Waldesruh. Ein Heimatgedicht

O, du schöner deutscher Wald
Bist mein liebster Aufenthalt!
Zwischen Eichen, Kiefern, Schlehen
Muss ich keine Deutschen sehen.

Pilze sprießen aus dem Moose.
Und es blüht die Herbstzeitlose.
Füchslein schleicht auf leisen Pfoten,
Aber keine Patrioten.

Stämme ächzen müd im Winde.
Spechte klopfen auf die Rinde.
Höhlen seh ich hier von Dachsen,
Doch rein gar nichts von den Sachsen.

Zitat des Monats September

Hier dagegen, wo allen alles gehört, ist jeder sicher, daß keinem etwas für seine persönlichen Bedürfnisse fehlt, sofern nur dafür gesorgt wird, daß die öffentlichen Speicher gefüllt sind. Es gibt nämlich keine mißgünstige Güterverteilung, es gibt weder Arme noch Bettler dort, und obwohl keiner etwas besitzt, sind doch alle reich.

Thomas Morus: Utopia

Ihr seht schon: es gibt dort keinerlei Möglichkeit zum Müßiggang und keinerlei Vorwand, sich vor der Arbeit zu drücken: keine Weinstube, keine Bierschenke, nirgendwo ein Freudenhaus, keine Gelegenheit zur Verführung, keinen Schlupfwinkel, keine Lasterhöhle. Vor aller Augen vielmehr muß man seine gewohnte Arbeit verrichten oder seine Freizeit anständig verbringen.

Thomas Morus: Utopia

Aus meiner Fanpost (11): Ein Multikulti-Schmierfink der Sächsischen Zeitung in Aktion

Es ist mir eine Ehre, wegen meines Textes Das letzte Gefecht der Rassisten Gegenstand der 1052. Pressemitteilung des AfD-Landesverbandes Sachsen zu sein. Dass sie bei meiner jüngsten Lesung in Dresden von Protestierern vor der Tür sogar als Handzettel verteilt wurde, hat mich auch höchlich erfreut. Ich helfe gern bei einer noch weiteren Verbreitung:

Ein Multikulti-Schmierfink der Sächsischen Zeitung in Aktion
Meissen, 13.9.2015

Ein Rassist ruft „Haltet den Dieb!“
Kommentar zum Artikel des Michael Bittner vom 27.08.2015
https://michaelbittner.info/2015/08/27/das-letzte-gefecht-der-rassisten/

Selten kann man einen Beitrag lesen, wie den von M. B., der nur so von Hetze gegen Andersdenkende strotzt.

Und es bleibt nicht dabei, auch ganze Territorien werden wie z. B. Sachsen als kulturell und politisch zurückgeblieben herabgewürdigt.

Nun, dieser Herr M. B hat vermutlich die Zeit verpasst, sonst wäre ihm vielleicht eine Redaktionsstelle in früheren Systemen angeboten worden.
Wehe dem, der das Wort Heimat in den Mund nimmt, diesen „Rassisten“ trifft die ganze Wut des M.B., denn diese Menschen teilen nicht seine, einzige und wahre, Meinung. Es geht weiter, wenn M.B. den Volkstod herbeisehnt, genannt die Vermischung des Deutschen mit anderen Kulturen.
Allerdings geht ihm diese zu langsam, also muß die Zuwanderung in die so wörtlich „Kuhdörfer“ Meißen, Freital, Heidenau, Tröglitz und Schnelllroda. Den Eigennutz dieser Bestrebungen gibt M. B. sogar zu, er wolle nicht allein sein mit den Deutschen! Nun, wir sind sprachlos, aber nicht so stumm, um ihm nicht einen Rat geben zu können: Pack Dein Ränzel, verlass diese Kuhdörfer-Gemeinschaft und sichere Dir ein anderes Fleckchen Erde. Vermissen wird Dich keiner und mit einer Heimat wirst Du auch nicht belästigt werden.

Detlev Spangenberg

Termine der Woche

Am Dienstag (15. September) feiert die Dresdner Sektion des Vereins Deutsche Sprache den „Tag der deutschen Sprache“. Zu diesem Anlass bestreite ich eine musikalische Lesung zusammen mit der Dresdner Band 2Hot unter dem Titel „Sprachkritik und Boogie Woogie“. Zu hören gibt’s also gleichermaßen Satiren und Kolumnen über sprachliches und kulturelles Elend wie groovigen Jazz und Swing. Los geht es um 19 Uhr im Ortsamt Loschwitz. Der Eintritt ist frei!

Von Dienstag bis zum Sonntag (15. bis 20. September) findet in dieser Woche zum siebten Mal Literatur Jetzt!, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur statt. Ich war auch in diesem Jahr unter den Organisatoren des Literaturfestes, das die Grenzen zwischen literarischer Subkultur und Hochkultur durchlässiger machen möchte. In diesem Jahr widmet sich das Festival unter dem Motto „Neue Welten“ besonders Autoren, die sich Zukunftsutopien verschrieben haben oder in ferne Regionen der Erde führen. Besonders herzlich lade ich ein zur Lesung von Helge Meves, der am Sonntag (20. September) das von ihm herausgegebene Buch „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ im Kunsthaus Dresden präsentieren wird. Ich darf die Lesung moderieren und mit Helge Meves über Piraten als Sozialrebellen, Staatsgründer und Frühkommunisten diskutieren. Los geht es um 20 Uhr.

Der Zorn der Sachsen

Mit Verwunderung blickt ganz Deutschland auf einen kleinen Flecken am Rande der Republik: Sachsen. Ein Bundesland, das bislang nur für eine sympathische Sprachbehinderung seiner Einwohner und den Schnauzbart von Wolfgang Stumph bekannt war. Das abgelegene Ländchen steht nun plötzlich mitten im Licht jener brennenden Flüchtlingsheime, die allnächtlich von jungen Sachsen angezündet werden. Tagsüber melden sich derweil besorgte Sachsen mit kritischen Anmerkungen zur Migrationspolitik wie „Mistvieh!“, „Hure!“ oder „Fotze!“ zu Wort. Was ist bloß los im Freistaat?

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Termine der Woche

Am Mittwoch (9. September) bin ich in Berlin in der Buchhandlung ocelot zu Gast im Rahmen von „Berlin liest“, dem Eröffnungstag des 15. Internationalen Literaturfestivals. Unter dem Titel „Die besorgten Bürger“ lese ich eine Auswahl jener Texte, die ich in den letzten zehn Monaten zur Debatte um Migration und Fremdenhass geschrieben habe. Achtung: Los geht es schon um 16:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag (10. September) beendet die Dresdner Lesebühne Sax Royal endlich die öde Sommerpause. Neue Geschichten gibt es nicht nur von mir, sondern wie immer auch von Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth. Los geht es um 20 Uhr in der scheune. Karten gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf.

Am Freitag (11. September) startet auch die Lesebühne Grubenhund in Görlitz in die neue Saison. Neue Geschichten lesen mit mir die anderen Stammautoren Udo Tiffert und Max Rademann. Los geht es um 19:30 Uhr im gemütlichen Kino Camillo.

Am Sonnabend (12. September) bin ich einer von beinahe zwanzig tollen Lesebühnenautorinnen und -autoren, die zum 15. Geburtstag des Kantinenlesens auftreten. Ort ist wie immer die Alte Kantine, Moderator wie immer Dan Richter, aber Achtung: Es geht aufgrund der Fülle der Autoren diesmal schon um 19:30 Uhr los!

Termine der Woche

Am Donnerstag (3. September) moderiere ich wieder gemeinsam mit Stefan Seyfarth den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettkampf beginnt um 20 Uhr.

Am Freitag (4. September) lese ich gemeinsam mit der Band 2Hot in der Robert Philipp Buch- und Spielwarenhandlung in Großröhrsdorf (Hohe Str. 1). Während die Band beschwingten Jazz und Boogie Woogie spielt, lese ich eine bunte Mischung aus älteren und aktuellen Satiren, Kolumnen und Geschichten. Los geht es um 19 Uhr.

Am Sonntag (6. September) lese ich gemeinsam mit der Liedermacherin Jana Berwig in Dresden. Passend zu ihren Liedern über die Liebe werde auch ich Geschichten vorlesen, die soweit irgend möglich nichts mit der nervtötenden Politik zu tun haben. Los geht es um 19 Uhr in der Rösslstube.

Aus meiner Fanpost (10): Rassismus und Sexualneid

Zu meinem Beitrag Das letzte Gefecht der Rassisten erreicht mich folgende Mail von Herrn M****:

Hallo Michael,

Über das Irrationale in der deutschen Seele

Willkommenskultur – für nicht wenige Bürger in diesem Lande stellt partout diese sprachliche Neuschöpfung bereits heute das Unwort des Jahres 2015 dar.

Die entsprechenden Bilder, die diesbezüglich von den Mainstream-Medien veröffentlicht werden, zeigen Menschen deutscher Herkunft, welche sich aufopferungsbereit um das Wohl von sogenannter Refugees (Flüchtlinge) bemühen. Differenziert wird dabei ganz offensichtlich kaum oder gar nicht zwischen solchen Personengruppen, die mit einer sehr hohen materiellen Anspruchshaltung ohne jedwede Rechtsgrundlage in dieses Land einwandern (wollen), und politisch bzw. religiös Verfolgten.

Auffällig ist ferner, dass es in der überwiegenden Mehrzahl Frauen sind, die neben staatlichen Institutionen freiwillig und äußerst engagiert ihre wohl wahrhaftige Empathie ausdrücken – und zwar völlig Fremden gegenüber, in der Mehrzahl Männer im Lebensalter zwischen 18 und 35 Jahren.

Es scheint also keine Fehlinterpretation zu sein, dass auf der Seite deutscher Frauen – gleich, ob jung oder alt – ein ausgeprägtes Bedürfnis zur Emotionalität besteht. Und beim kritischen Betrachter entsteht die Frage, in welchem Umstand sich diese Tatsache schließlich begründet.

Eine Vermutung ist, dass der weibliche „Bemutterungsinstinkt“ in diesem Land nicht hinreichend befriedigt wird – nicht zuletzt aufgrund geringer Geburtenzahlen, fehlender Kinder und Kindeskinder.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Eheschließungen zwischen deutschen Frauen und Flüchtlingen in naher Zukunft drastisch ansteigen werden. Der fremdländische Mann, im besten reproduktionsfähigen Alter, ist nicht weichgespühlt. Vielmehr dominiert in arabischen bzw. in islamisch geprägten Kulturen der Macho. Und ganz sicher identifiziert sich dieser nicht mit einer in Deutschland weit verbreiteten Haltung des männlichen Geschlechts, seine ihm angeborenen Verhaltensweisen (Dominanzgebahren etc.) freiwillig durch Sozialisationsprozesse aufzugeben.

Mitunter mag dieser Zusammenhang bis dato noch nicht dasjenige Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit erhalten, welcher ihm eigentlich gebührte. Fakt ist jedoch, dass sich zwangsläufig aus dem sich einstellenden „Männerüberschuss“ zumindest destruktive Verhaltensweisen entwickeln könnten, welche tiefgreifende gesellschaftliche Auseinandersetzungen zwischen den Einheimischen und den Kulturfremden nach sich zögen.

Das in diesen Tagen schon spürbare Aggressionspotenzial unter rechts gesinnten deutschen Männern ist allerorts spürbar. Und es ist nicht auszudenken, was sich insofern in den nähsten Wochen und Monaten noch entwickeln wird. Niemand weiß das – weder Soziologen noch Psychologen, weder Juristen noch Politologen.

Festzustellen ist freilich, dass eine ganz neue Form des Selbstbewusstseins auch und gerade innerhalb der jüngeren Generation Deutschlands entsteht, der man eine eigene deutsche Identitätsbildung zwar nicht verwehrt hat, der man allerdings Begriffe wie Nation, deutsche Kultur, deutsches Wesen etc. pp. systematisch genommen hat.

Es ist legitim, von einer Art der Massenvergewaltigung zu sprechen. Jeder Mensch, man erinnere sich bitte an entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse des Begründers der Humanethologie, namentlich ist hier von Professor Eibl-Eibesfeldt die Rede, die etwa das Phänomen der Xenophobie – der Angst vor dem Fremden – als dem Menschen immanent qualifizieren.

Was an dieser Stelle ein wenig hochtrabend klingen mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Verhaltenskomponente, die entweder kompensiert oder kanalisiert werden muss. Das Thema Gewalt wird uns in diesem Zusammenhang ganz sicher weiterhin noch beschäftigen müssen – der selbst ernannte Homo sapiens sapiens mag zwar zur Weisheit fähig sein, seine tierischen Wurzeln hat er jedoch längst noch nicht überwunden.

Sehr geehrter Herr M****,

ich danke Ihnen sehr für Ihre Nachricht! Ihr Brief dokumentiert auf unschätzbare Weise die charakteristischen Züge des gegenwärtigen Rassismus. Zunächst belegt er eindrucksvoll: Für den Rassismus sind keineswegs nur dumme oder zurückgebliebene Menschen anfällig. Es gibt auch kluge und gebildete Rassisten wie Sie, die ihren rassistischen Wahn wissenschaftlich zu rationalisieren wissen.

Unter der ruhigen Oberfläche allerdings brodelt doch der Hass und gelegentlich tritt er in unbewussten Fehlleistungen zutage. Sie schreiben von „arabischen bzw. islamisch geprägten Kulturen“, können also nicht zwischen Ethnie und Religion unterscheiden. Damit widerlegen Sie selbst aufs Beste das heuchlerische Gerede der gegenwärtigen Rassisten, sie seien ja gar nicht rassistisch, weil es ihnen nur um Religionskritik und kulturelle „Identität“ gehe. Herzlichen Dank für diese ungewollte Offenheit!

Sehr schön wird in in Ihrem Brief auch der enge Zusammenhang von Sexismus und Rassismus deutlich. Schon Oswald Spengler machte in Der Untergang des Abendlandes die Frauenemanzipation für die „Unfruchtbarkeit des zivilisierten Menschen“ verantwortlich, die eine „Wendung zum Tode“ der Blutsgemeinschaft einleite. Sie schreiben den unbefriedigten und von Natur aus geistesschwachen („Emotionalität“) Frauen auch noch eine unbewusste Sehnsucht nach brutalen Machos zu. Der Rassist und Antifeminist Otto Weininger bezeichnete in Geschlecht und Charakter diesen Trieb der Frauen mit noch größerer Offenkeit als „Bedürfnis, vergewaltigt zu werden“. Ein solcher Trieb bietet natürlich, wie Sie konsequent folgern, den kulturfremden Horden des Südens eine hervorragende Gelegenheit für einen Angriff auf die Reinheit unseres arischen Blutes.

Herr M****, wenn Sie nachts im Bett liegen, vielleicht an der Seite Ihrer schlafenden Ehefrau, und sich dann ausmalen, wie so eine dunkle, haarige Bestie über eine blonde Jungfrau herfällt – dann empfinden Sie nicht nur gewaltigen Hass, sondern Sie bekommen auch eine gewaltige Erektion. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was das bedeuten könnte? Wäre es vielleicht möglich, dass Sie Ihre eigene Frauenverachtung, ihre eigenen geheimen Wünsche auf jene bösartigen Fremden projizieren? Ich möchte aber nicht weiter über Ihre sexuellen Nöte spekulieren, die sich in so zwanghaften Vergewaltigungsfantasien entladen.

Herr M****, Sie sind in einem sehr schlimmen Wahn befangen. Ich würde Ihnen gerne helfen, aber ich fürchte, dazu bin ich nicht in der Lage. Ich wünsche Ihnen dennoch gute Besserung. Sehen Sie aber bitte davon ab, mir noch weitere Briefe zu senden.

Hochachtungsvoll, Michael Bittner.

Das letzte Gefecht der Rassisten

Sachsen hat ein Problem, aber das Problem heißt nicht Sachsen. Es wäre albern, wollte man bestreiten, dass die Fremdenfeindlichkeit in den östlichen Bundesländern dumpfer und militanter ist als in den westlichen. Aber wer Xenophobie zum Zonenproblem verniedlicht, der macht es sich zu einfach. Im Osten wird nur in besonders drastischer Form eine Krise offenkundig, die ganz Deutschland, ja ganz Europa betrifft. Eine kulturell und politisch zurückgebliebene Region wie Sachsen ringt nur besonders verzweifelt mit einem Problem, das auch andernorts längst noch nicht überwunden ist. Und dieses Problem heißt Rassismus.

Was aber ist Rassismus eigentlich? Wer darunter bloß die Diskriminierung wegen Aussehen und Herkunft versteht, der erfasst den eigentlichen Kern dieser Weltanschauung nicht. Der Wahn des Rassismus ist viel existenzieller und darum, in die Praxis umgesetzt, mörderischer. Ein Blick in einen Klassiker des Genres wie Gobineaus Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen macht dies deutlich. Der Rassist leugnet nicht nur die Existenz einer universellen Menschheit und ordnet die Menschen stattdessen in höher- und minderwertige, sich ewig bekriegende Rassen. Sein größtes Feindbild ist das „Rassenchaos“, die Vermischung der Rassen. Sie ist für ihn Ursache der Degeneration und Vernichtung der überlegenen weißen Kultur. Als Gegenmittel bleibt nach seiner Überzeugung nur strikte Rassentrennung und die gesunde „Inzucht“ der Weißen. Diese ungemein wirkungsvolle Wahnidee sitzt als unbewusste Angst auch in Menschen, die sich selbst nie als Rassisten bezeichnen würden. Aber die eigene Tochter und ein Neger – igitt!

Der Alptraum der Rassisten wird gerade in Europa Wirklichkeit. In den Großstädten ist er schon Realität, aber selbst in den ländlichen Regionen des Ostens beginnt ein Transformationsprozess von der homogenen zur heterogenen Gesellschaft. Die Furcht der Provinzbevölkerung beschreibt Prof. Werner Patzelt treffend mit den Worten:

Viele Leute in Sachsen, doch auch darüber hinaus, empfinden die – bis in die Kleinstädte sichtbar werdenden – Begleiterscheinungen der Einwanderung als „Entheimatung“. Das heißt: Man bleibt zwar im eigenen Land, erkennt aber in ihm so große Veränderungen, dass man sich zunehmend heimatlos fühlt.

Deutsche, die eine sichere Heimat haben, glauben diese also gefährdet durch Flüchtlinge, die im Gegensatz zu ihnen oft wirklich eine gewaltsame „Entheimatung“ erlebt haben und nun in wenig heimeligen Heimen leben müssen. Übergehen wir einmal die Komik, die in dieser deutschen Selbststilisierung zum Opfer liegt. Was müssten die Sachsen denn aushalten? Sie müssten den Anblick von Menschen ertragen, die anders aussehen als sie, anfangs auch den Klang der Stimme von Menschen, die des Sächsischen noch nicht mächtig sind. Würde ihnen dadurch die Heimat genommen? Ja – und zwar dann, wenn unter Heimat ein Ort zu verstehen ist, wo alle ungefähr gleich aussehen und reden. Diese Uniformität ist im Osten Deutschlands bislang tatsächlich noch weitgehend intakt. Sie wird den Deutschen wirklich genommen werden.

Jene Deutschen, in denen der rassistische Wahn nur als unbewusste Furcht sitzt, werden durch die Realität kuriert. Fremdenfeindlichkeit lässt sich durch persönlichen Kontakt mit Fremden überwinden, wie die geringere Xenophobie in Großstädten zeigt. Schnell stellt sich bei der konkreten Begegnung der bedrohliche Zuwanderer als normaler Mensch heraus, der meist weder besser noch schlechter ist als die Einheimischen. Für die bewussten Rassisten hingegen ist die Zuwanderung existenzbedrohend. Nicht nur wird ihr Alptraum Wirklichkeit. Viel schlimmer: Ihre Ideologie wird durch diese Realität widerlegt. Denn das fröhliche Rassenchaos führt ganz und gar nicht zum prophezeiten Niedergang. Weil die Rassisten spüren, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, ist ihre Gegenwehr so wütend. Ihr Irrsinn kann noch viele Opfer kosten, aber siegen kann er nicht. Die Zahl der Mischehen, so lesen wir, steigt beständig. Jedes dritte Kind, das in Deutschland geboren wird, hat inzwischen einen sogenannten „Migrationshintergrund“. Wir dürfen uns freuen: Der „Volkstod“ ist nur noch eine Frage der Zeit.

Es gibt Politiker und Experten, die meinen, man könne die Fremdenfeindlichkeit bekämpfen, indem man die Zuwanderung reduziert oder ausschließlich in die Großstädte leitet. Je weniger Fremde den Rassisten vor die Fäuste laufen, desto weniger Gewalttaten werden geschehen, so lautet die triste Logik der Kapitulation, die hinter solcher Argumentation steckt. Mir scheint das Gegenteil richtig: Die Abschaffung des Rassismus gelingt am sichersten durch die Völkermischung. Wir sollten die Zuwanderung – allerdings im Rahmen der praktischen Möglichkeiten – fördern und die Zuwanderer geradewegs in jene Kuhdörfer lenken, wo frische Gene ersichtlich am dringendsten benötigt werden: nach Dresden, nach Meißen, nach Freital, nach Heidenau, nach Tröglitz, nach Schnellroda. Allerdings müssen dann jene weltoffenen Deutschen, die es natürlich auch gibt, die Zuwanderer gegen jene Einheimischen schützen, die sich noch in vorzivilisatorischem Zustand befinden.

Ich will schließlich auch zugeben, dass mein Plan nicht ganz uneigennützig ist: Liebe Menschheit, bitte lass mich nicht allein mit diesen Deutschen!

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Leseempfehlung:

Versuch über die Ungleichheit der Menschenracen. Vom Grafen Gobineau. Deutsche Ausgabe von Ludwig Schemann. Erster Band. Stuttgart: Fr. Frommanns Verlag (E. Hauff), 1898.

Zitat des Monats August

Wir sehen, gleich dem David, den salomonischen Tempel nur in Träumen und die Stifthütte im Wachen; aber die Philosophie wäre jämmerlich, die von den Menschen nichts forderte, als was diese bisher ohne Philosophie leisteten. Wir müssen die Wirklichkeit dem Ideal, aber nicht dieses jener anpassen.

Jean Paul