Phrase & Antwort – die zweite Show

Gemeinsam mit dem Kollegen Maik Martschinkowsky von Die Lesedüne habe ich am 6. Mai die zweite Ausgabe unserer neuen satirischen Presseshow Phrase & Antwort als Livestream geliefert. Wir haben uns u.a. mit den Kampfschriften von Verschwörungsdurchblickern, christlichen Streitern gegen die Onanie und dem Rechtstwitterer Norbert Bolz beschäftigt. Wer mag, kann die ganze Show jetzt kostenlos auf unserer Homepage anschauen:

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Der Weg zum kleinen Mann. Über Robert Misiks „Die falschen Freunde der einfachen Leute“

Seit Jahrzehnten wird unter Linken ein Streit ausgetragen. Es geht um die Frage: Ist eine marxistisch fundierte Klassenpolitik noch zeitgemäß, oder muss sie durch eine Politik ersetzt werden, die verschiedene Gruppen von Subalternen im Kampf gegen Diskriminierung zusammenführt? Sollte es vor allem darum gehen, die Eigentums- und Produktionsverhältnisse zu ändern? Oder überschätzt eine solche Strategie die Bedeutung der Umverteilung im Vergleich zur gesellschaftlichen Anerkennung? Die Wahlsiege von „Rechtspopulisten“ wie Donald Trump haben den Ton in der Debatte noch einmal verschärft: Oft war in den vergangenen Jahren die These zu hören, eine Identitätspolitik, die beständig nur um sexuelle und kulturelle Fragen kreise, sei schuld daran, dass traditionelle Linkswähler aus der Arbeiterschicht zu den Rechten überlaufen. Der Wiener Publizist Robert Misik unternimmt in seinem Buch „Die falschen Freunde der einfachen Leute“ den Versuch, die Debatte von Vereinfachungen und falschen Entgegensetzungen zu befreien.

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Wird die Berliner Zeitung kippen?

Als das Hipster-Unternehmerpaar Holger und Silke Friedrich im September 2019 die seit langer Zeit schwächelnde Berliner Zeitung kaufte, rätselten Beobachter über die Gründe. Warum steigen erfolgreiche Geschäftsleute in die Totholzbranche ein? Ein Essay, in dem die beiden in ihrer Zeitung ihre Pläne der Weltöffentlichkeit vorstellten, sorgte nicht für Aufklärung, sondern nur für Zweifel am Geisteszustand der Erfolgsmenschen. Nachdem inzwischen mehrere Artikel in der Berliner Zeitung erschienen sind, die den Geschäftsinteressen der Friedrichs ganz gut zupasskamen, sieht man klarer. Ein Chefredakteur hat schon nach wenigen Wochen Reißaus genommen. Nun ist es an dem sogenannten Herausgeber und Geschäftsführer Michael Maier, dafür zu sorgen, dass die ökonomischen Interessen der Internet-, Bildungs- und Veranstaltungsunternehmer bei aller redaktionellen Unabhängigkeit nicht zu kurz kommen. Das ist nicht ganz einfach, steht doch die Berliner Zeitung noch in dem Ruf, ein bisschen links zu sein. Doch die Corona-Krise macht einiges möglich, so jüngst einen schneidig als „Leitartikel“ angekündigten Beitrag des Geschäftsführers Michal Maier höchstselbst unter dem Titel:

Die Stimmung wird kippen

Noch ist es sehr ruhig auf den Straßen Berlins. Nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen und der Stilllegung der Wirtschaft. Diejenigen, die es sich leisten können, genießen den schönen Frühling als eine Art vorgezogenen Sommerurlaub mit offenem Ende. In der Stadt merkt man nichts von Corona. Doch es ist eine trügerische Stille.

Vielleicht gibt es gute Gründe dafür, warum manche Menschen Journalisten, andere hingegen Geschäftsführer werden. Diese Gründe zeigen sich, wenn ein Geschäftsführer versucht, selbst zu schreiben und dabei nicht die Wirklichkeit vor Augen, sondern die Geschäfte der Eigentümer im Sinn hat. Um von Corona nichts zu merken, muss man die Augen jedenfalls schon fester geschlossen halten, als das bei Journalisten üblich ist. Besuche in einem beliebigen Supermarkt, bei der Investitionsbank Berlin und in der Intensivstation der Charité hätten eigentlich genügt, um wenigstens einige kleinere Veränderungen wahrzunehmen.

Die Stimmung kann jederzeit kippen – und sie wird kippen. Wenn am kommenden Montag die Stadt wieder langsam zum Leben erwacht, werden die meisten Bürger die erste einschneidende Änderung sehen: Die Maskenpflicht bei Bahn und Bus wird die Berliner aus der Illusion reißen, dass jetzt wieder alles gut wird.

Wieso die Berliner aus einer Illusion gerissen werden sollten, die sie sich gar nicht machen, bleibt Geheimnis des Geschäftsführers. Vielleicht war hier der Wunsch der Vater der Gedankenlosigkeit: Wie gerne sähe der Geschäftsführer, dass die Berliner schon jetzt wieder völlig unbesorgt ihren Geschäften nachgehen – vorzugsweise den Geschäften mit der CCG-Commercial Coordination Germany GmbH des famosen Holger Friedrich!

Man macht sich kaum eine Vorstellung, wie sehr sich unser Lebensgefühl und unser soziales Verhalten ändern werden, wenn wir überall Maskenmännern und Maskenfrauen in die Augen schauen werden.

Ist es nicht eigentlich recht einfach, sich davon eine Vorstellung zu machen? Ich vermute, die Berliner werden die Maskenmänner und Maskenfrauen im öffentlichen Nahverkehr so hinnehmen, wie sie rumänische Akkordeonspieler und nackte Experimentallyriker im öffentlichen Nahverkehr hinnehmen – schulterzuckend und gelassen.

Aktuell sind es vielleicht zehn Prozent der Fahrgäste, die eine Maske tragen. Ab Montag ist es verpflichtend, Masken zu tragen. Immerhin wird das Tragen von Masken nicht von der Polizei kontrolliert. Vermutlich hofft die Politik auf die Blockwart-Tradition: Dass man nämlich angepöbelt wird, wenn man ohne Maske in die Bahn steigt. Oder vom Busfahrer abgewiesen wird.

Auf die gute, alte Blockwarttradition der Berliner ist sicherlich Verlass. Man hört, dass früher auch schon einmal Freiheitskämpfer unter ihr zu leiden hatten, die sich ihr Recht nicht nehmen lassen wollten, im Bus zu rauchen oder auf den Sitz zu kacken.

Es kann natürlich auch umgekehrt sein: Dass Leute, etwa Jugendliche in Gruppen, aggressiv reagieren und zu provozieren versuchen. Spätestens wenn sich bei Temperaturen über 30 Grad der Schweiß unter der Maske ansammelt, dürfte es unwirtlich werden.

Während es bislang bei 30 Grad in Berliner Bussen geradezu paradiesisch zuging. Besonders, weil man ohne Maske die Achseldüfte seiner Fahrtgenossen völlig ungefiltert zu sich nehmen durfte.

Der Kernfehler der meisten Corona-Maßnahmen nach dem Shutdown besteht in der totalen Fehleinschätzung der Politik über die Grenzen ihres Wirkens. Diese geht in beide Richtungen: Die Politik unterschätzt sich, indem sie Virologen die Gesellschaft der Zukunft formen lässt.

Politiker, die sich Rat bei Fachleuten holen, verfehlen nach Ansicht des Geschäftsführers also ihren Beruf. Dass ein früherer Journalist meint, Politiker würden sich selbst unterschätzen, überrascht ein wenig. Üblicherweise halten Journalisten Politiker für überschätzt, vor allem, weil die sich so oft weigern, die Zukunft von Journalisten formen zu lassen.

Warum eigentlich nicht Onkologen? Oder Sucht-Mediziner? An Krebs und Rauschmitteln sterben wesentlich mehr Menschen als an Corona. Die Alkohol-Sucht ist zwar keine Seuche. Sie hat sich in den vergangenen Jahren jedoch rasant ausgebreitet. Die Risikogruppe sind die Jugendlichen.

Dass der Alkoholkonsum nicht wächst, sondern seit Jahren sinkt, auch bei Jugendlichen, hätte ein Journalist vielleicht recherchieren können. Aber in Zeiten des Ausnahmezustands dürfen sich Geschäftsführer mit derlei Ablenkungen nicht selbst die Zeit rauben. Ihr Metier ist die hohe Kunst des schiefen Vergleichs. Sie entdecken, dass Krebs und Suff ansteckend sind und deshalb wie Pandemien behandelt werden müssten.

Trotz all der grassierenden Krankheiten haben die Regierungen der Welt noch nie eine Art der globalen Quarantäne verhängt. Noch nie hat die Politik das Schicksal aller gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und religiösen Bereiche so willenlos in die Hände von Experten gelegt.

Früher ging’s doch auch ohne Quarantäne! Selige Zeiten, die denen Spanische und andere Grippen noch ungestört von den tyrannischen Griffeln der Experten Millionen dahinraffen konnten!

Zugleich überschätzt sich die Politik, indem sie Verordnungen erlässt, deren Einhaltung sie niemals kontrollieren und deren Auswirkungen sie nicht im Ansatz abschätzen kann. Die Verordnung des Mindestabstands von 1,50 Meter auf Spielplätzen ist an Irrsinn nicht zu überbieten.

Mir würden vielleicht noch zwei bis drei irrsinnigere Dinge einfallen, zum Beispiel die Kopfbehaarung von Holger Friedrich, aber das ist Geschmackssache. Durchaus interessant ist jedoch der Vorschlag des Geschäftsführers, in Zukunft keine Verbote mehr zu erlassen, die jemand brechen könnte. Das dürfte zu einem erheblichen Bürokratieabbau im Justizwesen und zu einer Entlastung der Gefängnisse führen.

Die Zerstörung der Gastronomie-Branche in Berlin kann auch durch Almosen nicht abgewendet werden: Aktuell ist zu erwarten, dass die Restaurants bis mindestens Ende Mai geschlossen bleiben müssen – so heißt es aus dem Senat.  […]

Mit dem Sterben von Restaurants fällt für viele Menschen ein Element der Balance weg: Sie können ihren Stress nicht abbauen, der – wie alle Ärzte bestätigen – in allen Altersschichten drastisch zunimmt.

Ich muss meine Kritik an den Recherchefähigkeiten des Geschäftsführers zurücknehmen. In so kurzer Zeit „alle Ärzte“ in Berlin zum Zustand ihrer Patienten zu befragen – das macht ihm so leicht niemand nach. Wie es die völlig gestressten, am Rande des Nervenzusammenbruchs stehenden Berliner am Ende des Leitartikels schaffen, mit den seelenruhigen, tiefenentspannten Berlinern am Anfang des Leitartikels identisch zu sein, bleibt das Geschäftsgeheimnis von Michael Maier.

Auch anderswo werden die Leute keine Hilfe finden: Die sogenannten „nichtärztlichen Heilberufe“ oder Zahnärzte stehen vor dem Kollaps. Das betrifft Praxen der Logo-, Ergo-, Physio- und Psychotherapie. Auch Tierärzte geraten unter Druck.

Das alles ist gewiss richtig und traurig. Doch frage ich mich, woher der Geschäftsführer die Überzeugung nimmt, dass eine ungehemmte Ausbreitung des Corona-Virus bei Ärzten und anderen Heilkräften für Entspannung sorgen würde. Weiß er etwa, dass alles in Wirklichkeit ganz harmlos ist? Wenn er doch nur mit der Sprache rausrücken würde! Aber das muss er nicht, denn Gleichgesinnte können zwischen den Zeilen lesen.

Die aus den Fugen geratene Politik gibt keine Hoffnung. Man werde über die zweite Welle der Öffnung erst entscheiden, wenn die Zahlen das hergeben, sagt der Senat. Welche Zahlen? Wer erstellt die Zahlen? Wer überprüft sie? Wer berechnet welche Modelle, zieht Schlussfolgerungen und übernimmt Verantwortung? Das Rezept der Politik ist apokalyptische Panikmache. Sie flieht in intransparente Experten-Berechnungen.

Am Ende erfährt der Leser, woher er rührt, der Zorn des Geschäftsführers. Er ist den Experten böse, weil die ständig Zahlen ins Internet stellen, die ihm nicht gefallen und schon deshalb fragwürdig sind. Und dann können sie auch noch rechnen! Michael Maier dürfte nicht der Einzige sein, der sich durch so viel Rücksichtslosigkeit beleidigt fühlt. So gab es denn auch viel Zustimmung zu seinem Leitartikel von allen Menschen, denen die Bitte, noch ein paar Wochen lang vorsichtig zu sein, in den Ohren klingt wie die Posaunen des Jüngsten Gerichts.

Die vermummten Gesichter, die wir ab Montag sehen werden, sind erst der Anfang einer tiefgreifenden Veränderung. Es wird keine schöne, neue Welt.

Sondern eine hässliche Corona-Diktatur, in der Angela Merkel, die Fürstin der Erreger, mit Waffengewalt die Vollverschleierung aller Menschen durchsetzt, freie Männer dazu zwingt, sich nach dem Pinkeln die Hände zu waschen, und am Ende vielleicht gar unter dem Vorwand der Hygiene Holger Friedrich seinen Bart abrasiert, in dem bislang so friedlich zwei Beutelmeisen nisten. Sollte die Diktatur aber doch nicht kommen, werden ganz gewiss die deutschen Freiheitskämpfer des Jahres 2020 verkünden, dies sei einzig ihr Verdienst.

Die Allerwertesten der Union

Wo immer einer von sich behauptet, er habe „Werte“, sollte man misstrauisch werden. So reden Leute, die gewöhnlich mit Vermögenswerten, Grundstückswerten und Wertpapieren zu tun haben. Sie können sich auch die Moral nur als einen Besitz vorstellen. Und sie sind, da sie viel besitzen, fest überzeugt davon, sie wären auch Eigentümer der Moral. Unbegreiflich ist ihnen, dass man „Werte“ nicht „haben“, sondern nur zeigen kann, indem man in entscheidenden Augenblicken richtig handelt. Mit der praktischen Humanität haben aber gerade diejenigen Schwierigkeiten, die sich anderen Menschen auf Grund von kolossalen „Werten“ überlegen wähnen. Sie sind so rein, dass es ihnen widerwärtig ist, sich die Finger zu beschmutzen. Die „Werte-Union“, eine politische Sekte am rechten Rand der CDU, ist so ein Fall.

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Deutschland auf der Couch. Über „Das gespaltene Land“ von Hans-Joachim Maaz

Dem AfD-Politiker Björn Höcke fällt es schwer zu verstehen, warum die Mehrheit der Deutschen sich seiner Führung noch nicht anvertrauen will. Er kann sich dies nur so erklären: Deutschland nähere sich, „was die politische Szene anbelangt, dem Zustand eines Irrenhauses: Hier tummeln sich notorische Realitätsverweigerer, Hysteriker, Schizophrene, Autoaggressive und auch Psychopathen.“ Zu seiner Diagnose angeregt wurde Höcke von dem Psychiater Hans-Joachim Maaz aus Halle, der seit vielen Jahren als Bestsellerautor die deutsche Gesellschaft aus psychologischer Warte analysiert. Als er Angela Merkel im Fernsehen eine Störung attestierte, inspirierte das Höcke dazu, nach einer „Zwangsjacke“ für die Bundeskanzlerin zu rufen. In seinem neuen Buch Das gespaltene Land hat Maaz seine Thesen nun noch einmal aufgeschrieben.

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Aus meiner Fanpost (38): Dudi Rutschke

Hallo Herr Bittner (auf eine bourgeois-zivilisierte Anrede wie sehr geehrter [oder wenigstens werter] Herr, werden Sie ja, als progressiv-linksradikaler ‚Autor‘ sicher keinen Wert legen).

GUT GETROFFEN … Ihre Rezension des neuen Werks von H.-J. Maaz, die ja vielleicht ein Verriss werden sollte? Nach der goldenen Transformations-Regel sind die Aussagen von Linksradikalen einfach um 180° zu drehen, um ein vernünftiges Ergebnis zu erhalten – und schon kommt eine wunderbare Kauf-Empfehlung heraus; obwohl ich nicht glaube, dass Sie das, was der Intellektuelle Maaz schreibt, wirklich verstanden haben, weil selbsternannte Klassenkämpfer ihren Verstand, falls vorhanden (und gemäß kommunistischer Doktrin) nur ungern zu Hilfe nehmen (sollen).

GUT GETROFFEN … auch Ihr Brandbrief zur seinerzeitigen Auto-Verbrennung von Prof. Patzelts PKW, in dem Sie sich scharf gegen Ihre Friedens- und Barrikaden-kämpfenden Stall-Genossen positionieren – oder habe ich diese verurteilende Stellungnahme nur geträumt? Der scharfzüngigen, hochintelligenten Kolumne von Prof. Patzelt waren Sie mit Ihrer urkommunistischen Hau-drauf-Argumentation leider zu keiner Zeit gewachsen – aber wenigstens die SZ (manche sagen auch ZOOSAK [Zentral-Organ der Ost-Sächsischen Alt-Kommunisten]) greift immer noch lieber auf Sie zurück, als auf den unbequemen Professor.

GUT GETROFFEN … auch Ihr Foto im o.a. Artikel – je mehr vom Gesicht bedeckt ist, umso ansehnlicher und sympathischer werden Sie; der Hut steht Ihnen gut (verleiht Ihnen aber einen unangenehm intellektuellen Touch) – weiter so!?

Heraus zum 1. Mai – Der Sozialismus siecht – Nieder mit den indilegduellen Klassenfeinden!

Dudi Rutschke

Das Bier kann nichts dafür

Es ist kaum zu glauben, wie sehr es mir fehlt: das Kneipengehocke, das Tresentheoretisieren, das eine Bier zuviel am Ende. Habe ich früher ein halbes Leben und mein halbes Vermögen in Kneipen vergeudet? Wahrscheinlich. Aber was für eine schöne Vergeudung das war! Diese tiefen Nächte, in denen ich mit Freunden und Fremden im Gespräch die Abgründe des Daseins ausleuchtete, um schließlich im Morgengrauen – durchgeistigt und benebelt – wieder ins Freie zu stolpern! Alles vorbei derzeit, der Seuche wegen. Der Staat schützt uns vor dem Virus und vor uns selbst. Bin ich vielleicht einfach Alkoholiker? Soll ich dem Virus danken, im Namen der Leber, die sich zum ersten Mal in Kurzarbeit von jahrelanger Plage erholen darf?

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Marons Abschiebung

Dass die „Bild“-Zeitung sich mit Literatur beschäftigt, kommt nicht alle Tage vor. Aber der Corona-Ausnahmezustand macht das Außergewöhnliche möglich. „Preisgekrönte Schriftstellerin soll Meck-Pomm verlassen“, posaunte die Zeitung im Netz und verriet mit dieser Schlagzeile zweierlei: dass sie nur Autorinnen für erwähnenswert hält, die einen Preis haben, und ihren Lesern nicht zutraut, den Namen Monika Marons zu kennen. „DDR-Kritikerin sollte aus ihrem Landhaus geworfen werden“, lautete die Überschrift in der gedruckten Ausgabe. Was war geschehen?

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„All das würde bald vorbei sein“. Über Lutz Seilers Roman „Stern 111“

Ein junger Mann aus Thüringen, verträumt und orientierungslos, flieht aus seinem alten Leben und findet in der Ferne eine neue Heimat in einer Gruppe von Außenseitern und Lebenskünstlern, die von einem charismatischen Weltverbesserer angeführt wird. Das ist nicht nur der Plot von Lutz Seilers Debütroman „Kruso“, der 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, genauso lässt sich auch Seilers neuer Roman „Stern 111“ beschreiben. Der Autor macht kein Geheimnis daraus, dass sein neues Buch in mehr als einer Hinsicht Fortsetzung seines vorigen ist. Nicht nur treten die zwei Hauptfiguren aus „Kruso“ in Nebenrollen noch einmal auf. Auch nautische Metaphern durchziehen „Stern 111“, obwohl die Geschichte diesmal nicht auf der Ostseeinsel Hiddensee, sondern im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in den Jahren nach dem Mauerfall spielt. Seilers Thema ist einmal mehr die Utopie.

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