen“ bewegt, längst auch den Klügeren unter den Kabarettisten peinlich. Der Satz fordert Feigheit vor dem Volk. Ein guter Satiriker aber deckt auch dessen Schwächen und Vorurteile auf, biedert sich beim Publikum nicht an, selbst wenn ihn das Applaus kostet. Ein Volk hat die Politiker, die es verdient. Vielleicht sieht es im Osten auch deswegen so trübe aus, weil hier so viele wohlfeil gegen „die da oben“ meckern, die Schuld immer bei anderen suchen, aber selbst nicht mit anpacken wollen. Da reichen sich schlechtes Kabarett und Populismus die Hand. Das musste ich einfach mal sagen, auch wenn es nur wenige unterschreiben werden.

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Dieser Text erschien zuerst als Kolumne der Rubrik Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung.

Aus meiner Fanpost (32): Bezahlte Inszenierung

Hallo Dr. Michael Bittner,
sind diese Beiträge in der SZ (23.03.18) nur bezahlte Inszenieungen, um von den eigentlichen Problemen in der BRD abzulenken.
Ich habe mal etwas bei youtube Hetzsender RT Deutsch angesehen, was zum Nachdenken anregt. Beiträge sind von 2016/2017. Die Verlinkung gern für die Öffentlichkeit! Uwe Steimle bei RT Deutsch – You Tube und Ich schweige nicht Interview mit RT Deutsch – You Tube.
Viel Spaß in der Zukunft Ihr zwei sogenannten Streithähne! Habt ihr es so notwendig!!!

Sehr geehrter Herr Dr. Bittner,
ich habe Ihnen bereits auf Ihrer Hompage geschrieben. Ich denke, daß die Wechselgespräche zwischen Ihnen
und Herrn Patzelt nur bezahlte Inszenierungen sind, um von den Problemen unserer geliebten BRD abzulenken!
Kaberett oder Populismus?
Eine Verlinkung zum Nachdenken!
Freundliche Grüße!
G. B***

Uwe Steimle bei RT Deutsch – YouTube
„Ich schweige nicht“ | Interview mit RT DEUTSCH – YouTube

Sehr geehrter Herr B***,

Ihre Nachricht hat mich tief erschüttert. Wir hatten wirklich geglaubt, unser Plan zur Manipulation des deutschen Volkes wäre vollkommen. Aber wir waren naiv. Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so kritische, überlegene Geister wie Sie geben könnte, die uns mühelos durchschauen. Sie haben natürlich recht: Die vermeintliche Diskussion in der Zeitung ist nur ein Ablenkungsmanöver. Wir simulieren einen Streit, sind aber in Wahrheit miteinander verschworene Büttel des Sytems, Sockenpuppen, in denen die Hände der wahrhaft Mächtigen stecken. Ich kann mich nur damit entschuldigen, dass wir bloß den Befehlen der Weisen von Zion gehorchen, die ausdrücklich anweisen, man solle mit „Zeitungen und Zeitschriften“ äußerlich „die verschiedensten Richtungen“ abbilden, „sich sogar gegenseitig befehden“, um das Vertrauen der Ahnungslosen zu gewinnen und „sie alle in die Falle zu locken und unschädlich zu machen.“ Beim Einstellungsgespräch mit Frau Merkel und Vertretern der CIA schien uns allen dies als die beste Lösung, um den gerechten Volkszorn in Sachsen und Deutschland zu ersticken. Sehen Sie doch bitte ein: Wir können es nicht gestatten, dass die Deutschen die ganze Wahrheit erfahren. Das würde die Pläne zur Umvolkung Europas durchkreuzen, in die schon so viel Geld investiert wurde. Wir können es auch nicht zulassen, dass Sympathie mit dem russischen Friedenspräsidenten Wladimir Putin aufkeimt, der ja kein anderes Ziel verfolgt, als die Welt auf immer von jeder Form von Krieg zu befreien.

Ich gestehe Ihnen offen, dass es letztlich die Bezahlung war, die meine eigenen Gewissenszweifel überwältigt hat. Ein Euro über dem Mindestlohn! Wo bekommt man das noch! Und das für eine eher entspannte Tätigkeit als Marionette der Mächtigen, bei der man nicht einmal selber denken muss. Sehr geehrter Herr B***, ich weiß nicht, ob Sie Angler sind. Wenn ja, dann wissen Sie: Es zeichnet den echten Sportangler aus, dass er den gefangenen Fisch zurück ins Wasser wirft. Er begnügt sich mit dem Stolz, den Fisch geangelt zu haben, tötet ihn aber nicht. Ich kann Sie nur inständig bitten: Bitte zerstören Sie meine Existenz nicht, indem Sie das große Geheimnis verraten! Bislang ist der geniale sächsische Kabarettist Uwe Steimle der Einzige, der öffentlich über unsere Machenschaften aufklärt, aber auf Grund seines Dialekts erreicht er glücklicherweise nur wenige Menschen. Bitte halten Sie dicht! Ich verspreche Ihnen, dass ich mich bemühen werde, eine finanzielle Entschädigung für Sie mit meinen Auftraggebern auszuhandeln. Ich muss Sie aber auch warnen: Sollten Sie mit Ihren Enthüllungen an die Öffentlichkeit gehen, bleibt mir nichts übrig, als ein Mossad-Kommando in Marsch zu setzen. Und eines Tages kitzelt Sie beim Abendbrot ein rotes Pünktchen auf der Stirn. Lassen Sie uns doch bitte gemeinsam solche unschönen Geschehnisse vermeiden!

In Erwartung einer positiven Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Michael Bittner

Aus meiner Fanpost (31): Der Islam gehört nicht zu uns

Diesen Ausspruch finden 99,99% der Sachsen mehr als richtig und Herr Tillich hatte diesen schon vor dem G rößenwahnsinn unserer Kanzlerin ausgesprochen. Leider musste er genau in diesem Jahr er der Kanzlerin zur Seite stehen. Sachsen war dran!

Das Volk des Mauerfall, die Sachsen, wer den hier in die rechte Ecke gestellt nur weil sie die Wahrheit sagen und die Ungerechtigkeit und den Größenwahnder Merkel und Ihrer Politik anprangern.

Jeder Mensch dieser Welt, der seinen Ausweis wegwirft, kann Deutscher werden! Ob es seine Familie umgebracht hat, ob er ein Terrorist, Mörder, Dealer und Christenhasser ist, egal wir heißen Ihn willkommen und machen ihn zum Deutschen.

Haben Sie sich überhaupt mal gefragt warum wir mehr Gefängnisse brauchen, warum mehr Polizei, warum mehr Justiz, warum mehr Seelsorger, warum mehr Lehrer etc.

Es ist ein Hohn, dass jeder kriminelle Ausländer hier tun und lassen kann was er will, weil er ein Land benannt hat, wo andere zwar Urlaub machen, aber unsere „Grünen und Linken die Abschiebung verhindern“!

Wenn dieser Staat so weiter macht, brauchen wir für jeden Bürger, der hier zur Arbeit geht, einen Polizisten, der aber auch nicht reichen wird!

Jede Wohnung, die diesen Menschen bereit gestellt wird sieht innerhalb von 6 Wochen aus wie eine 20 Jahre vernachlässigt „Bude“!

Was bringen uns diese “ Großen Kulturvölker “ (vor 2000 Jahren)

Sie zeigen uns wie schnell man Großstädte vermüllen, verdrecken und kriminalisieren kann. Wie man aus einem gemütlichen Miteinander ( da ist der Osten dem Westen weit voraus!´Dank Merkel gewesen!!!) Wie man auch ohne zu Arbeiten um die Runden kommt!

Keiner der “ 89 “ hat die “ Freiheit “ sich erkämpft, um sich den islamischen, muslimischen Brauchtümern zu unterwerfen!!

Es gibt nur eine Lösung, damit der innere Frieden in diesem Land wieder hergestellt werden kann.

Alle kriminell gewordenen Ausländer, ob deutschen Pass oder nicht, Abschiebung auf Ihren Kontinent!!! Keine Gefährder – Beobachtungen, sondern Ausweisungen wegen unerwünscht!

Ich möchte endlich wieder, wenn ich einem Ausländer begegne das Gefühl haben, der lernt hier was, der arbeitet hier oder er ist ein Tourist!

Unsere Presse ist leider ebenfalls nur Merkel – Organ, der werden drei gute Beispiele gebracht, die in einem Monat bereits gescheitert sind.

Arbeiten ist nicht jedem gegeben.

Aus zwei Weltkriegen wieder aufzustehen wird niemanden Nichtstuer gelingen.

Einen schönen Tag

Lothar ***
Dipl. – Ing.

In der Linie 21

Ich stieg in die Straßenbahn und zog mir die Mütze vom Kopf. Die Gläser meiner Brille beschlugen, wie immer im Winter beim Schritt aus der Kälte ins Warme. Ich stolperte halb erblindet einige Schritte durch die Bahn und suchte nach einem Platz. Dann merkte ich, dass ich schon vorn bei der Fahrerkabine angekommen war.
Hinter mir murmelte es: „Der is nich von hier!“
Ich drehte wieder um und ließ mich auf einen freien Sitz fallen, an dem ich zuerst vorbeigelaufen war. Mir schräg gegenüber saß eine alte Frau und schaute mich neugierig an. In ihrer linken Hand hielt sie eine halbleere Bierflasche. Sie beugte sich hinunter zu ihrem Hund, einem hübschen Tier mit zottigem Fell. Sein Haar war zur Hälfte schwarz, zur Hälfte weiß, farblich geteilt gerade über dem Gesicht.
„Der is nich von hier“, sprach die Frau zu ihrem Hund. „Dit merkt man gleich, wie der rumläuft und sich umschaut. Dit is keen Berliner.“
Die Alte streichelte ihr Tier, das mich trotz der Warnung seines Frauchens weiter freundlich anschaute.
„Nahmd!“, sagte die Frau und blickte nun auch mich an. Beim Sprechen entblößte sie die wenigen Zähne, die sich noch in ihrem Mund befanden.
„Hallo“, erwiderte ich.
„Ick bin die Verena. Und dit is der Benny“, sagte die Alte und deutete auf ihren Hund. „Und wer bist du?“
„Micha.“
„Was? Michel? Wie der ausm Kinderbuch?“
„Nein, Micha.“
„Ach so, Michael. Jut. Sach ma! Wo kommstn du her? Du bist doch keen Berliner, oder? Ick darf dich doch duzen?“
„Na klar“, sagte ich. „Ich komme ursprünglich aus der Lausitz, aus der Nähe von Görlitz.“
„Siehste, hab ick doch gleich jemerkt, dass du keen Berliner bist. Da hab ick ne Witterung für. Hier, dis sind Berliner!“
Die Alte drehte sich um zu einer Mutter mit ihrem Sohn, die gerade ein Ticket aus dem Fahrscheinautomaten zogen.
„Dit sind Berliner, dit hör ick gleich anner Stümme!“
Mutter und Sohn beeilten sich, um schnellstmöglich das Weite zu suchen.
„Lausitz! Wie lange fährt man da bis hin?“, fragte die Alte.
„So zwei Stunden ungefähr“, sagte ich. „Aber eigentlich wohne ich gleich hier um die Ecke. Seit sechs Jahren. Also bin ich ja inzwischen auch fast ein Berliner, oder?“
„Ach so, biste hergezogen, wa? Ick bin ja würklich Berlinerin. Hier jeboren! Ooch meine Eltern schon und meine Großeltern. Ne richtje Berlinerin! Wie viele richtje Berliner kennst du eingtlich?“
„Gebürtige Berliner? Das sind wirklich nicht so sehr viele.“
„Siehste! Wusst ick doch! Gibt jar keene richtjen Berliner mehr in Berlin! Die sind alle abjehauen!“
Die alte Frau war vom Reden unmerklich ins Schreien geraten. Zwei junge Männer, die in unserer Nähe saßen, erhoben sich, liefen in der Straßenbahn nach hinten und setzten sich dort wieder hin. Benny, der Hund, schaute seine Herrin etwas verwirrt an.
„Tschuldjung! Ick mein, nüscht jejen dich, aber is doch so! Es wohn doch nur noch Fremde in Berlin! Die ham Jeld! Deswejen steigen ooch die Mieten überall. Und die richtjen Berliner, die könn sich keene Wohnung mehr leisten. Die müssen wegziehen, damit die Fremden Platz ham. Berlin ohne Berliner!“
„Aber sind denn nicht schon immer Fremde nach Berlin gekommen?“, fragte ich vorsichtig. „Bestand Berlin nicht schon immer aus Zugezogenen?“
„Nee! Wir Berliner sind die Urpreußen! Wir warn schon immer hier! Wir sind keene Fremden! Erst recht keene Sachsen!“
Die Straßenbahn bog quietschend um die Ecke und bremste an einer Haltestelle.
„Ich muss jetzt leider raus, umsteigen“, sagte ich. „Schönen Abend noch!“
„Ja, dir ooch!“, antwortete die alte Frau und sah jetzt traurig aus. „War würklich nett, mit dir zu reden! Es redet ja sonst keiner mehr mit eim.“
Ich stieg aus, überquerte die Straße, wartete auf die M8, die mich nach Berlin-Mitte bringen sollte, und dachte nach. War die Frau gerade eine Fremdenfeindin gewesen oder eine Gentrifizierungskritikerin? War sie rechts oder links? Gar nicht so einfach, diese Fragen zu beantworten! Auf jeden Fall aber hatte ich einen schweren Fehler begangen, überhaupt mit ihr zu reden. Denn wie hieß es doch völlig richtig allerorten: Wir dürfen Populisten keine Bühne bieten! Wir dürfen ihre Äußerungen nicht aufwerten, indem wir ihnen Resonanz verschaffen! Wir müssen eine harte Haltung zeigen, klare Kante!
Sollte mir diese Frau noch einmal begegnen, würde ich es besser machen: Eisern schweigen, die problematischen Äußerungen heimlich mitschneiden und sofort bei der Polizei Anzeige wegen Volksverhetzung erstatten, auf dass sie ihrer gerechten Strafe nicht entgehe! Denn die konsequente Grenzziehung ist die einzige Chance, unsere gefährdete Gesellschaft vor dem endgültigen Zerfall doch noch zu bewahren.

Zitat des Monats März

Wo ist Weh? Wo ist Leid? Wo ist Zank? Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne jeden Grund? Wo sind trübe Augen? Wo man lange beim Wein sitzt und kommt, auszusaufen, was eingeschenkt ist. Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist und im Glase so schön steht: Er geht glatt ein, aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter. Da werden deine Augen seltsame Dinge sehen, und dein Herz wird Verkehrtes reden, und du wirst sein wie einer, der auf hoher See sich schlafen legt, und wie einer, der oben im Mastkorb liegt. „Sie schlugen mich, aber es tat mir nicht weh; sie prügelten mich, aber ich fühlte es nicht. Wann werde ich aufwachen? Dann will ich’s wieder so treiben.“

Sprüche 23, 29-35

Termine der Woche

Am Mittwoch (21. März) tritt meine Berliner Lesebühne Zentralkomitee Deluxe zu ihrer monatlichen Sitzung zusammen. Heitere wie satirische Geschichten und Lieder gibt es nicht nur von mir, sondern auch von den literarischen Genossen Tilman Birr, Noah Klaus, Piet Weber und Christian Ritter. Außerdem haben wir wieder einen Gast mit dabei, diesmal den politische Dichter Maik Martschinkowsky von der weltberühmten Lesedüne. Los geht es mit dem Abend fortschrittlicher Komik um 20 Uhr in der Baumhaus Bar überm Musik & Frieden an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg. Tickets sind zum humanen Preis von 6 Euro am Einlass erhältlich.

Am Sonntag (25. März) bin ich erstmals Gast bei der Lesebühne Parallelgesellschaft in Berlin-Neukölln. Zum Thema „hartz knock life“ lese und quatsche ich mit den Stammautoren und -innen Jacinta Nandi, Temye Tesfu, Tanasgol Sabbagh und Jokaa. Los geht es um 20 Uhr in der B-Lage.

Am Grab des Konservativen

Wer in Dresden den Alten Katholischen Friedhof besucht, der kann dort das Grab von Friedrich Schlegel entdecken. Dass dem Philosophen das Glück widerfuhr, in Sachsen seine letzte Ruhestätte zu finden, verdankt sich einem traurigen Zufall. Während er in Dresden im Jahr 1829 eine Vorlesung hielt, ereignete sich ein Unglück. Friedrichs alter Freund, der Dichter Ludwig Tieck, musste Schlegels Bruder August Wilhelm in einem Brief davon berichten: „In der Nacht nehmlich von Sonntag zu Montag, Montag nach 2 Uhr, den 12ten Januar ist Friedrich plötzlich, nach einem kurzen, aber harten Kampfe, der ihn ohngefähr eine Stunde geängstiget hat, am Schlage gestorben.“

Friedrich Schlegel war einer der renommiertesten, aber auch umstrittensten Intellektuellen seiner Zeit. In seiner Jugend begeisterte er sich für die Französische Revolution und schockte die deutschen Spießbürger mit einem erotischen Roman. Angesichts von Krieg und Chaos in Europa unter der Herrschaft Napoleons bekehrte er sich aber zum konservativen Denken und auch gleich noch zur katholischen Kirche. Von vielen Weggefährten wurde ihm dies als Verrat verübelt. Dabei trieb ihn zu diesem Schritt die Sehnsucht nach Harmonie, die ihn schon immer bestimmt hatte. Dass er sich den dauernden Frieden nur in einer Gesellschaft nach dem Vorbild des Mittelalters vorstellen konnte, machte ihn zum Konservativen.

Zum modernen Denker macht ihn sein klarer Blick für die zerstörerischen Wirkungen des Nationalismus. Schlegel träumte von einer Einigung Europas durch die Wiederherstellung des römischen Reiches, ja er wollte den von den Patrioten seiner Zeit gepredigten „Volkshass“ sogar schon durch eine „liebevolle Verschmelzung der Nationen“ überwinden.

Es ist kein Zufall, dass Schlegel hundert Jahre nach seinem Tod von einem gewissen Carl Schmitt als haltloser Ästhet und Fantast denunziert wurde, von jenem Staatsrechtler also, der den rassistischen Nationalismus zum Wesen deutscher Politik erklärte, im Jahr 1934 Hitlers Meuchelmorden die juristische Absolution erteilte und von den neuen Rechten unserer Tage als Säulenheiliger angebetet wird. Manchem Politiker könnte eine Pilgerfahrt zu Friedrich Schlegels Grab vielleicht in Erinnerung rufen, dass Konservatismus und Nationalismus nicht dasselbe sind.

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Dieser Text erschien zuerst als Kolumne der Rubrik Besorgte Bürger in der Sächsischen Zeitung.

Termine der Woche

Am Donnerstag (15. März) gibt’s die monatliche Ausgabe unserer Dresdner Lesebühne Sax Royal in der Scheune. Neue Geschichten, Gedichte und Lieder präsentieren mit mir Roman Israel, der Erzähler abgründiger Geschichten aus der Lausitz und aller Welt, Max Rademann, der Chronist des Erzgebirges und Neustädter Tresenphilosoph, Stefan Seyfarth, der Dresdner Dichter und Gitarrenvirtuose, sowie ein besonderer Gast: Christian Kreis aus Halle an der Saale ist Absolvent des Deutschen Literaturinstitutes in Leipzig. Er hat mehrere Lyrikbände veröffentlicht, schreibt regelmäßig heitere Kolumnen für das Portal Fixpoetry, ist Mitglied der Hallenser Lesebühne Kreis mit Berg, gewinnt ab und zu Poetry Slams und arbeitet unermüdlich an seinem ersten Roman. Los geht es um 20 Uhr. Karten gibt es bis Mittwoch noch im Vorverkauf, aber auch am Donnerstag noch problemlos an der Abendkasse am Einlass ab 19:30 Uhr.

Am Freitag (16. März) folgt wie immer die Lesebühne Grubenhund in Görlitz. Ich lese neue Texte zusammen mit den wunderbaren Kollegen Udo Tiffert und Max Rademann. Und auch in Görlitz wird Christian Kreis unser Gast sein. Ein ebenso heiterer wie poetischer Abend ist gewiss. Los geht es um 19:30 Uhr im Camillo. Karten gibt’s am Einlass.

Am Sonnabend (17. März) endet meine Tournee durch Sachsen in Leipzig, wo gerade die Buchmesse stattfindet. Ich habe die Ehre, beim traditionellen Literarischen Frühschoppen gemeinsam mit Jürgen Roth und Thomas Kapielski lesen zu dürfen, das die Galerie Artae (Gohliser Straße 3) jedes Jahr im Rahmen des Buchmessen-Programms „Leipzig liest“ organisiert. Los geht es um 11 Uhr, im Eintritt ist Weißwurst und Bamberger Bier inbegriffen!