PEGIDA und NSDAP – ein Vergleich

Die Frage, wie man PEGIDA als Bewegung politisch einordnen sollte, wird verschieden beantwortet. Der Großteil der Anhänger glaubt, die Stimme des ganzen deutschen Volkes zu repräsentieren. Für einen Teil der Beobachter handelt es sich um besorgte Bürger, unter die sich leider auch einige Rechtsextremisten gemischt haben. Ich möchte hier eine andere Sichtweise vorschlagen: PEGIDA ist eine neofaschistische Bewegung, der es – allerdings nur zeitweise und regional begrenzt – gelungen ist, auch viele konservative Bürger, politikferne Menschen und sogar einige linke Systemkritiker zu mobilisieren. Um Missverständnissen vorzubeugen, sei sogleich angemerkt: Wenn PEGIDA hier als faschistische Bewegung begriffen wird, so impliziert das nicht die Behauptung, jeder Anhänger oder auch nur die Mehrheit von ihnen hätte eine ideologisch verfestigte faschistische Weltanschauung. Aber der Charakter und die Dynamik einer solchen Bewegung wird eben nicht von den Mitläufern bestimmt, besonders wenn diese wie in Dresden so schafsmäßig gleichgeschaltet ihren Führern kritiklos zujubeln und hinterhertrotten. Eben diese Führer bestimmen darüber, wohin sich PEGIDA bewegt. Und an der Richtung kann es ein Jahr nach der Gründung kaum mehr einen Zweifel geben.

Eine der größten Erfolgsgeschichten des Faschismus ist zweifellos die Eroberung Berlins in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Joseph Goebbels gelang es als Chef der zuvor schwächlichen örtlichen NSDAP, noch vor der Machtübernahme 1933 die Meinungshoheit ebenso wie die Hoheit über die Straßen weitgehend zu erringen. Die Parteizeitung Der Angriff benutzte er zu diesem Zweck ebenso virtuos wie den offenen Terror. Seine Strategie ist bis heute Vorbild für alle ähnlichen Versuche – so offenkundig auch für PEGIDA. Für den folgenden Vergleich ziehe ich eine höchst aufschlussreiche Propagandaschrift von Joseph Goebbels mit dem Titel „Der Nazi-Sozi“. Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten heran. Sie stellt mit rücksichtsloser Offenheit die Ziele und Methoden der frühen NSDAP vor 1933 dar.

Alle Parteien haben das Volk belogen und betrogen. Keine hat es ehrlich gemeint und in der Praxis das auch nur versucht, was sie in der Theorie versprochen hatte. Sie kannten das Volk nur bei Wahlen. Aber sind die Parteien Deutschland und die Enttäuschung über ihren Betrug die Verzweiflung an unsere [sic] Zukunft? Sind die Parteien schlecht, dann heraus aus den Parteien und mit dem Volke gegen die Parteien!

Dieses Zitat stammt nicht von Lutz Bachmann, sondern von Joseph Goebbels. Ausgangspunkt jeder faschistischen Bewegung ist eine diffuse Unzufriedenheit mit dem „System“, mit sämtlichen Regierungen und allen Parteien. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die für solche Ausrufe der Frustration gar keine Sympathie haben. Wer mag schon Politiker? Fundamentalkritik stößt also immer auf reichlich Zustimmung. Der faschistische Trick besteht nun darin, die eigene Partei nicht als eine Partei unter vielen, sondern als einzig legitime Vertretung der ganzen Nation darzustellen. In der Terminologie von PEGIDA: „WIR – NUR WIR SIND DAS VOLK“, wie auf einem Transparent bei einer Demonstration prominent zu lesen stand. Zu dieser Strategie gehört es, sich von allen traditionellen politischen Zuschreibungen zu distanzieren, sich nicht einordnen zu lassen ins politische Spektrum.

Wir sind weder rechts, noch links, wir sind zu Recht besorgt, das ist alles!!! (PEGIDA Leipzig am 18. März bei Facebook)

Wir sind weder bürgerlich noch proletarisch. (Joseph Goebbels)

Wie können nun aber Leute, welche die Behauptung „Wir sind das Volk!“ im Munde führen, die Demokratie, also die „Volksherrschaft“, abschaffen wollen? Dazu ist es nötig, der bestehenden Demokratie den demokratischen Charakter abzusprechen. Hier kann der Faschismus durchaus an die konservative und die sozialistische Kritik am Einfluss der Ökonomie auf die Politik anschließen. Diese wird allerdings bis zur Absurdität übersteigert, sodass die liberale Demokratie als bloße Fassade erscheint, hinter der dunkle Gestalten die Strippen ziehen:

Eine schlechtere Staatsform als unsere heutige sogenannte Republik gibt es wohl kaum. Das ist gar keine Republik. Das ist ein internationales Ramschgeschäft, in dem die versteigernden Ausrufer und die meistbietenden Hebräer sich Staatsmänner und Kommissare nennen.

Ganz ähnlich ist bei PEGIDA von der „BRD-GmbH“ die Rede. Die eigentlichen Übeltäter sucht eine nationalistische Bewegung natürlich im Ausland. Tatjana Festerling richtet ihre mäßig erfolgreichen Boykottaufrufe gegen internationale Unternehmen, nicht gegen einheimische. Und Joseph Goebbels meint:

Gewiß haben wir klar erkannt, daß der Feind sich international auf dem Rücken der Nationen Europas einrichtet. Es gibt kaum noch nationale Kapitalsarten in Deutschland: Eisenbahn, Bergwerke, Fabriken, Geld, Gold, Reichsbank, alles ist umgemünzt in Aktienscheine, und diese liegen in den Tresors der Judenbanken in London und Newyork.

Einen großen Teil seiner Anziehungskraft, gerade bei den sogenannten kleinen Leuten, verdankt der Faschismus solchen antikapitalistisch klingenden Appellen. Die Volksgemeinschaft soll nicht nur politische Widersprüche, sondern auch Klassengegensätze aufheben:

Wir nennen uns Arbeiterpartei, weil wir die Arbeit frei machen wollen, weil für uns die schaffende Arbeit das vorwärtstreibende Element der Geschichte ist, weil Arbeit uns mehr bedeutet als Besitz, Bildung, Niveau und bürgerliche Herkunft.

Klingt das nicht recht schön? Die von Goebbels in der frühen Schrift noch versprochenen Verstaatlichungen blieben allerdings später aus. Man erkennt erst im Rückblick, wohin der Weg wirklich führte: zu „Arbeit macht frei“. Denn eine gleichgeschaltete deutsche Volksgemeinschaft lässt sich nur durch den Ausschluss der undeutschen Elemente herstellen. Für Goebbels waren das zunächst die „jüdische[n] Arbeiterverräter“ der kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien, für PEGIDA beginnt die Linke schon bei der CDU, demgemäß sind alle Politiker „Volksverräter“. Weiterhin auszuschließen sind alle andersdenkenden Journalisten, die bei PEGIDA als „Lügenpresse“, bei Goebbels als Judenpresse verurteilt werden: „Sei kein Radauantisemit, aber hüte dich vor dem Berliner Tageblatt.“ Am wichtigsten für die Volksgemeinschaft allerdings ist die ethnische Reinheit. Gegen eine „Umvolkung“, wie sie von PEGIDA bekämpft wird, wehrte sich schon Goebbels:

Die Natur will nicht die Einheit, sondern die Mannigfaltigkeit. Sie will nicht die Menschheit als Einheitsbrei, sondern die Menschheit als Zusammensetzung der verschiedensten Völker und Rassen, unter denen sich der Stärkste immer vor dem Schwachen behaupten wird.

Hier lässt sich der wichtigste Unterschied zwischen PEGIDA und der NSDAP feststellen. Für die Nazis waren es vor allem die Juden, die „unschädlich“ (Goebbels) gemacht werden sollten. Bei PEGIDA spielt der Antisemitismus – zumindest an der Oberfläche – keine zentrale Rolle, stattdessen sind es vor allem Muslime, aber natürlich auch „Ausländer“ überhaupt, die als „Invasoren“ zur Bedrohung des deutschen Volkes erklärt werden. Offiziell ist daran nichts rassistisch, weil es angeblich nicht um Rasse, sondern nur um „Kultur“ geht – aber um das zu glauben, braucht man schon ein übermenschliches Maß an Naivität.

Weitere Übereinstimmungen zeigen sich in der Taktik. PEGIDA offenbart immer wieder jene Verachtung der demokratischen Institutionen, die auch die NSDAP auszeichnete. Man will nicht Mitsprache, man will die ganze Macht, denn man repräsentiert ja auch das ganze Volk. Das schließt freilich nicht aus, dass man aus taktischen Gründen zunächst erst einmal eine Partei gründen muss. Hören wir noch einmal Dr. Goebbels:

Wir aber pfeifen auf Stimmenzahl und Parlament. Wir wollen nicht nur für unser Programm im Reichstag „eintreten“, sondern wir wollen es durchführen. Darin unterscheiden wir uns von allen anderen Parteien. Die anderen treten ein, reden, debattieren, stimmen ab, lassen sich Diäten auszahlen. Wir aber handeln. Wir schaffen uns die Machtgruppe, mit der wir einmal diesen Staat erobern können, und werden dann rücksichtslos und brutal mit dem Machtwillen des Staates unseren Willen und unser Programm durchsetzen.

Wer noch immer glaubt, die Deutschen hätten nicht ahnen können, was mit den Nazis auf sie zukommt, wird durch die Schrift von Joseph Goebbels eines Besseren belehrt. Er sagt’s ganz offen. Ihm war es sogar scheißegal, ob denn nun wirklich eine Mehrheit der Deutschen von der NSDAP überzeugt würde:

Wir wollen Deutschland frei machen, weiter nichts. Ist das deutsche Volk nicht damit einverstanden, daß es freigemacht wird, dann pfeifen wir auf dieses Einverständnis. Ein großer Teil des deutschen Volkes ist ja heute schon so materialistisch und so feige geworden, daß er nur gegen seinen Willen und mit Gewalt glücklich zu machen ist.

Das Hadern mit den Mitbürgern ist auch bei PEGIDA oft zu hören, denn das Volk ist einfach nicht so, wie Lutz Bachmann sich das „Volk“ wünscht. Um zu erklären, warum PEGIDA dabei versagt, die Mehrheit der Deutschen zu überzeugen, muss man dann zu Verschwörungswahnideen greifen: Die Gegner sind alle „staatsfinanzierte Antifa“ (Tatjana Festerling), also „bezahlte Knechte“ (Goebbels).

Wie die NSDAP, so greift auch PEGIDA zum Mittel des Straßenterrors. Zwar distanziert sich offiziell Lutz Bachmann von Gewalt, entschuldigt sie jedoch im gleichen Atemzug als verständliche Reaktion auf die herrschende Unterdrückung, also gleichsam „völkische Selbstverteidigung“ (Goebbels). Leider brüllen die nicht allzu hellen Randalierer vor den Flüchtlingsheimen sehr geübt das „Wir sind das Volk!“ und geben sich dadurch auch recht eindeutig zu erkennen. Joseph Goebbels war auch hier noch etwas ehrlicher:

Wir wollen Recht für das deutsche Volk. Da man uns dieses Recht nicht im Guten gibt, fordern wir es mit der Brutalität der Faust.

Es wäre ein Irrtum zu glauben, die Straßengewalt diskreditiere PEGIDA und schade so der Bewegung. Wie Hannah Arendt erkannte, nützt offener Terror jeder faschistischen Bewegung, denn dem einen Teil der Bevölkerung imponiert sie, den anderen Teil schüchtert sie ein. Dass in Deutschland gerade „die Stimmung kippt“, hängt gewiss mit der Mischung aus Furcht und Respekt zusammen, mit der viele Bundesbürger PEGIDA betrachten. Von Hannah Arendt stammt auch die Beobachtung, dass man faschistische Führer beim Wort nehmen muss, denn sie verschweigen ihre Pläne nicht, sondern sprechen sie offen aus, um zu erschrecken und zu beeindrucken. Wenn Lutz Bachmann also ankündigt, kein „Volksverräter“ werde „ungeschoren“ davonkommen, jeder die „Quittung für seinen Vaterlandsverrat“ erhalten, wie es dann auch ein symbolischer Galgen bei der Montagsdemonstration bezeugt – dann sollte man diese Worte und Gesten sehr ernst nehmen.

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Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. München: Piper, 17. Aufl. der ungek. Taschenbuchausgabe 2014 [zuerst 1951]

Joseph Goebbels: „Der Nazi-Sozi“. Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten. Elberfeld: Verlag der Nationalsozialistischen Briefe, [zuerst 1927], 2. Aufl. 1932

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Erläuterungen zu diesem Beitrag bietet ein Interview, das ich dem Magazin VICE gegeben habe.

Buchempfehlung: „Vorsicht Volk!“

Wir erleben zurzeit mit Phänomenen wie PEGIDA und der Alternative für Deutschland eine der erfolgreichsten rechtsradikalen Mobilisierungswellen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, ähnlich den Erfolgen der NPD unter Adolf von Thadden zwischen 1966 und 1968 oder der militanten nationalistischen Euphorie Anfang der neunziger Jahre. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Irritierend an der gegenwärtigen Lage ist vor allem, dass sich in Bewegungen wie den „Mahnwachen für den Frieden“ oder der „Querfront“ Positionen und Personen vermischen, die man gewöhnlich auf gegensätzlichen Seiten des politischen Spektrums verortete. Die Rechte und die Linke scheinen sich zu überschneiden, geläufige Unterscheidungen werden fragwürdig. Linke und Mitglieder der gleichnamigen Partei demonstrieren gemeinsam mit Anhängern von AfD und NPD, sofern es nur gegen „die Amis“ oder „Zionisten“ geht. Wladimir Putin, der reaktionäre Autokrat und Träger des Sächsischen Dankesordens, wird von linken Antiimperialisten und rechten Reichsbürgern gleichermaßen dafür bejubelt, dass er dem „Westen“ die Stirn bietet.

In dem von Markus Liske und Manja Präkels im Verbrecher Verlag herausgegebenen Band Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn? versuchen zwanzig Autorinnen und Autoren aus dem Feld der antinationalistischen Linken, die unübersichtliche Lage zu erhellen. Die verschiedenen Beiträge sind journalistischer, essayistischer oder satirischer Natur – und allesamt lesenswert. Einige Texte widmen sich der verdienstvollen Arbeit, rechte Strukturen aufzudecken und rechte Ideologeme zu kritisieren. So spüren etwa Patrick Gensing und Elke Wittich der Bedeutung des Internets für die neue Rechte nach. Und Kerstin Köditz deckt die engen Verbindungen zwischen Staatspartei CDU, AfD, Burschenschaften und neurechten Intellektuellen im gescheiterten Staat Sachsen auf. Der eigentliche Wert des Bandes aber liegt in der linken Selbstkritik. Harald Dipper entlarvt in seinem Beitrag Das große Geheimnis die gefährliche Naivität von Linken, die sich mit Reaktionären verbrüdern, solange es sich nur um Feinde von Feinden handelt. In diesem Sinne kritisiert neben Jörn Schulz auch Ivo Bozic die grassierende Putin-Verherrlichung:

Auf ihn können sich linke und rechte Nationalisten und Europagegner, Antiamerikaner und Antisemiten, Lügenpresse-Schreier und Homofeinde, friedensbewegte Aluhutträger und Pegida-Rassisten, Wertkonservative und ostalgische Sowjetfreunde einigen.

Ivo Bozic steuert auch den wichtigen Hinweis bei, dass die Idee einer „Querfront“ zwischen Nationalismus und Sozialismus schon von den Autoren der sogenannten „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik propagiert wurde und entsprechende nationalbolschewistische Strömungen bis 1934 auch in der NSDAP existierten. Wie Alexander Karschnia in seinem Beitrag zeigt, gibt es auch in der linken Tradition eine Neigung, den Begriff „Volk“ zu mythologisieren. Es ist gewiss kein Zufall, dass Christine Ostrowski, die schon als PDS-Politikerin zu völkischen Phrasen griff und im Gespräch mit Neonazis 1992 völlige Übereinstimmung in sozialen Fragen konstatierte, nun zu einer lauten Verteidigerin der PEGIDA-Bewegung in Dresden herabgesunken ist. Angesichts der Welle ausländerfeindlicher Gewalt fiel ihr zum Beispiel bei Facebook ein:

Die Frage ist doch, weshalb die Gewaltbereitschaft derart zugenommen hat. Aus meiner bescheidenen Sicht liegt das daran, dass seit über einem Jahr und immer noch von Politik und Medien die wahre Stimmungslage in der Bevölkerung negiert, verkannt, verunglimpft, missverstanden, verurteilt wird. Die Menschen merken das sehr genau. Und irgendwann macht sich der eine oder andere Luft, verliert der eine oder andere die Kontrolle (Massenerscheinungen von deutscher Gewalt gibt es aber dennoch nicht, möglicherweise noch nicht ). Appelle helfen, wenn es soweit schon gekommen ist, da nicht weiter. Es müssen sich die Verhältnisse ändern. Und das heißt in unserer Lage: Migrantenstrom stoppen, außerhalb der EU.

Mutig ist in diesem Zusammenhang der Beitrag von Klaus Lederer, dem Landesvorsitzenden der Partei Die Linke in Berlin, der sich nicht nur von dem plumpen Hass gegen böse Amis und Rothschilds distanziert, den manch anderer Genosse pflegt, sondern auch selbstkritisch einräumt:

Progressive Medienkritik, eine Kapitalismuskritik auf der Höhe der Zeit, Kritik an der Militarisierung der Gesellschaft und an der Entleerung demokratischer Prozesse, Kritik an Ausgrenzung und Prekarisierung sind zentrale humanistische, linke Themen. Diese Themen können vor allem deshalb „von rechts“ besetzt werden, weil eine demokratische, emanzipatorische Linke dazu zu wenig auf die Beine stellt, weil ihre Antworten zu oft selbstreferenziell, zu abstrakt und wenig lebenszugewandt sind.

Auch andere Beiträge des Buches eröffnen Perspektiven, die das deprimierende politische Tagesgeschehen transzendieren. In ihrem essayistischen, ja beinahe poetischen Text Die Eingeborenen spürt etwa Manja Präkels in einer Mentalitätsgeschichte en miniature dem Befinden der Ostdeutschen nach. Und sogar das Genialische streift abschließend Anselm Neft, wenn er nach den Urgründen des Rassismus in der Theologie und der menschlichen Natur sucht. Sein Beitrag passt bestens ans Ende eines Buches, das nicht einfach polemisch auf die anderen zeigt, sondern zur Selbstreflexion einlädt. Die Autorinnen und Autoren des Bandes verzichten auf intellektuelle Kompromisse, anders als jene, die sich von Zugeständnissen an den Nationalismus erhoffen, die verlorene Mehrheitsfähigkeit der Linken wiederherzustellen. Volkstümlich wird dieses Buch deshalb nicht werden, aber das ist dieser Tage vielleicht nicht das schlechteste Kompliment.

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Markus Liske und Manja Präkels (Hg.): Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn? Berlin: Verbrecher Verlag, 2015, 192 Seiten, 18 Euro.

Termine der Woche

Am Mittwoch (7. Oktober) lese ich als Gastautor bei der Lesebühne PotShow in Potsdam. Neben den Stammautoren Marc-Uwe Kling und Maik Martschinkowsky ist auch die Dresdner Poetin Kaddi Cutz mit dabei. Los geht es um 20 Uhr im Spartacus.

Am Donnerstag (8. Oktober) präsentiert unsere Lesebühne Sax Royal wieder ein brandneues Programm in der Dresdner scheune. Neue Geschichten, Gedichte und Lieder gibt es von Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann, Stefan Seyfarth und mir. Los geht es um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf oder an der Abendkasse.

Am Freitag (9. Oktober) lese ich gemeinsam mit den Kollegen Max Rademann und Udo Tiffert wieder als Lesebühne Grubenhund in Görlitz. Los geht es um 19:30 Uhr im Kino Camillo.

Waldesruh. Ein Heimatgedicht

O, du schöner deutscher Wald
Bist mein liebster Aufenthalt!
Zwischen Eichen, Kiefern, Schlehen
Muss ich keine Deutschen sehen.

Pilze sprießen aus dem Moose.
Und es blüht die Herbstzeitlose.
Füchslein schleicht auf leisen Pfoten,
Aber keine Patrioten.

Stämme ächzen müd im Winde.
Spechte klopfen auf die Rinde.
Höhlen seh ich hier von Dachsen,
Doch rein gar nichts von den Sachsen.

Zitat des Monats September

Hier dagegen, wo allen alles gehört, ist jeder sicher, daß keinem etwas für seine persönlichen Bedürfnisse fehlt, sofern nur dafür gesorgt wird, daß die öffentlichen Speicher gefüllt sind. Es gibt nämlich keine mißgünstige Güterverteilung, es gibt weder Arme noch Bettler dort, und obwohl keiner etwas besitzt, sind doch alle reich.

Thomas Morus: Utopia

Ihr seht schon: es gibt dort keinerlei Möglichkeit zum Müßiggang und keinerlei Vorwand, sich vor der Arbeit zu drücken: keine Weinstube, keine Bierschenke, nirgendwo ein Freudenhaus, keine Gelegenheit zur Verführung, keinen Schlupfwinkel, keine Lasterhöhle. Vor aller Augen vielmehr muß man seine gewohnte Arbeit verrichten oder seine Freizeit anständig verbringen.

Thomas Morus: Utopia

Aus meiner Fanpost (11): Ein Multikulti-Schmierfink der Sächsischen Zeitung in Aktion

Es ist mir eine Ehre, wegen meines Textes Das letzte Gefecht der Rassisten Gegenstand der 1052. Pressemitteilung des AfD-Landesverbandes Sachsen zu sein. Dass sie bei meiner jüngsten Lesung in Dresden von Protestierern vor der Tür sogar als Handzettel verteilt wurde, hat mich auch höchlich erfreut. Ich helfe gern bei einer noch weiteren Verbreitung:

Ein Multikulti-Schmierfink der Sächsischen Zeitung in Aktion
Meissen, 13.9.2015

Ein Rassist ruft „Haltet den Dieb!“
Kommentar zum Artikel des Michael Bittner vom 27.08.2015
https://michaelbittner.info/2015/08/27/das-letzte-gefecht-der-rassisten/

Selten kann man einen Beitrag lesen, wie den von M. B., der nur so von Hetze gegen Andersdenkende strotzt.

Und es bleibt nicht dabei, auch ganze Territorien werden wie z. B. Sachsen als kulturell und politisch zurückgeblieben herabgewürdigt.

Nun, dieser Herr M. B hat vermutlich die Zeit verpasst, sonst wäre ihm vielleicht eine Redaktionsstelle in früheren Systemen angeboten worden.
Wehe dem, der das Wort Heimat in den Mund nimmt, diesen „Rassisten“ trifft die ganze Wut des M.B., denn diese Menschen teilen nicht seine, einzige und wahre, Meinung. Es geht weiter, wenn M.B. den Volkstod herbeisehnt, genannt die Vermischung des Deutschen mit anderen Kulturen.
Allerdings geht ihm diese zu langsam, also muß die Zuwanderung in die so wörtlich „Kuhdörfer“ Meißen, Freital, Heidenau, Tröglitz und Schnelllroda. Den Eigennutz dieser Bestrebungen gibt M. B. sogar zu, er wolle nicht allein sein mit den Deutschen! Nun, wir sind sprachlos, aber nicht so stumm, um ihm nicht einen Rat geben zu können: Pack Dein Ränzel, verlass diese Kuhdörfer-Gemeinschaft und sichere Dir ein anderes Fleckchen Erde. Vermissen wird Dich keiner und mit einer Heimat wirst Du auch nicht belästigt werden.

Detlev Spangenberg

Termine der Woche

Am Dienstag (15. September) feiert die Dresdner Sektion des Vereins Deutsche Sprache den „Tag der deutschen Sprache“. Zu diesem Anlass bestreite ich eine musikalische Lesung zusammen mit der Dresdner Band 2Hot unter dem Titel „Sprachkritik und Boogie Woogie“. Zu hören gibt’s also gleichermaßen Satiren und Kolumnen über sprachliches und kulturelles Elend wie groovigen Jazz und Swing. Los geht es um 19 Uhr im Ortsamt Loschwitz. Der Eintritt ist frei!

Von Dienstag bis zum Sonntag (15. bis 20. September) findet in dieser Woche zum siebten Mal Literatur Jetzt!, das Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur statt. Ich war auch in diesem Jahr unter den Organisatoren des Literaturfestes, das die Grenzen zwischen literarischer Subkultur und Hochkultur durchlässiger machen möchte. In diesem Jahr widmet sich das Festival unter dem Motto „Neue Welten“ besonders Autoren, die sich Zukunftsutopien verschrieben haben oder in ferne Regionen der Erde führen. Besonders herzlich lade ich ein zur Lesung von Helge Meves, der am Sonntag (20. September) das von ihm herausgegebene Buch „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ im Kunsthaus Dresden präsentieren wird. Ich darf die Lesung moderieren und mit Helge Meves über Piraten als Sozialrebellen, Staatsgründer und Frühkommunisten diskutieren. Los geht es um 20 Uhr.

Der Zorn der Sachsen

Mit Verwunderung blickt ganz Deutschland auf einen kleinen Flecken am Rande der Republik: Sachsen. Ein Bundesland, das bislang nur für eine sympathische Sprachbehinderung seiner Einwohner und den Schnauzbart von Wolfgang Stumph bekannt war. Das abgelegene Ländchen steht nun plötzlich mitten im Licht jener brennenden Flüchtlingsheime, die allnächtlich von jungen Sachsen angezündet werden. Tagsüber melden sich derweil besorgte Sachsen mit kritischen Anmerkungen zur Migrationspolitik wie „Mistvieh!“, „Hure!“ oder „Fotze!“ zu Wort. Was ist bloß los im Freistaat?

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Termine der Woche

Am Mittwoch (9. September) bin ich in Berlin in der Buchhandlung ocelot zu Gast im Rahmen von „Berlin liest“, dem Eröffnungstag des 15. Internationalen Literaturfestivals. Unter dem Titel „Die besorgten Bürger“ lese ich eine Auswahl jener Texte, die ich in den letzten zehn Monaten zur Debatte um Migration und Fremdenhass geschrieben habe. Achtung: Los geht es schon um 16:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag (10. September) beendet die Dresdner Lesebühne Sax Royal endlich die öde Sommerpause. Neue Geschichten gibt es nicht nur von mir, sondern wie immer auch von Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth. Los geht es um 20 Uhr in der scheune. Karten gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf.

Am Freitag (11. September) startet auch die Lesebühne Grubenhund in Görlitz in die neue Saison. Neue Geschichten lesen mit mir die anderen Stammautoren Udo Tiffert und Max Rademann. Los geht es um 19:30 Uhr im gemütlichen Kino Camillo.

Am Sonnabend (12. September) bin ich einer von beinahe zwanzig tollen Lesebühnenautorinnen und -autoren, die zum 15. Geburtstag des Kantinenlesens auftreten. Ort ist wie immer die Alte Kantine, Moderator wie immer Dan Richter, aber Achtung: Es geht aufgrund der Fülle der Autoren diesmal schon um 19:30 Uhr los!

Termine der Woche

Am Donnerstag (3. September) moderiere ich wieder gemeinsam mit Stefan Seyfarth den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettkampf beginnt um 20 Uhr.

Am Freitag (4. September) lese ich gemeinsam mit der Band 2Hot in der Robert Philipp Buch- und Spielwarenhandlung in Großröhrsdorf (Hohe Str. 1). Während die Band beschwingten Jazz und Boogie Woogie spielt, lese ich eine bunte Mischung aus älteren und aktuellen Satiren, Kolumnen und Geschichten. Los geht es um 19 Uhr.

Am Sonntag (6. September) lese ich gemeinsam mit der Liedermacherin Jana Berwig in Dresden. Passend zu ihren Liedern über die Liebe werde auch ich Geschichten vorlesen, die soweit irgend möglich nichts mit der nervtötenden Politik zu tun haben. Los geht es um 19 Uhr in der Rösslstube.