Termine der Woche

Am Donnerstag (6. März) moderiere ich wieder gemeinsam mit Stefan Seyfarth den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettkampf beginnt um 20 Uhr. Die Türen öffnen um 19 Uhr und zeitiges Erscheinen ist ratsam, denn die Hütte ist oft schnell voll.

Am Sonnabend (8. März) findet im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch unter dem Titel „Lasst uns das Erinnern nicht vergessen“ die alljährliche Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bücherverbrennung in Dresden statt. Nicht behagliche Besinnlichkeit, sondern der Bezug zur Gegenwart steht dabei im Mittelpunkt. Als künstlerische Gäste werden neben den Hausherren auch Prof. Ingo Zimmermann, Friedrich-Wilhelm Junge, Daniel Vedres und Steffen Mürau erwartet. Dr. Marlies Volkmer (SPD) trägt eine Rede bei. Ich darf durch den Vortrag einiger Texte mitwirken. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten. Die Matinee beginnt um 11 Uhr.

Am Sonntag (9. März) lese ich unter dem Titel “Das Satirische Quintett” gemeinsam mit den Kollegen Thomas Bärsch, Jens-Uwe Sommerschuh, Wolfgang Schaller und Peter Ufer, allesamt Kolumnisten der Sächsischen Zeitung, in Pirna. Los gehts um 18 Uhr im Tom-Pauls-Theater.

Der Ruf in der Wüste. Zum neuen „Sozialwort“ der Kirchen

Selten hört man davon, dass der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter sich mit einem Beitrag zur Quantenphysik zu Wort meldete. Ebenso ungewöhnlich wäre es, wenn die Gewerkschaft der Polizei eine Stellungnahme zur Verbesserung der Hygiene in deutschen Krankenhäusern abgäbe. Nur die Kirchen leiten aus ihrem göttlichen Auftrag auch das Recht und die Pflicht ab, sich ungefragt zu allen Fragen zu äußern, die sie nichts angehen und von denen sie nichts verstehen. Statt beim lieben Gott ein gutes Wort für uns schlimme Sünder einzulegen, haben der Rat der Evangelischen Kirche und die katholische Deutsche Bischofskonferenz zusammen einen „Impulstext“ mit dem Titel „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ fabriziert. Da der Glaube ans Jenseits aus der Mode kommt, müssen die Kirchen sich offenbar neue Beschäftigungsfelder suchen, um den Kontakt zu ihren zahlenden Kunden nicht zu verlieren. Das neue „Sozialwort“ mag wirkungslos verhallen, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einige Theologen hat es seinen Zweck schon erfüllt.

Was kann uns die Bibel über unsere gesellschaftlichen Probleme lehren? Vermutlich wenig. Denn dieses Buch wurde geschrieben, lange bevor unsere Gesellschaft überhaupt existierte. Ein paar Zitate aus der Heiligen Schrift am Anfang des Kirchenwortes sind denn auch nicht mehr als Schmuck. Im Rest des Textes greifen die Autoren auf den politischen Jargon zurück. Und sie tun dies bravourös: Keine Phrase fehlt. Die „Kultur der Verantwortung“ hat ihren Auftritt wie die „Konsolidierung der öffentlichen Haushalte“. Denn es gilt: „Bildungspolitik ist vorsorgende Sozialpolitik.“ Der Leser fiebert mit, wenn die „kapitalgedeckte Säule“ den Kampf gegen „Versorgungslücken durch Pflegezeiten“ aufnimmt. Der ganze Text ginge als Verlautbarung der Großen Koalition durch, der nun offenbar auch die christlichen Kirchen beigetreten sind. Die analytische Schärfe des Papiers beeindruckt dabei durchweg: Wer hätte etwa gedacht, dass Armut „finanzielle Probleme zur Folge“ haben könnte?

Ein passenderer Titel für das Sozialwort der Kirchen gewesen wäre: „Sowohl als auch. Das Unversöhnliche versöhnen – um des lieben Friedens willen!“ Nirgends existieren Widersprüche, bloß das „Gleichgewicht“ ist hier und da verloren gegangen. Man höre: „Bei aller positiven Bedeutung der Finanzmärkte, die die Entwicklung vieler Länder erst ermöglichen, ist aber durch ihre gegenwärtige Funktionsweise die Welt nicht nur nicht sicherer, sondern im Gegenteil fragiler geworden.“ Die positive Bedeutung der Finanzmärkte besteht offenbar darin, dass sie die Welt unsicherer machen. Andernorts liest man: „In ökologischer Hinsicht ist die Belastbarkeitsgrenze unseres Planeten erreicht.“ Das hindert die Theologen aber nicht daran, zugleich nach „Wachstum“ zu rufen. Die Kirchen möchten ökonomische Expansion, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit miteinander vereinen. Das aber ist nicht die „konfliktreiche Zielpluralität der ökologisch-sozialen Marktwirtschaft“, sondern etwas viel Schlichteres: ein Unding. Bei der Verwirklichung des Unmöglichen wird freilich Deutschland vorangehen, damit am deutschen Wesen wieder einmal die Welt genese: „Wenn Deutschland dabei ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt und das deutsche Sozialmodell allgemeinen Wohlstands nachhaltig gestaltet werden kann, kann die Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zu einem Vorbild und Modell für andere Staaten werden.“

Es soll, so munkelt man, in finsterer Vergangenheit auch einmal so etwas wie christliche Sozialisten gegeben haben. Sie wurden aber nach ihrem ruhmlosen Tod außerhalb der Friedhofmauern bestattet. Zur Marktwirtschaft, die nicht bei ihrem Namen Kapitalismus genannt wird, gibt es nach Ansicht der Kirchen „keine überzeugende Alternative“. So bleibt nach intellektueller Selbstverstümmelung nur die triste Routine, am Bestehenden zu mäkeln, ohne eine andere Welt auch nur denken zu können. Dass es in einer Gesellschaft Arme und Reiche gibt, ist für die Kirchen selbstverständlich. „Wer in Deutschland arm ist, bleibt allzu oft arm.“ Wenn es ein bisschen seltener geschähe, wäre die Sache also wohl in Ordnung. Ausdrücklich belobigt wird denn auch die Methode des Peter Hartz, „durch kürzere Bezugsdauern und die Senkung der Zumutbarkeitsgrenzen den Druck zu erhöhen, eine Beschäftigung aufzunehmen“. Denn: „Partizipation am Arbeitsmarkt und Teilhabe an der Erwerbsarbeit sind wesentlicher Ausdruck gesellschaftlicher Inklusion.“ In der Tat: Wie ausgeschlossen fühlte sich die Putzfrau bei der Deutschen Bank, wenn sie nicht mehr die Schüsseln scheuern dürfte, in denen die Manager ihre Geschäfte erledigt haben. Die Theologen setzen sich sogar den alten liberalen Hut von der „Chancengerechtigkeit“ auf, welche die „Verteilungsgerechtigkeit“ ersetzen müsse. Bekanntlich verteilte ja auch Jesus Brot und Fisch nicht einfach wahllos unter den Bedürftigen, sondern organisierte einen fairen Wettbewerb und belohnte dann den Sieger.

Kein Elend bringt die Überzeugung der Theologen zum Wanken, „das moralisch Richtige“ sei „zugleich das volkswirtschaftlich Effiziente“. Dass die Moral gegen die Ökonomie durchzusetzen wäre, ist für die deutschen Wohlstandschristen undenkbar geworden. Stattdessen behelfen sie sich mit Beschwörungsformeln: „Die Aufgabe der Wirtschaft sollte es sein, in bestmöglicher Weise die materiellen Grundlagen für ein gutes, selbstbestimmtes Leben aller zur Verfügung zu stellen.“ Wenn sich die Wirtschaft doch nur ihrer Pflicht bewusst würde! „Wirtschaftliche Aktivitäten stellen keinen Selbstzweck dar und sind nie nur eigennutzorientiert zu betrachten.“ Wenn sich die Wölfe doch nur die Zähne ziehen ließen! „Insbesondere die Finanzmärkte müssen sich wieder in Richtung einer dienenden Rolle wandeln.“ Wenn doch die Herrschenden sich nur auf ihre dienende Rolle besännen!

Die sonntägliche Predigt ist beendet, die Herrschaften erheben sich von den Kirchenbänken. Am Ausgang schütteln sie dem Herrn Pfarrer noch einmal die Hand, bevor sie sich milde lächelnd ans Steuer ihres Wagens setzen. Am Montag beginnt wieder das wirkliche Leben.

Termine der Woche

Am Dienstag (25. Februar) lese ich beim Isar Slam in München. Der beginnt um 20 Uhr im Ampere im Muffatwerk.

Am Donnerstag (27. Februar) bin ich Gastautor bei der Berliner Lesebühne Chaussee der Enthusiasten. Los gehts um 20:30 Uhr im Badehaus Szimpla Musiksalon auf dem RAW-Gelände.

Am Sonnabend (1. März) schließlich reise ich noch einmal ins schöne München. Ziel ist dann die wunderbare Münchner Lesebühne Westend ist Kiez. Los gehts um 20 Uhr in der Realwirtschaft Stragula.

Termine der Woche

Am Montag (17. Februar) lese ich beim Poetry Slam Deluxe in Frankfurt am Main. Los gehts um 20 Uhr im English Theatre.

Am Dienstag (18. Februar) führt die von Lars Ruppel organisierte Tour durch Hessen weiter nach Marburg, genauer: ins KFZ. Der dortige Poetry Slam beginnt ebenfalls um 20 Uhr.

Am Mittwoch (19. Februar) schließlich bin ich dann in Gießen. Der Poetry Slam im Jokus beginnt wiederum gegen 20 Uhr.

Am Sonnabend (22. Februar) bin ich zurück in Berlin und zu Gast beim von Dan Richter organisierten Kantinenlesen, dem Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen. Gemeinsam mit Ahne, Frank Sorge und Jochen Reinecke lese ich ab 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei.

Zitat des Monats Februar

Wenn ein vernünftiger Mensch einen guten Schriftsteller mit gehöriger Aufmerksamkeit liest, so wird er finden, er habe sehr viel gewonnen, und vielleicht führt es ihn unmerklich dazu, daß er die hochentwickelten Eigenheiten des Autors nachahmt, obwohl er sich nach einiger Zeit an kein Wort erinnert, ja nicht einmal an den Gegenstand, den das Buch behandelte. Bücher beeinflussen unsere Gedanken und unsere Denkweise auf gleiche Art, wie gute oder schlechte Gesellschaft auf unser Benehmen und unsere Redeweise wirkt, ohne daß sie unser Gedächtnis belastet und ohne daß wir es merken.

Jonathan Swift

Termine der Woche

Am Donnerstag (13. Februar) lese ich wieder mit der Dresdner Lesebühne Sax Royal ab 20 Uhr in der scheune. Das Publikum darf sich wie immer auf einen abwechslungsreichen Abend mit Geschichten und Gedichten, Liedern und allerlei gewagten Späßen freuen. Außer mir werden auch die Stammautoren Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth und als besonderer Gast die Leipziger Autorin Linn Penelope Micklitz mit dabei sein. Sax Royal: ein Abend gegen die große Koalition von Dummheit und Langeweile.

Am Freitag (14. Februar) lese ich zum ersten Mal in Salzburg im schönen Österreich. Ich bin einer der Autoren beim „ARGE Poetry Slam“ im ARGEkultur. Los gehts um 20 Uhr.

Am Sonnabend (15. Februar) lese ich dann noch beim Poetry Slam in Regensburg. Los gehts um 20 Uhr in der Alten Mälzerei.

Sächsische Protestkultur

Ich warte auf die Straßenbahn. Auf dem Dresdner Theaterplatz (vormals Adolf-Hitler-Platz) steht am Straßenrand ein Häuflein bläulicher Demonstranten. Still halten sie Pappschilder in die Höhe und verteilen Handzettel an Passanten. Vor der Semperoper gegenüber sind Absperrungen, Stände und Scheinwerfer aufgebaut, in wenigen Stunden beginnt der Semperopernball. Auf den Schildern der Demonstranten steht „Liebe Dresdner, viel Freude beim Semperopernball!“ und „Kein Orden für Barroso!“ und „Alternative für Deutschland“. Ein älterer Herr spricht die Wartenden an der Haltestelle der Straßenbahn an: „Kennen Sie den Barroso? Den von der EU? Der soll hier heute einen Orden verliehen bekommen! Was hat denn dieser Barroso für Sachsen getan?!“ Einige Menschen lassen sich Zettel in die Hand drücken, andere nicht. Der ältere Herr redet drei Polizisten an, die nebenan postiert sind: „Kennen Sie den Barroso? Was hat denn dieser Barroso für Sachsen getan? Wollen Sie auch ein Flugblatt?“ – „Nee, danke!“, antwortet lächelnd einer der Polizisten und schüttelt den Kopf. „Bei so einer Demonstration, da müssen wir ein bissel politisch neutral bleiben.“ – „Ja, klar, ganz neutral, was?“, sagt der Alte. Alle lachen. Die Straßenbahn hält.

Micha’s Lebenshilfe (35)

Wenn man die Absicht hat, in einer Berliner S-Bahn Platz zu nehmen, sollte man unbedingt nicht nur optisch, sondern auch tastend die Beschaffenheit des Sitzes prüfen, bevor man sein Gesäß niederlässt, da man sich sonst möglicherweise überraschend in einer Pfütze wiederfindet, deren Nässe augenblicklich die Hosen durchweicht, wonach einem nur noch die Hoffnung bleibt, dass hier bloß jemand sein Bier verschüttet hatte.

Termine der Woche

Am Donnerstag, den 6. Februar, moderiere ich wieder gemeinsam mit Stefan Seyfarth den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettkampf beginnt um 20 Uhr. Die Türen öffnen um 19 Uhr. Zeitiges Erscheinen ist ratsam, denn es könnte voll werden. Ein Julia-Engelmann-Effekt bahn sich an!

Am Freitag, den 7. Februar, lese ich noch einmal in Dresden aus meinem neuen Buch Wir trainieren für den Kapitalismus – diesmal am Elbhang im schönen Kulturhaus Loschwitz. Die Lesung wird bereichert durch Jazz: Für musikalische Begleitung sorgt die Dresdner Band 2Hot. Los gehts um 20 Uhr. Karten kosten 10 Euro ermäßigt, sonst 12 Euro.

Am Sonntag, den 9. Februar, lese ich als Gastautor bei der Berliner Reformbühne Heim & Welt. Los geht es nach der Tagesschau um 20:15 Uhr im Kaffee Burger.

Frau Schwarzer erklärt sich

Es gibt viele Menschen, die halten Alice Schwarzer für eine wichtige Stimme des Feminismus. Es gibt andere, die halten sie für eine unerträglich eitle und egoistische Selbstvermarkterin, für eine intellektuelle Dünnbrettbohrerin und schlechte Schriftstellerin, für eine Frau, die sich für persönliche Hetzkampagnen der Bild-Zeitung bedient und sich zu Werbezwecken von der Bild-Zeitung benutzen lässt. Für eine Person mit krimineller Energie hielt sie bislang aber niemand – offenbar zu Unrecht. Ihren Steuerbetrug mag man Alice Schwarzer aber noch verzeihen, unverzeihlich hingegen ist ihre Erklärung:

In eigener Sache

Diese Überschrift könnten eigentlich alle Artikel und Bücher von Alice Schwarzer tragen, auch ihre Autobiografie wäre mit diesem Titel ehrlich getauft gewesen. In ihrem ganzen Leben ging es ihr vor allem um eines: sich selbst.

Ja, ich hatte ein Konto in der Schweiz. Seit Jahrzehnten, genauer: seit den 1980er Jahren. Und erst im vergangenen Jahr habe ich es bei meinem Finanzamt angezeigt. Ich habe die Steuer für die Zinsen nachgezahlt und das Konto aufgelöst. Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen.

Man glaubt doch wirklich, Uli Hoeneß reden zu hören. Immer machen die Steuerbetrüger nur „Fehler“, nie begehen sie Straftaten. Sie möchten bedauert, nicht verurteilt werden. Und bedauern selbst am meisten, erwischt worden zu sein.

Inzwischen ist alles legal. Ich gehöre nicht zu den tausenden, die Schwarzgeld in der Schweiz haben, das bis heute nicht versteuert ist. Meine Steuern sind gezahlt.

Ja, seit einem Jahr!

Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis. Das schützt zehntausende von Deutschen, die, wie ich, unaufgefordert die Initiative ergriffen haben, ihr Konto in der Schweiz zu legalisieren. Und es schützt auch die „Dutzenden von Prominenten“, von denen Experten zu berichten wissen. Über keinen von ihnen ist bisher geschrieben worden, obwohl „spektakuläre Namen“ dabei sein sollen. Aber das gilt anscheinend nicht für mich.

So kämpft die Frau, die einstmals als Ikone der Linken galt, nicht etwa gegen das skandalöse Privileg von wohlhabenden Steuerhinterziehern, sich bei drohender Entdeckung freizukaufen – und dabei auch noch anonym zu bleiben. Nein, sie beansprucht dieses Privileg auch für sich als gutes Recht!

Ja, ich habe einen Fehler gemacht, ich war nachlässig. Aber ich habe den Fehler wieder gutgemacht. Ich habe für die letzten zehn Jahre gesamt rund 200.000 € Steuern nachgezahlt, plus Säumniszinsen. Der Fall ist damit auch aus Sicht der Steuerbehörde bereinigt. Mit welchem Recht also jetzt diese Denunzierung?

Mit dem Recht, mit dem die Gerechtigkeit sich ab und zu über falsche Gesetze hinwegsetzen darf. Ein Hoch auf den tapferen Finanzbeamten, der sich den Spaß erlaubte, uns über den Charakter von Alice Schwarzer weiter aufzuklären!

In meinem Fall wurde die Information von einem Informanten aus der Schweiz, wie es heißt, gleich mehreren Redaktionen gesteckt, nacheinander – damit es einer sicher bringt. Mehrere Medien hatten sich entschlossen, aus rechtlichen wie ethischen Bedenken, von einer Veröffentlichung Abstand zu nehmen. Der Spiegel allerdings mochte der Versuchung nicht widerstehen. Er pfeift darauf, dass er damit illegal handelt. Darum werde ich jetzt selber etwas dazu sagen.

Illegal handelt also nicht die, die illegal handelt, sondern der, der uns über das illegale Handeln aufklärt. Ganz klar: Frau Schwarzer ist weiblich und Der Spiegel ist männlich. Damit ergibt sich ja von selbst, wer hier Opfer und wer Täter ist.

Rufschädigung? Klar. Zu viele haben in meinem Fall ein Interesse daran. Ein politisches Interesse. Und ich frage mich, ob es ein Zufall ist, dass manche bei ihrer Berichterstattung über mich gerade jetzt auf Recht und Gesetz pfeifen? Jetzt mitten in der von EMMA angezettelten Kampagne gegen Prostitution, wo es um Milliarden-Profite geht. Bei der Jahrzehnte währenden Kritik von EMMA am Ehegattensplitting, mit dem Vater Staat die Hausfrauenehe mit Milliarden subventioniert. Oder auch nach so scharfen öffentlichen Kontroversen, wie im Fall Kachelmann.

Es ist ja ganz klar: Eine gewaltige Verschwörung ist da im Gange! Deutsche Puffbesitzer und deutsche Ehemänner, sie haben sich vereinigt, um eine tapfere Frau mundtot zu machen. Und wer hat diese Intrige eingefädelt? Na klar, der Kachelmann! Denn der ist: Schweizer! Na, klingelt’s?!

Doch so ein Schritt ist auch ein Dammbruch für die Medien. Mit einem Präzedenzfall Schwarzer wird in Sachen Persönlichkeitsschutz die eh schon tiefe Latte noch niedriger gehängt. Illegal? Persönlichkeitsverletzung? Na und!

Die tiefe Latte, Leute! Merkt ihr’s nicht: Hier ist die Phallokratie am Werke!

Ein Wort noch zu meinen Gründen für dieses Konto: Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.

Bin ich der Einzige, der hier die Hühner lachen hört und gleichzeitig weinen muss? Alice Schwarzer – verfolgt in der BRD der achtziger Jahre.

So denke ich schon länger nicht mehr. Mein Konto hat sich in diesen Jahrzehnten durch Zinsen und Zinseszinsen vervielfacht, denn in all der Zeit habe ich nie einen Cent von dem Konto abgehoben. Es war einfach da. Zu meiner Beruhigung.

Ja, Geld beruhigt ungemein. Es ist so schön, wenn es einfach da ist.

Selbstverständlich hätte ich das Schweizer Konto dennoch von Anfang an beim deutschen Finanzamt angeben müssen, um die Zinsen zu versteuern. Doch ganz ehrlich: Auch mein persönliches Unrechtsbewusstsein hat sich an dem Punkt erst in den letzten Jahren geschärft.

Ja, das Unrechtsbewusstsein von Kriminellen schärft sich immer dann, wenn die Gefahr wächst, geschnappt zu werden.

Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Zum Beispiel Rufmord. Steuerfehler aber, wie ich einen gemacht habe, kann man wieder gutmachen (Und das sieht auch das Gesetz ausdrücklich so vor). Und genau das habe ich getan.

In der Tat: Ein Rufmord wie jener, den Alice Schwarzer an Jörg Kachelmann verübte, lässt sich nicht wieder gutmachen. Dagegen lässt sich eine Steuerschuld tilgen. Der Rufselbstmord, den Frau Schwarzer mit dieser Erklärung verübte, wird hoffentlich nicht mehr zu tilgen sein.