Was bleibt von PEGIDA? Mit Bemerkungen zur Studie von Professor Werner Patzelt

Wenn selbst Jasper von Altenbockum von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung PEGIDA als „politischen Kadaver“ bezeichnet, darf man wohl davon ausgehen, dass die Bewegung der Dresdner Wutbürger wirklich gestorben ist. Es finden sich allerdings immer noch jeden Montag tausende Demonstranten zusammen, um den immer gleichen Reden zu lauschen. Aber eine Perspektive ist nirgends zu erkennen: Es gibt keine neuen Ideen, kein überzeugendes Programm, keine Aussicht auf politische Macht. Die Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland ist vorerst gescheitert, zumal diese Partei zurzeit ohnehin damit beschäftigt ist, sich selbst zu zerlegen. Die Kandidatur von Tatjana Festerling für das Amt des Dresdner Oberbürgermeisters ist nicht mehr als einer der – durchaus gekonnten – Marketinggags von Lutz Bachmann. Festerling wird vielleicht einen kleinen Achtungserfolg erringen und 10 bis 20 Prozent der Stimmen bekommen. PEGIDA wird über Wahlbetrug klagen. Und dann? Eine Partei kann PEGIDA nicht werden, weil die Führungsfiguren sich durch Inkompetenz auszeichnen und weil die Bewegung nur in Sachsen eine nennenswerte Anhängerschaft gewinnen konnte, überall sonst in Deutschland aber kläglich gescheitert ist. Das wahrscheinlichste Szenario also ist: Die Anhänger ziehen sich frustriert ins Privatleben zurück und tauchen unverwandelt wieder auf, wenn eine neue Welle rechter Mobilisierung durchs Land rollt. Das Phänomen PEGIDA mag also der Vergangenheit angehören und nur noch Gähnen hervorrufen. Wachsamkeit aber erfordert das Potenzial zu einer neurechten Sammlungsbewegung, das nun in der Gesellschaft schlummert.

Professor Werner Patzelt hat in einer neuen Studie die gegenwärtige Verfassung von PEGIDA untersucht. Ihm gebührt Lob für die aufwändige Arbeit ebenso wie den Studenten, die bei ihren montäglichen Befragungen nicht nur angenehme Begegnungen hatten:

Dabei waren „scheiß Studentenpack“ und „Linksfaschisten“ noch die harmlosesten unter den dokumentierten Beleidigungen.

Die Studie beruht auf der statistischen Auswertung und Interpretation der Antworten von Demonstranten auf vorgelegte Fragen, also letztlich: auf dem Selbstbild der PEGIDA-Angänger. In zweierlei Hinsicht ist die Methode problematisch: Einerseits ist es recht wahrscheinlich, dass die Radikalen die Antwort eher verweigerten als die Gemäßigten. Andererseits ist es nicht auszuschließen, dass Demonstranten in dem Bemühen, die Bewegung möglichst „normal“ erscheinen zu lassen, bewusst oder unbewusst ihre Aussagen gemäßigt haben. In beiden Fällen wäre die Tendenz eine verharmlosende. Einer, der von sich behauptet, er sei kein Rechtsradikaler, kann dennoch einer sein. Aber trotzdem: Eine unvollkommene Umfrage ist besser als gar keine empirische Grundlage. Die Ergebnisse dürften im Großen und Ganzen ein einigermaßen adäquates Bild ergeben. Dies gilt allerdings nicht für die Interpretation der Ergebnisse durch Professor Patzelt, die durch eine einseitige Sichtweise verzerrt wird. Aber Einseitigkeit, zumal so offensichtliche, ist nichts Verwerfliches. Sie fördert Diskussion und Erkenntnis oft besser als ein ängstliches und unfruchtbares Sowohl-als-auch.

Die Ergebnisse der neuen Studie sind nicht neu, sie bestätigen vielmehr frühere Befragungen. PEGIDA ist keine Vereinigung, die nur aus Nazis und Rassisten bestünde, wie manche Linke vorschnell urteilen, sondern eine – weit überwiegend rechte – Sammlungsbewegung von Unzufriedenen und Politikverdrossenen. Professor Patzelt unterscheidet nach den Daten der Umfragen drei Typen von Teilnehmern: „xenophobe Patrioten“ (53%), „bedingt Xenophile“ (30%), „rechtsradikale Xenophobe“ (17%). Ins Deutsche übersetzt heißt das ungefähr: „Wir haben in unserem schönen Deutschland zu viele Ausländer!“ (53%), „Wir haben in unserem schönen Deutschland zu viele gefährliche oder unnütze Ausländer! Aber gegen Ausländer an sich habe ich nichts.“ (30%), „Ausländer? Wo ist mein Baseballschläger?“ (17%) Letztere Gruppe hält auch Gewalt gegen den politischen Gegner für gerechtfertigt. Nennen wir sie ruhig: Nazis.

Überraschend an den Ergebnissen der neuen Studie ist allenfalls, dass die Spaltung und Schrumpfung der Bewegung zwar die Reduktion auf einen harten Kern, nicht aber eine sehr auffällige Radikalisierung bewirkt hat. Es gab einen Ruck nach rechts, aber nur einen kleinen.

Wie hat sich also PEGIDA geändert? Der „harte Kern“ ist geblieben; sein „Weichbild“ ist erodiert; und weil Gutwillige sich mehr und mehr resigniert zurückziehen sowie die Vorbedingungen von mancherlei Gutwilligkeit immer mehr bedroht erscheinen, treten mehr und mehr Radikale ins Blickfeld.

Diese Radikalen dominieren auch bei Facebook, weshalb für Beobachter im Netz die Bewegung oft einheitlicher und extremer erscheint als in der analogen Wirklichkeit. Allerdings zeigt Professor Patzelt bei der Definition dessen, was als rechtsradikal zu gelten hat, selbst sehr viel Gutwilligkeit.

Wer Abneigung schlechthin gegen Ausländer im eigenen Land als „Rassismus“ bezeichnen will, der kann […] knapp 43% der heutigen PEGIDA-Demonstranten „Rassisten“ nennen.

Ich würde sagen: Wir machen das mal so. Denn die xenophobe Abneigung richtet sich ja tatsächlich nur höchst selten gegen Schweden oder Passauer, meistens aber gegen (echte oder vermeintliche) Ausländer, denen man ihre „Fremdheit“ ansieht.

Zwar ist es rund jeder zweite Befragte, der – gleichwie – „Andersartige“ lieber aus seinem Land haben als in ihm sehen möchten. Doch mehr als ein Fünftel widerspricht dieser durchaus als „kulturalistisch rassistisch“ zu bezeichnenden Position klar.

Das ist eine recht trübe Lage, die auch nicht besser wird, wenn man ihr rhetorisch eine positive Wendung verpassen möchte. Zwar die Hälfte – doch mehr als ein Fünftel! Leider hat Professor Patzelt es versäumt, Fragen zu stellen, die eine Unterscheidung zwischen kulturalistischem Patriotismus und völkischem Rassismus überhaupt erst ermöglicht hätten. Dies erleichtert es ihm, bei der Einschätzung der PEGIDA-Anhänger immer die positivste Interpretationsvariante zu wählen. Aber wenn 43% der Befragten sagen, auch friedliche Muslime gehörten nicht zu Deutschland, weckt dann nicht vielleicht doch die Herkunft und nicht die Religion den Hass?

Ähnlich unzureichend ist die Fragestellung in Sachen Demokratie:

71% […] der Befragten nannten die „Demokratie, alles in allem“ etwas „eher Vorteilhaftes“, während sie nur 29% […] für „eher problematisch“ hielten. Grundsätzliche Gegnerschaft zur Demokratie lässt sich den PEGIDA-Demonstranten also nicht mit nachvollziehbaren Gründen zuschreiben.

Ja, wenn man nur wüsste, was die PEGIDA-Anhänger unter „Demokratie“ verstehen! Man müsste sie glatt mal fragen! Aber vielleicht erführe man dann Dinge, die man lieber gar nicht wissen will. Immerhin hören wir noch:

Mindestens drei Viertel der Pegidianer sind unzufrieden mit der Demokratie, wie sie real in unserem Land funktioniert.

Das überrascht nicht – denn die Demokratie funktionert eben nicht so, wie die „Pegidianer“ es gerne hätten! Das montägliche Völkchen, das sich so gerne verbal zum Volk aufschwingt, es verlangt nach einer Demokratie, die nach seiner Pfeife tanzt. Aber es versteht nicht, die passende Melodie zu spielen, und zuhören mag auch kaum noch jemand.

Professor Patzelt wiederholt auch noch einmal seine „Diagnose“ der Krankheit PEGIDA und seine Vorschläge zur „Therapie“, die nicht beim „Symptom“ stehen bleiben dürfe, sondern zu den tieferen Ursachen dringen müsse. Eine Bewegung von besorgten, aber gutwilligen Bürgern sei erst durch hysterische Gegendemonstranten und parteiische Politiker und Journalisten in verhängnisvoller Weise isoliert und radikalisiert worden. Freut sich Professor Patzelt nun über das Ende der Gegenproteste? Überraschenderweise nicht:

Immerhin meinte die im Dezember und Januar so umtriebige Gegnerszene von PEGIDA am 11. Mai, auf sämtliche Gegendemonstrationen verzichten zu können – freilich, nachdem der Protest ohnehin schon ziemlich eingeschlafen war. Entweder wurde erkannt, dass man sich vor einem durch Einbildung stark gemachten Popanz gefürchtet hatte, oder man war es einfach leid, montagabends immer wieder Freizeit opfern zu sollen. Letzteres wäre kein verheißungsvoller Hinweis auf die innere Widerstandskraft von Teilen unserer Gesellschaft, falls unsere freiheitliche demokratische Ordnung einmal wirklich von Feinden mit langem Atem angegriffen werden sollte.

Da wirft Professor Patzelt den PEGIDA-Gegnern erst ihren Protest vor – und dann spottet er höhnisch darüber, sie protestierten ja gar nicht mehr. Das ist doch ein wenig schäbig. Wie überhaupt die Art, in der er den Gegnern von PEGIDA einseitig die Schuld an der „Vergiftung sehr vieler sozialen Beziehungen“ zuschiebt:

Schaden werden Deutschland deshalb viel weniger die PEGIDA-Demonstrationen als – vor allem – die verblendeten, wenig Konstruktives bewirkenden Reaktionen auf sie.

Der Therapievorschlag von Professor Patzelt: Man müsse mit den Rechten auf der Straße in einen Dialog treten, ihre Sorgen ernst nehmen und ihre Forderungen womöglich erfüllen. Leider gebe es keine politische Kraft, die sich das traue:

Tatsächlich finden die Deutschen mit politischer Grundeinstellung rechts der Mitte seit längerem kein respektables und obendrein stabiles Personal- und Programmangebot mehr. Eben das ist jene „Repräsentationslücke“, in welche rechte Bewegungen wie PEGIDA – so wie zuvor, freilich als Parteien, die Republikaner, die DVU und die NPD – unschwer eindringen können.

Merkwürdig: Wenn es immer Parteien gab, die in die Lücke eindrangen, wann klaffte sie denn je? Die Antwort: Nie. Es gibt keine Repräsentationslücke außerhalb des Kopfes von Professor Patzelt. Die rechten Deutschen wurden immer repräsentiert. Aber sie wurden durch diese Repräsentation stets aufs Neue enttäuscht, weil die Forderungen, die radikale Rechte so haben, von keiner demokratischen Partei durchgesetzt werden können. Es gibt keine Mehrheit für sie, oft sind sie nicht einmal mit der Verfassung vereinbar. Aus dieser notwendigen Folgenlosigkeit, nicht aus einem Mangel an Repräsentation, resuliert die Enttäuschung der rechten Bürger. Sie ist der Frustration der radikalen Linken gar nicht so unähnlich. Und sie ist unauflöslich. Solange es die bürgerliche Demokratie gibt, wird es eine rechtsradikale Schmollecke geben, aus der gelegentlich Gruppen fluchend ins Licht der Öffentlichkeit stolpern. Niemand sollte sich einreden lassen, erst der Protest bringe den Rechtsradikalismus hervor. Im Gegenteil: Nur eine wache Gegenbewegung kann ihn in Deutschland in Grenzen halten. Man mag Professor Patzelt allerdings darin zustimmen, dass es sinnvoll ist, demokratische konservative Positionen nicht als Nazismus zu dämonisieren. Denn so verstärkt man nur grundlos das rechte Frustpotenzial.

Zum Schluss noch ein letzter Kritikpunkt. Er betrifft nicht das, was Professor Patzelt untersucht, sondern das, was er nicht untersucht hat. In der ganzen Studie wird nicht eine einzige der Reden, die bei PEGIDA gehalten und beklatscht wurden, analysiert. Wenn man wirklich herausfinden möchte, was PEGIDA will, sollte man dann nicht einfach mal zuhören, wenn die Führer und Anhänger von PEGIDA sprechen? Die Pöbeleien bei Facebook mag man als extreme Ausfälle beiseite lassen. Aber nicht ein Wort über die Lügen von Lutz Bachmann, den Geifer von Tatjana Festerling, den völkischen Nationalismus von Götz Kubitschek? Könnten die gesprochenen Worte etwa der gutwilligen These von der Gutwilligkeit von PEGIDA gefährlich werden? Angesichts solcher Ignoranz liegt die Vermutung nahe: Man muss sich die Ohren wohl sehr fest zuhalten, um PEGIDA verstehen zu können.

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Über die Vorstellung der Studie berichten die Sächsische Zeitung und die Dresdner Neuesten Nachrichten. Die gesamte Pressekonferenz zur Präsentation kann man sich auch als Video anschauen.

Prof. Patzelt hat sich die Mühe gemacht, zu meinen Bemerkungen eine kritische Erwiderung zu schreiben. Zu dieser habe dann wiederum ich noch einige Worte gesagt.

Beachtenswerte Kritik an der Studie von Prof. Patzelt hat der Politologe und Grünen-Politiker Miro Jennerjahn in einem Beitrag für Publikative.org geübt. Auch auf diese Kritik hat Prof. Patzelt geantwortet.

Termine der Woche

Am Donnerstag (14. Mai) gibt es eine neue Ausgabe der Lesebühne Sax Royal in der Dresdner scheune. Ich lese neue Geschichten gemeinsam mit den Stammautoren Roman Israel und Max Rademann sowie gleich zwei wunderbaren Gästen: dem Lausitzer Schriftsteller Udo Tiffert und dem Berliner Poeten Temye Tesfu. Wie immer geht es um 20 Uhr los. Karten gibt es im Vorverkauf oder an der Abendkasse.

Am Freitag (15. Mai) lese ich dann wieder gemeinsam mit den Kollegen Max Rademann und Udo Tiffert in Görlitz bei der Lesebühne Grubenhund. Als besonderer Gast ist diesmal Temye Tesfu aus Berlin mit dabei. Los geht es um 19:30 Uhr im Kino Camillo.

Gedanken zum Streik der Lokführer

Ist es nicht seltsam, wie gerade jene, die sonst immer den freien Wettbewerb preisen, nun anlässlich des Bahnstreiks aufgeregt fordern, es dürfe keinen Wettbewerb zwischen Gewerkschaften geben? Warum eigentlich? Weil ein solcher Wettbewerb ausnahmsweise mal einer um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen wäre, ein Wettlauf nach oben also und keiner nach unten. Die Gewerkschaft, die ihre Mitglieder besser vertritt, würde ihn gewinnen. Nicht nur die Lokführer, sondern alle Beschäftigten würden schließlich von einem solchen Sieg profitieren. Dass die Deutschen, diese unverbesserlichen Neidhammel und Untertanen, sich von der Bild-Zeitung willig vom Gegenteil überzeugen lassen – geschenkt. Aber dass selbst die SPD mit Hilfe eines Gesetzes noch die letzten aktionsfähigen Gewerkschaften entmachten will, ist ein neuer Tiefpunkt der Erbärmlichkeit in der an Tiefpunkten reichen Geschichte dieser Partei. Der letzte machtvolle Kämpfer für die Rechte der Arbeiter ist Sachse und CDU-Mitglied. Kann man die trostlose Lage der Linken in Deutschland treffender bezeichnen?

Termine der Woche

Am Donnerstag (07. Mai) moderiere ich – ausnahms- und erfreulicherweise diesmal zusammen mit Max Rademann – wieder den Dresdner livelyriX Poetry Slam in der scheune. Der Dichterwettkampf beginnt um 20 Uhr.

Am Sonnabend (09. Mai) bin ich einer der Autoren beim Kantinenlesen, dem von Dan Richter moderierten Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen. Mit dabei sind die wunderbaren Kollegen Jochen Schmidt, Falko Hennig und Sebastian Lehmann. Los geht es um 20 Uhr in der Alten Kantine.

Der Greisengeruch des Abendlandes. Ein Gespräch über den Roman von Thomas Kapielski

„Verrate mir, Freund, kennst du eigentlich den Schriftsteller und Universalkünstler Thomas Kapielski?“

„Kennen? Ich liebe ihn mit Inbrunst und verehre seine Schriften einer Offenbarung gleich! Oft schon grämte ich mich ob des Gefühls, Thomas Kapielski werde in seinem Heimatland nicht gebührend gewürdigt! Aber wie wäre das auch möglich in Deutschland, diesem witzlosen Gefilde, wo so wenige Menschen klugen Humor zu schätzen wissen!“

„Wir sind uns ganz einig in dieser Frage. Aber sag an, wie behagte dir der Volumenroman mit dem Titel Je dickens, destojewski!, den Kapielski jüngst der Mit- und Nachwelt übergab?“

„Es ist, dafür halte ich, ein Meisterwerk der komischen Literatur! Wie virtuos spielt der Dichter in diesem Buche mit der romantischen Ironie! Er parodiert mit seinem Roman zugleich auf kunstvollste Weise die Gattung des Romans. Tritt doch der Erzähler, genannt der Pohle, im Erzählten auch als Figur auf und bespricht sich regelmäßig mit dem Helden Ernst L. Wuboldt, den er selbst schöpfte! Alle Handlung wird so zum höheren Spaß verflüchtigt, nirgends stummer und stumpfer Realismus wie in den meisten Romanen der Gegenwart. Und Kapielski, er wusste, was er tat! Erweist er doch dem Meister des komischen Romans, Laurence Sterne, auf subtile Weise seine Ehrerbietung! Mit einem besonderen Kapitel über Nasen nämlich!“

„Fast schäme ich mich, dieser ganz berechtigten Eloge noch Bedenken entgegenzusetzen. Aber! Ein Buch von 450 Seiten, das beinahe nur aus Kneipengesprächen besteht? Geht das an?“

„Wie hätte der Dichter schöner das Werk des großen Boccaccio in die Gegenwart versetzen können? Im Decamerone fliehen kluge Menschen vor der Pest aufs Land und erzählen einander im kleinen Kreis Geschichten. Bei Kapielski ziehen sich reifere Männer und Frauen angesichts der Pest der Gegenwart in Kneipen in Spandau und Bamberg zurück, um ungestört zu trinken und zu philosophieren.“

„Gewiss. Sind nun aber Stammtischgespräche nicht doch gewöhnlich für die Beteiligten immer lustiger als für den nüchternen Beobachter? Ich fand mich als Leser des Romans wohl manchmal in dieser unbefriedigenden Rolle wieder.“

„Du hättest dir vor der Lektüre einige Biere einflößen sollen. So tat ich’s und erheiterte mich bestens.“

„Gern suche ich den Fehler bei mir selbst. Doch war’s noch etwas anderes, das meine Stimmung trübte. Kapielski schwor vorzeiten dem Kommunismus ab – gut, warum nicht! Doch musste er hernach gerade zum Propheten eines neuerlichen Untergangs des Abendlandes werden? Diese Klagen über Kindermangel und Fremdvölker, Schwulenehe und Veganismus – die erinnern doch fatal an zeitgenössische Parolen dunkeldeutschester Art. Dieser Greisengeruch des Abendlandes, den der Erzähler selbst über seinem Stammtisch wittert, er müffelt doch ein bisschen nach Ressentiment, zumal der Pohle beständig übers Zukurzkommen in Sachen Finanz und Prestige jammert.“

„Aber wie wird das alles von dem unnachahmlichen Stil und der allgegenwärtigen Ironie gemildert, ja ich möchte sagen: geheiligt! Bekennt der Autor doch schelmisch, nur aus Spaß mutwillig in den Orchideenplantagen des Salonkommunismus herumtrampeln zu wollen. Das tut er denn auch, gewiss in der guten Absicht, den Linken einmal Gelegenheit zu geben, das Vorurteil zu widerlegen, sie seien humorlos.“

„Nun gut. Ich gestehe auch: Fast auf jeder Seite finde ich einen Aphorismus, dessen Weisheit mich mit dem Dichter sogleich wieder versöhnt. Ich möchte ganze Seiten auswendig hersagen, aber beschränke mich auf eine beispielhafte Passage: Möglich, daß die Tiere reden könnten, wenn sie bloß wollten, es aber nicht tun aus Angst, sie müßten dann in die Schule gehen und arbeiten und dann auch arbeitslos werden, was ihnen den einst naturwüchsigen Müßiggang mit Langeweile und existentiellem Überdruß vergällen würde. Also ist es klug, daß die Tiere sich doof stellen.

„Ich spiele schon seit Längerem mit dem Gedanken, mir das Gesamtwerk von Thomas Kapielski auf den Körper tätowieren zu lassen. Erinnere dich doch auch daran, was er über die Seuche der Mobiltelefoniererei zu sagen weiß: Das Fernsein liegt solchen Telefonisten nahe, das Nahe ganz fern. Die Fernen mögen sie herbeirufen, die Nahen lieber fernhalten. Das Ferne zieht an, das Nahe stößt ab. Mit welcher Rührung las ich im Roman auch die Reflexionen des Dichters über das Alter gleich neben Erinnerungen an die früheste Kindheit! Welcher Dichter sonst verstünde es, zugleich das Unbehagen in der Kultur und die elementare Freude am Dasein so ergreifend zu schildern?“

„Ich fürchte fast, wir beide haben uns verrannt und vergangen! Allzuviele Geheimnisse deuteten wir in das ganz klare Buch neunmalklug hinein!“

„Das mag sein. Aber wie sagt Ernst L. Wuboldt so treffend: Hermeneutik ist: etwas lesen, was gar nicht drinsteht.

„Trinken wir darauf nun beide zehn Halbe!“

„So sei es!“

***

Thomas Kapielski: Je dickens, destojewski! Ein Volumenroman. Berlin: Suhrkamp, 2014, 458 Seiten, 20 Euro.

Meinen früheren Hinweis auf Thomas Kapielskis Buch Neue Sezessionistische Heizkörperverkleidungen findet der Interessierte auf der Seite der Lesebühne Sax Royal.

Termine der Woche

Am Montag (27. April) bin ich Gast der literarischen Reihe “Peace, Love & Poetry” in Berlin, die von Sarah Bosetti und Daniel Hoth moderiert wird. Drei Autoren lesen um die Wette und alle drei gewinnen. Mit dabei sind auch Piet Weber und Michael-André Werner. Start: 21 Uhr im Kaffee Burger.

Am Mittwoch (29. April) bin ich einer der Diskutanten bei einem Tischgespräch zum Thema “Satire darf alles” in Dresden. Erwartet werden auch Vertreter der radikalobstitionellen Bewegung Front Deutscher Äpfel. Los geht es um 20 Uhr in der Motorenhalle des riesa efau.

Zitat des Monats April

Der Mob setzt sich zusammen aus allen Deklassierten. In ihm sind alle Klassen der Gesellschaft vertreten. Er ist das Volk in seiner Karikatur und wird deshalb so leicht mit ihm verwechselt. Kämpft das Volk in allen großen Revolutionen um die Führung der Nation, so schreit der Mob in allen Aufständen nach dem starken Mann, der ihn führen kann. Der Mob kann nicht wählen, er kann nur akklamieren oder steinigen.

(Hannah Arendt)

Über den Stil und Sibylle Berg

Ich verrate jetzt einfach mal das Geheimnis des Stils: Es ist sehr leicht, gut zu schreiben, wenn man recht hat. Nur Autoren, die irren oder lügen, müssen der Sprache Gewalt antun. Schlechter Stil sollte deswegen immer misstrauisch stimmen. Stilkritik ist keine klugscheißerische Pedanterie, wie getroffene Hunde oft bellen, sondern unverzichtbar für vernünftige Diskussionen.

Es gibt viele Menschen, die sich in dem Irrtum befinden, die Sprache wäre nur das äußerliche Gewand der Gedanken. Aber die Sprache ist das Denken selbst. Darum sagt Nietzsche: „Den Stil verbessern – das heisst den Gedanken verbessern, und gar Nichts weiter!“ Viele Leute glauben dagegen, sie hätten tiefe und wahre Ideen, könnten sie nur nicht richtig ausdrücken. Sie irren sich. Was man begriffen hat, kann man auch sagen. Was man nicht sagen kann, hat man noch nicht begriffen. Wer am Ausdruck verzweifelt, der sucht den Fehler an der falschen Stelle, nämlich in den Fingern und nicht im Kopf.

Ich möchte an einem prominenten Beispiel illustrieren, wie schlechter Stil und unzureichendes Nachdenken zusammenhängen. Um dem Vorwurf vorzubeugen, ich würfe kritische Blicke immer nur nach rechts, blicke ich heute mal woandershin. Einige meiner Freunde versichern mir, die Autorin Sibylle Berg habe tolle, lesenswerte Romane veröffentlicht. Umso unverständlicher ist es für mich, warum sie so schlechte, gedanklich wie sprachlich schlampige Kolumnen für Spiegel Online schreibt. Als ein Beispiel, das durch viele andere ersetzt werden könnte, diene die jüngste Kolumne über „Impfgegner“ vom 18.4. 2015:

In der „Welt“ diskutieren Mitarbeiter in Serie über den Feminismus, ein Wort, das ich auch nicht mehr lesen oder hören kann, ohne dass mir die Knie einschlafen.

Füße können einschlafen und auch ganze Beine – aber Knie? Ergibt das Sinn?

Als ob man seit 50 Jahren darüber redete, ob LehrerInnen Kinder schlagen dürfen oder nicht.

Das ist kein guter Vergleich, denn die körperliche Züchtigung war noch viel länger nicht nur diskutabel, sondern auch legal. Mancherorts wird heute noch mit gutem Gewissen geschlagen.

Irgendwann müssen gesellschaftliche Probleme in einer demokratischen Welt die Phase der Diskussion verlassen und politisch zu Gesetzen werden, anders scheint mitunter keine Entwicklung möglich.

Auch der dritte der drei ersten Sätze der Kolumne ist schief. Ein Problem muss zum Gesetz werden? Ganz sicher nicht. Was Sibylle Berg sagen wollte, aber nicht gesagt hat: In einer demokratischen Gesellschaft sollten Probleme nicht endlos diskutiert, sondern irgendwann durch eine gesetzliche Regelung endgültig gelöst werden.

Das Impfen, Sie erinnern sich? Rückkehr zu Masern, Mumps und Keuchhusten, es ist ja auch sonst nichts los. Ich wagte im Freundeskreis, den ich nicht besitze, jüngst die These, dass es westlichen Eltern bald gelingen würde, in eben den westlichen Ländern auch die Kinderlähmung wieder einzuführen. Zum Wohle aller. Ich komme noch aus einem Jahrhundert (zwei Kriege habe ich erlebt), als Kinder mit Geh-Schienen im öffentlichen Raum normal waren. Es lehrte uns Kinder Demut. Vielleicht scheint das Impf-KritikerInnen erstrebenswert.

Wir verstehen ungefähr, was Sibylle Berg sagen möchte und sind sogar einverstanden. Aber wir müssen den Sinn teilweise erraten. Der letzte Satz bedeutet eigentlich genau das Gegenteil dessen, was er sagen will: Impf-KritikerInnen hielten die beschriebene Demut für erstrebenswert. So ist das leider immer mit den Kolumnen von Sibylle Berg. Man muss beständig gegen Verwirrung und Verzerrung anlesen. Dies und nicht etwa die argumentative Schärfe macht die Kolumnen der Autorin so anstrengend.

These zwei: Es geht nicht um den Kampf gegen die Pharmalobby oder die Reptiloiden, sondern um ein wirksames Erziehungsmittel: Kindern Angst zu machen, indem man dem Kind schreckliche Schicksale zeigt, ist hilfreicher als Themen auszudiskutieren.

Sibylle Berg hält also das Angstmachen für hilfreicher als das Diskutieren? Das wäre eine selbst recht diskussionsbedürftige These. Oder muss man das Ganze ironisch lesen? Wirft sie stattdessen den Impfgegnern vor, Kindern Angst vorm Impfen zu machen? Man weiß es nicht. Die Ironie funktioniert in Sibylle Bergs Kolumnen selten, weil man der Autorin jeden Gedankensprung und jede argumentative Inkonsistenz wirklich zutraut.

Oder, These drei, zeigt sich am Impfbeispiel eine der Schwachstellen der Demokratie? Ist eine demokratische Gesellschaft nur so intelligent, wie ihre dümmsten Mitglieder? Zieht sich der Graben zwischen Mitbestimmung, Freiheit und Macht der gewählten Regierung da, wo es um die Gewinnmaximierung des kapitalistischen Systems geht?

Wer reißt nun diesen merkwürdigen Graben auf? Oder zieht er sich auf geheimnisvolle Weise selbst? Sibylle Bergs Kolumne weigert sich wie auch sonst oft, das verantwortliche Subjekt konkret beim Namen zu nennen. Stattdessen gibt’s diffuse Attacken gegen den Kapitalismus, die niemanden wirklich treffen. Es ist ein Weltekel, der sich selbst für Gesellschaftskritik hält. Ähnlich diffuse Vorwürfe erheben auch die Impfgegner, die eine Verschwörung der Pharmaindustrie mit Ärzten und Politikern wittern. Sibylle Berg ist also von der Unvernunft, gegen die sie anschreiben möchte, gar nicht so weit entfernt.

Oder genau dort, wo die Meinungsfreiheit in Hetze umschlägt, oder die persönliche Freiheit die geistige und körperliche Gesundheit der Anderen gefährdet, kurz: sich Einfalt gegen das Gemeinwohl wendet? Wie kann man sich gegen scheinbaren Unsinn wehren, ohne sich als Volldepp zu outen und mit Pappschildern Wilders Ausführungen beizuwohnen? Und wie kann man dafür sorgen, dass die Bevölkerung eines Landes einen ähnlichen Grad an Bildung und Verantwortungsbewusstsein erreicht um ihren demokratischen Pflichten in einer Weise nachzukommen, die nicht nur auf den eignen Vorteil bedacht ist? Muss jeder in eine Partei eintreten, um seine Idee, wie ein Land regiert werden sollte, durchzu-, sagen wir, sitzen? Vertraut man auf die Eigenverantwortung, und ignoriert so etwas wie Angst und Dummheit wegen Uninformiertheit?

Wer mir erklären kann, wie dieses Irgendwie-ist-irgendwas-mit-unserem-Land-nicht-in-Ordnung noch mit der Debatte ums Impfen zusammenhängt, dem gebe ich ein Bier aus. [Vgl. unten den Deutungsvorschlag des Kollegen Anselm Neft.] Ist PEGIDA eine Infektionskrankheit, gegen die Zwangsimpfungen helfen könnten? Der Vorwurf, unsere Gesellschaft leide unter dem Egoismus der Einzelnen, ist so idealistisch wie abgenutzt. Er geht an der konkreten Sache wieder ganz vorbei. Das Problem ist ja nicht, dass Bürger nur ihren eigenen Vorteil suchten, sondern dass sie durch Vorurteile sich selbst und der ganzen Gesellschaft schaden.

Wie sollte der Staat beschaffen sein, in dem sie gerne leben, möchte ich alle fragen, die die westlichen Staaten ablehnen, die gegen „die da oben“ wettern, die von Bullen reden und zugleich nach mehr Polizei rufen. Die ihre Kinder nicht impfen lassen, aber schreien, wenn sich das Kind in einer Kita ansteckt, und sei es mit Läusen. Was wollt ihr und wie soll das aussehen? Ihr Motzer da draußen.

Ein Impfgegner würde ruhig antworten: „Wir schreien gar nicht über Ansteckungen, wir veranstalten sogar Masern-Partys, weil wir glauben, dass diese Krankheiten nicht so gefährlich sind, wie man uns einreden möchte. Selbst die Laus gehört zu den natürlichen Kreaturen auf Gottes schöner Erde. Wir würden die Läuse durch homöopathische Kopfduschen gewaltfrei zur Umsiedlung bewegen.“ Und schon wäre Sibylle Berg argumentativ schachmatt gesetzt.

Die Autorin selbst schwankt ganz wie die angeklagten Wutbürger unentschieden zwischen Freiheitsverlangen und dem Wunsch nach staatlichem Zwang. Auch Sibylle Berg weiß nie, was sie eigentlich will. Deswegen sind ihre Kolumnen nicht mehr als manchmal halbwegs treffendes, manchmal bloß überflüssiges Gemotze.

***

„Ich hätte gerne ein Bier von dir. Der Zusammenhang in dem tatsächlich unsauberen, von dir aber teilweise nicht gründlich genug gelesenen Rumformuliere von Frau Berg ist der: Wenn Impfgegner aufgrund ihrer Sicht der Dinge das Wohl anderer Leute durch Ansteckung mit fiesen Krankheiten gefährden können, dann wendet sich in Bergs Augen „Einfalt gegen Gemeinwohl“ und es ergibt sich die Frage, wie man allgemein mit der Unbildung und Verwirrung der Mitmenschen umgeht, die einen ja auch immer selbst in Mitleidenschaft ziehen können.“ (Kommentar von Anselm Neft)

Aus meiner Fanpost (8): Im Gespräch mit PEGIDA (2)

Hallo Michael, ich beziehe mich auf deine Tatjana F.-Eloge auf facebook und wollte nur mal bekräftigen, dass ich spontan auch diese Sympathie für die Hooligans empfand, als sie in Köln loslegten. Warum soll denn eigentlich das Beilegen interner Streitigkeiten nur dann eine gute integrative Leistung darstellen, wenn es z.B. durch Ahmad Schah Massoud geschah, der mehrere Stämme dazu brachte, sich nicht gegenseitig zu massakrieren, sondern gemeinsam gegen den Feind vorzugehen ? Nun gut, die Hools lesen nichts Schöngeistiges wie ich gerade ( Horaz, Kalidasa, jeweils im Original), aber müssen sie auch nicht. Bei der Bundeswehr verpflichten sich ja auch nicht Leute, die Rilke lesen. Insofern liegen die Hools richtig. Wie soll man sonst den islamischen Bodensatz loswerden? Vorurteil von mir ? Nein, ich bin studierter Religionswissenschaftler und kenne den Koran besser als die Wuppertaler Scharia-Polizei. Am liebsten lese ich die Original-Dokumente und ich meine es absolut ernst, wenn ich vorschlage, diesen Dialog auf Lateinisch oder Sanskrit weiterführen zu dürfen.Ich liebe alte Religionen, aber nur grundgesetzkonforme ! Namaste,

Hallo R***,

danke für Ihre Zuschrift! Ich bin ein Freund des Dialogs, allerdings muss ich sagen: Mit jemandem, der Gewalt für ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung hält, weiß ich nichts zu reden. Dass Sie ein gebildeter Mensch sind, freut mich. Ich vermute aber, es würde auch Ihnen schwer fallen, mir eine „grundgesetzkonforme“ alte Religion zu nennen, da alle religiösen Schriften jede Menge Unsinn und Bosheit enthalten. Das verwundert nicht, entstanden sie doch in barbarischen Zeiten. Als Wissenschaftler lege ich Ihnen die Lektüre von George L. Mosse: „Die Geschichte des Rassismus in Europa“ ans Herz. Dort können Sie nachlesen, wie der moderne Antisemitismus entstand, weil Rassisten die Juden pauschal zu einem Kollektiv des Bösen erklärten. Sie benutzten dabei das Alte Testament und den Talmud als Beleg für die bösartige Natur der Juden insgesamt – genauso, wie Sie jetzt die bösartigen Passagen des Koran als Waffe gegen den „islamischen Bodensatz“ instrumentalisieren.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner

Hallo Michael,
für das was in Talmud oder Altem T. steht kann ich nichts. Mit wem soll ich die Schriften denn sonst in Verbindung bringen, wenn nicht mit den Juden ? Ich halte Juden, Muslime, Christen und alle anderen für Menschen mit denselben Rechten. Deren Schriften sagen allerdings das Gegenteil, und das weißt du nicht, weil du wie 90% aller Deutschen die Bibel nie liest. Lies sie bitte, damit dir das große Kotzen kommt. Man muss die Leute vor den heiligen Schriften schützen.
„Barbarisch“ waren die alten Zeiten ? „Aurea prima sata est…..heißt es bei Ovid, das waren eben die Goldenen Zeiten, wo  „sine lege fidem rectumque colebat“, wo man ohne Gesetze spontan alles richtig machte. Sicher eine realitätsferne Illusion, aber unsere muslimischen Mitbürger sehen als „Goldene Zeit“ das  7. Jhdt., die Zeit des Propheten, sie tun dies durchaus pauschal und sie wollen es real durchsetzen. Das möchte ich verhindern, zur Not mit Gewalt.
Gruß aus D***, R*** !

Hallo R***,

danke für die Antwort! Ich werde immer ein bisschen misstrauisch, wenn Leute mit ihrer Bildung protzen. Nicht selten wollen sie dann nämlich ihren unvernünftigen, hasserfüllten Vorurteilen nur eine respektable Einkleidung verschaffen. „Die Juden“, auch noch die von heute, wären also kollektiv verantwortlich für die fiktiven Verbrechen und die teilweise abscheulichen Sittenvorschriften des Alten Testaments? Und Millionen Muslime, die in weit überwiegender Zahl friedlich in Europa leben, arbeiten Ihrer Meinung nach also insgeheim gemeinsam daran, die Macht zu erobern und einen neuen Gottesstaat zu errichten? Es tut mit leid, aber für mich klingt das wie eine neue Version der Verschwörungstheorie, die vor hundert Jahren behauptete, die Juden strebten unterirdisch nach der Weltherrschaft. Die islamistischen Gotteskrieger, die selbst der absurden Ideologie der Welteroberung anhängen, verkenne ich dabei nicht. Ich hoffe, dass weder die Islamisten noch ihre geistigen Zwillingsbrüder, die militanten Muslimhasser, in Deutschland zu politischer Macht gelangen. Um das zu verhindern, sind meiner Ansicht nach alle friedlichen Mittel und – sollte irgendwann einmal „andere Abhilfe nicht möglich“ (§ 20 (4) GG) sein – auch Mittel gewaltsamen Widerstandes legitim.

Ich denke, damit haben wir unsere gegensätzlichen Positionen im Dialog ausreichend deutlich gemacht, wenn auch leider nicht völlig ausgleichen können.

Mit freundlichen Grüßen, Michael Bittner.